Tag Archives: Wandern

Von Innsbruck nach Bozen: Tag 4 (Tribulaunhütte bis Sterzing)

18 Okt

An Tag 4 der Mini-Alpenüberquerung wurden wir von den Wirtsleuten der Tribulaunhütte sehr freundlich verabschiedet. Ich habe mir leider nicht notiert, wann wir an diesem Tag losgewandert sind, aber ich schätze, er war lang. Der Plan sah wie folgt aus: Durch ein Geröllfeld hinauf zur Schneetalscharte (2.646 m), dann ganz hinunter ins Tal nach St. Anton und von dort am Bach entlang nach Sterzing. Mir graute etwas vor dem langen Abstieg und den vielen Kilometern im Tal, aber sonst war ich guter Dinge. Nicht zu recht, wie sich zeigen sollte. Aber erst einmal zu den Basisdaten des Tages:

Ausgangshöhe: 2.064 Meter
Zielhöhe: 948 Meter
Höchster Punkt: 2.646 Meter
Tiefster Punkt: 948 Meter
Höhenunterschied: 799 Hm auf, 1.915 Hm ab
Strecke: 24,2 Km

Bis zur Schneetalscharte lief es wie erwartet etwas mäßig. Nach einem kurzen netten Steig kam Geröll, Geröll und nochmal Geröll. Wir kämpften uns so durch und kamen schnaufend und verschwitzt oben an. Zwischendurch passierte aber noch etwas entscheidendes: Große Markierungen mit Buchstabenkürzeln zeigten eine Abzweigung im Geröllfeld. Eigentlich war klar, dass wir uns nach links orientieren müssen. Diese Abzweigung hatten wir aber gerade verpasst und auf der Karte sah es so aus, als könnte man auch rechts gehen. Also gingen wir rechts.Tribulaunhütte bis Sterzing | raupenblau

Oben angekommen war die Stimmung schon nicht so grandios. 2.600 Meter Höhe spürt man. Außerdem sahen die Alternativen für den Weiterweg irgendwie nicht so furchtbar rosig aus: Nach rechts ging es hinauf zum Gschnitzer Tribulaun, da wollten wir nicht hin. Nach links deutete sich eine markierte Seilsicherung an, die nach Klettersteig aussah (das wäre der richtige Weg gewesen). Geradeaus ging eine steile, geröllige, unmarkierte Scharte. Weiter unten konnte man den Weg erahnen. Nach einer kurzen Beratung mit anderen Wanderern kamen wir zu dem Schluss, dass wir früher hätten links gehen sollen (richtig), dass der Klettersteig zu gefährlich ist ohne Sicherung (keine Ahnung, dazu hätte man einfach mal reinsteigen müssen) und dass es dadurch am vernünftigsten ist, durch die Scharte abzusteigen (falsch).

Tribulaunhütte bis Sterzing | raupenblau

Der unschuldig wirkende Einstieg in die Scharte

Mir machte diese Scharte von Anfang an ziemliche Bauchschmerzen, deswegen wollte ich nicht mehr warten und direkt einsteigen (ich weiß…). Da ich Sorge wegen Steinschlag hatte (wir hatten ja keine Helme dabei) schlug ich vor, mit Guido vorzugehen, die anderen sollten folgen, wenn wir unten ums Eck waren. Schon auf den ersten Metern wurde klar, dass die Scharte wirklich verdammt steil war. So steil, dass man eigentlich nur hinunterrutschen konnte. Da ich nur Shorts anhatte, zog ich eine Regenhose über (eine sehr weise Entscheidung). Wir rutschten also eine Weile, was ganz gut ging. Aber dann kamen wir an eine Stufe, die von oben nicht zu sehen gewesen war. Und die war ganz schön hoch. Ich kann recht gut klettern, aber nicht mit Rucksack (das hasse ich, siehe diverse Klettersteig-Erlebnisse). Daher kam ich auf die grandiose Idee, meinen Rucksack die Stufe hinunter zu werfen und hinterher zu klettern. Natürlich fiel der Rucksack nicht nur die Stufe hinunter, sondern hüpfte weitere ca. 50 Meter von Fels zu Fels nach unten. Handy in der Außentasche und so. Ach ja, der Rucksack war auch neu. In dem Moment war mir das aber herzlich egal, ich war froh, einfach klettern zu können. Trotzdem wechselte ich an der nächsten Stufe (denn die kam und war noch größer) die Strategie und reichte Guido den Rucksack hinunter. An dieser Stelle muss ich mal eine Lanze für die Firma Deuter brechen: Der Rucksack hat alles überlebt. Er hat nur ein winziges Loch. Das Handy lebte auch noch, sogar der Akku funktionierte danach wieder besser (?).

