Tag Archives: Tiere

Rømø

18 Mai

So ganz jung bin ich ja nun nicht mehr, war aber trotzdem noch nie in Dänemark und auch nirgendwo anders an der Nordsee. Dieser unhaltbare Zustand hat sich nun zum Glück geändert. Die letzten Tage war ich mit vier Freundinnen auf Rømø.Rømø | raupenblau

Mittwochabend reiste ich nach Hamburg und schnupperte ein bisschen Hafenluft an den Landungsbrücken, bevor ich bei Juli und Alex einen müden Abend verbrachte.Hamburg Landungsbrücken | raupenblau

Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Auto nach Havenby auf Rømø, wo wir unser Ferienhaus bezogen. Die Siedlung aus schwarzen Häusern erinnerte etwas an den Todesstern, aber im Inneren war das Haus schön hell und skandinavisch schlicht eingerichtet. Wir unternahmen einen ersten Spaziergang zum Strand, durch die Dünen…Rømø | raupenblau

… vorbei an Dünenraupen…Rømø Raupe | raupenblau

zum Watt.Rømø | raupenblau

Der zweite Tag auf der Insel stand ganz im Zeichen des Sightseeings. Das ist auf Rømø recht schnell erledigt. Wir besuchten den Sønderstrand, auf dem grade ein seltsames Renn-Ding stattfand. Es gab diverse Kite-Surfer, Drachen und nackte Männer, die aus einer mobilen Sauna ins Meer hüpften. Und Autos. Viele Autos. Ich verstehe nicht, warum man Autos auf Stränden erlauben muss? Ich bin kein Fan. Autos gehören auf Straßen und Parkplätze.Rømø | raupenblau

Mit ein bisschen Laufen kam man dann aber doch auch zu schönen Fleckchen.Rømø | raupenblau

Außerdem auf dem Programm stand der Kommandørgården, das alte Haus eines erfolgreichen Wal-Jägers aus dem 18. Jahrhundert.Rømø | raupenblau

Das Haus hat mich sehr fasziniert, auch weil in einem Raum (mit einem Wal-Skelett!) Tafeln über das Leben auf Rømø im 18. und 19. Jahrhundert berichteten. Sehr interessant, ich werde versuchen, dazu noch Literatur zu finden.Rømø | raupenblau

Die Einrichtung zeugte vom Wohlstand des Hausbesitzers, aber auch von seinen Reisen. Dazu der Blick über die karge Insellandschaft. Im