Ich will der Scharte hier nun nicht mehr Raum geben als möglich. Wir kamen da irgendwie durch, Guido und ich waren ein gutes Team und Ben und Undine schafften es später auch. Aber es war eine falsche Entscheidung, die uns unnötig in Gefahr gebracht hat. Aus meiner persönlichen Warte hätte ich einige Dinge anders machen sollen: Mir mehr Zeit für die Wegentscheidung nehmen, selbst die Karte lesen (wobei das in diesem speziellen Fall wenig gebracht hätte), nicht aus Anstrengung und Erschöpfung heraus entscheiden und auf mein Bauchgefühl hören. Als letzter Tribut an die Scharte hier nun eine Liste mit Dingen, die ihr zum Opfer fielen:

  • Regenhose (Clarissa)
  • eine Naht an Wanderhose (Undine)
  • diverse Schäden an allen Rucksäcken & Wanderstöcken (alle; zum Glück war alles danach noch zu gebrauchen)
  • Beulen an Flachmann und Handy (Clarissa)
  • brauner Hosenboden (Ben & Guido)
  • verbeulte Trinkflaschen (Undine & Ben)
  • diverse Kratzer und blaue Flecken (alle)
  • seelische Schäden (alle)

    http://www.deuter.com/DE/de/index.html

    Meine Regenhose, Post-Scharte

Nachdem wir die Scharte überwunden hatten, zogen Wolken auf und wir stiegen ab, wobei es ab und zu ein bisschen regnete. Insgesamt war der Abstieg eigentlich ganz schön, auf kleinen Wegen hinunter ins Tal. Ich musste allerdings noch ein bisschen Trauerarbeit leisten und ein Stück alleine gehen und mir Gedanken über die Scharte machen. Irgendwann stolperte ich und fiel hin und beschloss etwas genervt, das ganze hinter mir zu lassen. Klappte ganz gut.

Tribulaunhütte bis Sterzing | raupenblau

Ein kurzer Blick auf den Feuersteinferner

Kurz vor St. Anton besichtigten Guido und ich noch einen Wasserfall (wenig spektakulär) und dann gab es endlich mal wieder einen Apfelstrudel. Nicht der beste Apfelstrudel aller Zeiten, aber immerhin. Ich hatte den großen Luxus, von den Wanderschuhen in leichte Sneaker wechseln zu können, die ich als Hüttenschuhe dabei hatte. Das war dann erstmal super, wir liefen den Talweg entlang Richtung Sterzing. Bis Gossensasss war es sehr schön, wir sahen Bienen und Fohlen und Frösche. Danach war die Wegführung etwas seltsam, wir mussten viel an der Straße entlang gehen (kurz auch mal schön an der Brenner-Autobahn), bis wir endlich endlich in Sterzing am Kolpinghaus ankamen. Nun gab es Pizza. Ich vermute sie war gut, aber da ich sie wie ein hungriger Wolf verschlungen habe, kann ich nicht viel dazu sagen. Tiramisu zum Nachtisch, Taxi* ins Hotel, eine lange heiße Dusche und dann knipsten wir das Licht aus. Zum ersten Mal in Italien, das fing nämlich irgendwo in der Scharte an.

Und das sagen die Mitwanderer:

Undine: „Es war nicht alles schlecht.“

Ben: „Punkte sind nicht immer gut.“

Guido: „Bisher aufregendster Tag der Tour.“

*Als kleine Anekdote am Rande sei noch erwähnt, dass der Taxifahrer uns eine vom Tourimusverband gesponserte Fahrt hinauf zum Penser Joch (unserem nächsten Tagesziel) für schlappe 3 Euro anbot. Ben war zumindest kurzzeitig in dem Glauben, ich würde dieses Angebot annehmen. 

 

Werbeanzeigen

Von Innsbruck nach Bozen: Tag 3 (Innsbrucker Hütte bis Tribulaunhütte)

13 Okt

Tag 3 der Fast-Alpenüberquerung war eher so das, was man sich unter einer Tagestour vorstellt. Nach dem langen zweiten Tag war das auch gut so. Nach einem gemütlichen Frühstück warteten wir (vergeblich) darauf, dass unsere am Vorabend gewaschene Kleidung trocknete und machten uns gegen 9 Uhr auf den Weg – behängt wie Kleiderständer.

Innsbrucker Hütte bis Tribulaunhütte | raupenblau

Schafe an der Innsbrucker Hütte

Wie am Vortag war das Wetter schön, im Laufe des Tages wurde es richtig warm. An der Innsbrucker Hütte weiden Schafe, und so stiegen wir erst einmal durch Schafkacke ab, später wurden daraus Grashüpfer. Der Abstieg war ganz schön steil, wir bewältigten ihn aber recht zügig und waren am späten Vormittag im Tal bei Gschnitz, wo wir uns im Gasthaus Feuerstein einen Snack gönnten (bei mir war es eher ein ausgewachsener Eis-Palatschinken). Mein geliebtes Mobiltelefon hatte passenderweise beschlossen, auf dieser Tour jegliche Akku-Zuverlässigkeit aufzugeben und ich durfte es im Gasthaus netterweise aufladen. Wir hingen da eine Weile rum.

Innsbrucker Hütte bis Tribulaunhütte | raupenblau

Die nächste zu überwindende Bergkette

Nach kurzer Diskussion beschlossen wir, für den Aufstieg zur Tribulaunhütte (der österreichischen) den Forstweg zu nutzen, der uns nach kurzer Zeit an einen sehr schönen Bergbach führte. Dort nahmen wir zur Abwechslung einen Snack zu uns und hängten die Füße ins kalte Nass. Nachdem wir von freundlichen jungen Kühen abgeschleckt worden waren, erreichten wir (nach einem einfachen, wenn auch Temperatur bedingt schweißtreibenden Aufstieg) gegen 16 Uhr die Tribulaunhütte. Diese Hütte habe ich ja sehr ins Herz geschlossen: Sie ist ein lustiger Würfel aus den späten 1970er Jahren, die 2014 saniert wurde. Dadurch ist sie modern, hat ihren 70er-Jahre-Charme aber glücklicherweise behalten.

Innsbrucker Hütte bis Tribulaunhütte | raupenblau

Pause auf dem Weg zur Tribulaunhütte

Wir genossen den langen freien Abend, aßen Brot mit Ei und Kaiserschmarrn (leider nur 3 Rosinen in der Kaiser-Wertung: keine Rosinen, unfluffig, unsüß und nicht karamellisiert) und spielten Spiele. Der kompetitive Charakter der Brettspiele trug allerdings nicht zum Zusammenhalt in der Gruppe bei und ließen es wieder sein. Auf der Tribulaunhütte kann man theoretisch kostenlos warm duschen, wir waren aber zu früh dran und der Wärmespeicher noch nicht gefüllt. Außerdem gibt es nur eine frei zugängliche Steckdose, was meinen Akku-Problemen natürlich nicht entgegen kam.

Innsbrucker Hütte bis Tribulaunhütte | raupenblau

Tribulaunhütte

Zu den Eckdaten des Tages:

Ausgangshöhe: 2.369 Meter
Zielhöhe: 2.064 Meter
Höchster Punkt: 2.372 Meter
Tiefster Punkt: 1.277 Meter
Höhenunterschied: 1.182 Hm auf, 1.482 Hm ab
Strecke: 10,4 Km

Und das sagen die Mitwanderer:

Ben: „Meine Wadln sind hart wir Kruppstahl.“

Undine (bei der Waden-Massage): „Wenn du auch immer so rennen musst.“

Guido: „Keine Tiere gesehen.“ [Anm. d. Autorin: Das stimmt nicht ganz. Guido und Undine haben eine Maus gesehen. Kühe und Schafe wurden ab Tag 2 nicht explizit mehr berücksichtigt.]

In der Tribulaunhütte schliefen wir im Lager, gemeinsam mit zwei Herren, die zwar recht lange und laut im Gastraum feierten, dann aber vorbildlich leise ins Lager huschten (unsere Zu-Bett-Geh-Zeit war meistens 21 Uhr) und nicht schnarchten. Die Hütte wird von einer sehr lieben Wirtsfamilie inklusive Oma bewirtschaftet und wir haben uns hier sehr gut aufgehoben gefühlt. Der eher ruhige Tag war im Nachhinein gesehen ein Segen, denn der nächste sollte es (Achtung: Cliffhanger) in sich haben. Ach ja: Und die Wäsche wurde trocken.

Von Innsbruck nach Bozen: Tag 2 (Adolf-Pichler-Hütte bis Innsbrucker Hütte)

12 Okt

Tag 2 unserer Fast-Alpenüberquerung startete um 6.15 Uhr nach einer nicht ganz so ruhigen Nacht. Wir wussten, dass wir viel vor uns hatten und frühstückten fleißig. Zunächst hieß es, von 1.977 auf 2.500 Höhenmeter aufzusteigen. Auf dem Weg nach oben wurden wir von gelegentlichen Murmeltier-Pfiffen begleitet, sehen ließen sich die Alpen-Nager allerdings nicht. Oben angekommen wurden wir mit tollen Ausblicken belohnt.

Adolf-Pichler-Hütte bis Innsbrucker Hütte | raupenblau

Höchster Punkt auf dem Weg zur Starkenburger Hütte

Unser erstes Etappenziel war die Starkenburger Hütte. Wir wählten (diesmal versehentlich) die etwas längere Variante dorthin, die dafür schön in der Sonne lag. Zwischendurch war eine kleine Kletterpartie durch Lawinen-Verbauungen nötig und Nebel versperrte uns die Sicht aufs Ziel. Ein kleines Motivations-Tief machte sich breit, das wir aber bei Erreichen der Hütte mit Hilfe von Kuchen und Apfelstrudel schnell überwinden konnten.

Auf die Erholung folgte unser erster langer Abstieg: Nach Neustift im Stubaital auf 978 Höhenmeter. Undine und ich bestanden auf den Forstweg, der in langen Serpentinen nach unten führte. Auch im Nachhinein gesehen eine gute Idee, so dauerte der Abstieg zwar lange, war für die Knie aber nicht so schädlich. In Neustift wurde dann eingekauft: Undine rüstete auf und besorgte sich Wanderstöcke. Ich war auf der Suche nach einem Stift, nachdem mein einziges Schreibgerät (man spart ja Gewicht) bereits auf der Adolf-Pichler-Hütte dramatisch ausgelaufen und Ben und mich mit unfreiwilligen Tattoos versehen hatte. Leider gibt es bei MPreis keine Stifte, aber die nette Kassiererin schenkte mir ihren privaten Kugelschreiber. Das freute mich sehr.

Adolf-Pichler-Hütte bis Innsbrucker Hütte | raupenblau

An der Karalm, vor dem Aufstieg zur Innsbrucker Hütte

Um nun wieder auf den Berg hinauf zu kommen, schummelten wir ein bisschen und nahmen den Elfer-Lift. Ansonsten wäre die Etappe für uns auch nicht zu schaffen gewesen. Auch die Dame an der Liftkasse zeigte sich großzügig und gewährte uns den in Österreich so beliebten Einheimischen-Rabatt. Auf 1.700 Höhenmetern angekommen mussten wir erst einmal schlucken: Noch 3,5 Stunden bis zur Innsbrucker Hütte. Motivationskrisen 2-8 waren die Folge und wurden mit einem Schluck aus dem Flachmann bekämpft.

Bis zur Pinnisalm geht es erst einmal wieder etwas bergab, dann zur Karalm sehr sanft bergauf, das war in einer Stunde gut zu machen. Aber danach wurde es noch einmal richtig knackig: Von 1.770 auf 2.370 Meter. Das war Motivationskrise Nummer 9, aber wir sahen tatsächlich Steinböcke! Ich war ganz hingerissen. Es gab nochmal einen Müsliriegel und der reichte für mich gerade so, um diese 600 Höhenmeter zu bewältigen. Tatsächlich war es gar nicht so schlimm. Essen ist toll.

Adolf-Pichler-Hütte bis Innsbrucker Hütte | raupenblau

Innsbrucker Hütte

Die Innsbrucker Hütte war erwartungsgemäß sehr voll, aber da wir schon im April (oh ja) reserviert hatten, konnten wir uns über ein 4er-Zimmer freuen. Allerdings gab es eine Art Kaiserschmarrn-Verschwörung: Obwohl wir ihn riechen konnten, wurde uns keiner verkauft. Letztendlich war das egal, nach diesem Tag (wir waren 10,5 Stunden unterwegs gewesen) hätte ich auch ein Stück Holz gegessen. Wir gönnten uns noch 30 Sekunden warme Dusche für einen Euro, die Yoga-Stunde verlegte ich ins Bett und wir schlummerten friedlich.

Und das sagen die Mitwanderer:

Ben: „Hüftabwärts gelähmt, aber stolz.“

Guido: „Leider kein Murmeltier gesehen, dafür aber einen Steinbock!“ [Guidos Sternzeichen ist Steinbock!]

Undine: „Schotter stinkt. Mit Stöcken etwas weniger.“

Ausgangshöhe: 1.977 Meter
Zielhöhe: 2.369 Meter
Höchster Punkt: 2.532 Meter
Tiefster Punkt: 978 Meter
Höhenunterschied: 1.692 Hm auf, 2.137 Hm ab
Strecke: 23,4 Km

Von Innsbruck nach Bozen: Tag 1 (Grinzens bis Adolf-Pichler-Hütte)

11 Okt

Im August bin ich mit drei sehr netten Menschen von Innsbruck nach Bozen gewandert (wir nennen es immer „Die Alpenüberquerung“, aber streng genommen fehlen da natürlich noch ein paar Berge in beide Richtungen; orierntiert haben wir uns an dieser Route). Das war anstrengend, aber auch sehr schön und voller Eindrücke. Ein bisschen schwierig, das alles in einem Blog-Post festzuhalten, daher wird es zu jedem Tag einen Post geben. Zum Glück waren wir fleißig und haben abends immer ein paar Notizen gemacht. Auch die Mitwanderer werden hier zu Wort kommen: Mit Guido und Ben bin ich zur Schule gegangen; Undine ist seit Mai mit Ben verheiratet und die beiden leben in Innsbruck.

Von Grinzens zur Adolf-Pichler-Hütte | raupenblau

Aufstieg Richtung Kemater Alm

Guido und ich waren am Abend vor Start der Wanderung mit dem Fernbus (bzw. mit zwei Fernbussen, denn schon am ZOB in München mussten wir uns wieder trennen) nach Innsbruck gereist. Am 12. August ging es dann los: Mit dem Bus fuhren wir nach Grinzens, von wo unsere Wanderung startete. Der erste Tag war relativ überschaubar: Wir wanderten bis zur Adolf-Pichler-Hütte. Spontan entschieden wir uns ab der Kemater Alm für einen etwas längeren Weg über das Senderstal.

Ausgangshöhe: 960 Meter
Zielhöhe: 1.977 Meter
Höhenunterschied: 1.136 Hm auf, 114 Hm ab
Strecke: 11,9 Km

Von Grinzens zur Adolf-Pichler-Hütte | raupenblau

Senderstal

Das Wetter war an diesem Tag noch nicht so ganz auf unserer Seite, es war nieselig und wolkig und vor allem kalt (gefühlt 5°C). Anfangs  ging es noch über Asphalt und dann auf einen Forstweg. Der Umweg über das Senderstal lohnte sich: Hier hatte man das erste Mal „richtig“ das Gefühl, in den Bergen zu sein und bekam Lust auf die bevorstehende Tour. Gleichzeitig hatte ich ziemlichen Respekt: Ich war noch nie so lange am Stück gewandert, einige Etappen hatten es von Strecke und Steigung her ganz schön in sich und meine rund neun Kilo Gepäck fühlten sich am ersten Tag sehr schwer an.

Von Grinzens zur Adolf-Pichler-Hütte | raupenblau

Adolf-Pichler-Hütte unter Wolken

Gegen 14.30 Uhr kamen wir an der Adolf-Pichler-Hütte an. Die Hütte ist rustikal und klein und war voller Holländer, die beiden Hüttenwirtinnen Karin und Andrea hatten den Laden aber voll im Griff. Man kann nur Menü essen und so wurden wir für den nächsten Tag gemästet: Es gab Linsensuppe mit Pfifferlingen und Speck, dann Schweinsbraten oder alternativ Penne mit Gemüse, ein Salatbüfett und Rahmtopfen mit Vanille, Zitrone und Beeren. Wir hatten ohnehin vorgehabt, uns vor allem auszuruhen, nach dem Essen war auch nichts anderes mehr möglich.

Recht spontan startete ich an diesem Abend eine kleine Tradition: Jeden Abend machten wir zusammen etwas Yoga, zum Teil auf ziemlich engem Raum. Genächtigt haben wir im Sunntiger Zimmer (5).

Und das sagen die Mitwanderer:

Guido: „Gefühlt riesige Kuh-Weide.“

Undine: „Guido will schaukeln.“

Ben: „Willkommen im Heiligen Land Tirol.“

Folgende Tiere haben wir an diesem ersten Tag gesehen: Eichhörnchen, Schaf, Ziege, Kuh, Murmeltier (ausgestopft).

Der erste Tag war gut zu schaffen, im Nachhinein wären wir wohl schon weiter gegangen bis zur Starkenburger Hütte (dann ohne den Umweg ins Senderstal).

Feierabendtour zur Aueralm

10 Okt

Mal wieder bin ich hoffnungslos im Rückstand mit meinen Wander-Posts – tatsächlich sind hier noch ganze zwölf Sommer-Wandertage zu dokumentieren! Also mal lieber anfangen. Im August bin ich mit drei Freund_innen von Innsbruck nach Bozen gewandert – darüber werde ich natürlich noch berichten. Man sollte meinen, dass so viel laufen dann auch erst einmal reicht, aber tatsächlich war meine Sehnsucht nach Bergen danach noch größer. So nutzte ich dann den letzten Tag im August für eine kleine Feierabendtour zur AueralmAueralm | raupenblau

Dort war ich im März schon einmal mit Mareike gewesen und wollte mir die Hütte nun auch einmal im Sommer angucken. Mittwochs hat die Alm bis 23 Uhr geöffnet und ist ein gut besuchter Treffpunkt für die Mountainbiker der Umgebung. Auf meinem Aufstieg über den Forstweg an der Söllbachklause vorbei wurde ich auch von diversen Radlern überholt. Der Weg ist nicht sehr spektakulär, ich denke im Sommer wäre der Maximiliansweg die bessere Alternative. Aueralm | raupenblauAueralm | raupenblau

Oben angekommen gab es leckere Spinatknödel und zum Nachtisch Buttermilch. Ich genoss die Aussicht im tollen Abendlicht, machte mich aber auch schon bald an den Abstieg, da ich noch so viel Tageslicht wie möglich mitnehmen wollte.Aueralm | raupenblauAueralm | raupenblau

Auf dem Rückweg bemerkte ich dann einen strategischen Fehler was die Tourenplanung anging: Für den Abstieg wählte ich den Weg am Zeiselbach entlang, da ich diesen aus dem März noch kannte. Allerdings war ich hier allein, nur einmal kam ein Radler vorbei. Da der Weg im Wald verläuft und es schnell dunkel wurde, war das etwas gruselig und ich musste ein bisschen vor mich hinsingen, um eventuelle Wildschweine (hier bleibe ich meiner Position treu) fern zu halten. Meine Empfehlung wäre der Aufstieg über den Maximiliansweg und der Abstieg über den Forstweg, den vermutlich die Mountainbiker-Meute gewählt hat.

Klettersteig-Wochenende im Rofan-Gebirge

31 Aug

Anfang August war ich mit den üblichen Verdächtigen ein Wochenende im Rofan-Gebirge unterwegs; Klettersteige sollten auf dem Programm stehen. Vor zwei Jahren habe ich beim DAV einen Klettersteig-Kurs gemacht und berichtete damals schon von meinen etwas gemischten Gefühlen: Irgendwie macht es schon Spaß, aber der Sicherung vertraue ich nicht und bin mir deswegen unsicher, ob sowas ins Berg-Repertoire überhaupt reingehört. Beim Rofan-Wochenende waren wir zu viert, und zwei von uns hatten gar keine Klettersteig-Erfahrung.Rofan | raupenblau

Wir starteten am Sonntag mit dem Auto nach Maurach und fuhren mit der Rofan-Seilbahn hinauf zur Erfurter Hütte (die ich sehr mag). Am ersten Tag wollten wir uns dem Übungsklettersteig widmen, der auch schnell gefunden war (eine Übersicht der Klettersteige im Rofan gibt es hier). Übungsklettersteig Rofan | raupenblau

Der Steig ist größtenteils Schwierigkeitsgrad A/B, der Einstieg ist allerdings C. Hier ging es unseren beiden Anfängern auch wie mir damals im Kurs: Irgendwie ist das doch schwieriger, als man sich das vorgestellt hatte. Klettersteige sind nun mal doch eher klettern als wandern. Die Begeisterung hielt sich eher in Grenzen, obwohl alle den Steig gut bewältigten. Zum Glück sahen wir danach ein paar Murmeltiere.Grubersee Rofan | raupenblau

Um den Schock zu verdauen machten wir aber an diesem Tag keinen weiteren Klettersteig mehr – stattdessen wanderten wir gemütlich hinauf zu Rofanspitze, vorbei am kleinen Grubersee.Rofan | raupenblau

Zurück zur Hütte ging es vorbei am Rosskopf (wo wir den dortigen Klettersteig ehrfürchtig bestaunten), der Seekarlspitze und dem Gschöllkopf. Auf der Hütte gab es ein schönes Schnitzel für mich, ich war dementsprechend mit dem Tag sehr zufrieden.

Am nächsten Tag wurde dann kontrovers diskutiert, ob wir denn nun nochmal einen Klettersteig machen sollten. Wir entschieden uns für ja, und zwar für die Haidachstellwand. Der Steig hat den Vorteil, dass man an mehreren Stellen aussteigen kann. Den ersten Teil empfand ich als ziemlich einfach, inzwischen hatte ich mein Klettergefühl auch gefunden. Allerdings war viel los und unsere beiden Einsteiger beschlossen, den Rest des Gipfels lieber ganz normal zu Fuß zu erklimmen. Ich ließ den mittleren Teil aus, war aber gespannt auf die Seilbrücke im letzten Teil. Bevor ich diese erreichte, hatte ich aber ein bisschen Probleme mit dem Rucksack: Meine daran befestigten Stöcke verfingen sich im Drahtseil, ich musste, da niemand in der Nähe war, den Rucksack mitten im Klettersteig abnehmen und kontrollieren, ob alles noch fest war. Das ist noch so eine Sache, die mich am Klettersteig nervt: Keine Kletterschuhe, dafür die ganze Wanderausrüstung auf dem Rücken. Die Seilbrücke war dann ganz nett und der Rest des Steiges unspektakulär. Achensee und Erfurter Hütte | raupenblau

Dafür belohnte die Haidachstellwand mit einer tollen Aussicht und vielen vielen Edelweiß! Edelweiß | raupenblau

Zurück auf der Hütte gab es denn einen Belohnungs-Kaiserschmarrn, ich glaub das waren 3 Rosinen in der Kaiserwertung. Leider kann ich mich nicht mehr an die Details erinnern. Muss man evtl. mal nachmessen. Kaiserschmarrn Erfurter Hütte | raupenblau

Als Fazit würde ich sagen: Klettersteig-Fan bin ich auch nach diesem Wochenende nicht. Es ist ganz spaßig, ich mag ja Fels, aber unterm Strich ist es mehr Stress als Spaß. Zu viel Zeug, zu seltsame Sicherung. Vielleicht muss man auch an der Gruppenzusammensetzung drehen bzw. erstmal ein passendes Anfänger-Gebiet identifizieren, wo in Ruhe geübt werden kann. Dafür war es im Rofan einfach mal wieder wunderschön. Als krönenden Abschluss gönnten wir uns noch eine sehr lustige Fahrt mit AIRROFAN – es lohnt sich!

Brecherspitz (1683 m) mit Wolke

27 Jul

Am Sonntag war ich auf der Brecherspitz, zum zweiten Mal. Es gibt eigentlich nicht arg viel dazu zu sagen, aber gerade stellte ich überrascht fest, dass ich doch diverse hübsche Bilder habe. Aus Gewohnheit startete ich nicht am Spitzingsattel, sondern am Kurvenlift-Parkplatz und lief dann an den beiden First-Almen vorbei. Auf dem Weg nach oben gab es hübsche Blümchen:Brecherspitz | raupenblau

Bis zur Oberen First-Alm war es schwül-heiß, danach kam Wind. Das war ganz angenehm, brachte aber auch eine Art Problem mit sich, nämlich eine Wolke, die von der Schliersee-Seite auf den Grat zum Gipfel zutrieb (auf dem Bild habe ich die Brecherspitz im Rücken):Brecherspitz | raupenblau

Damit war die Sicht dann halt weg. Mir machte es nichts, ich hatte eh vergessen meine Arme mit Sonnencreme einzucremen. Aber ein ebenfalls anwesendes Pärchen litt sehr: „Oh Schatz, so schade, das ist der schönste Teil der Tour! Und jetzt ist Nebel!“ Da man das wohl nicht oft genug sagen kann, betrachtete ich einige Zeit interessiert das lustige „Gras“, um Abstand zu gewinnen:Brecherspitz | raupenblau

Auf dem Gipfel dann tatsächlich null Sicht:Brecherspitz | raupenblau

Da hilft es, die Perspektive zu wechseln und das Naheliegende zu betrachten. Das mitgebrachte Ei beispielsweise (lecker):Brecherspitz | raupenblau

Oder am Gipfelkreuz rastende Wildbienen:Brecherspitz | raupenblau

Auf dem Rückweg war es dann natürlich wieder sonnig und ich bekam doch noch Sonnenbrand. War klar.

Äußerst erfreuliche Entdeckung auf der Heimfahrt: Bei Slyrs ist der Cider nun wohl dauerhaft im Sortiment. Sehr lecker. Gleich mal auf Vorrat gekauft.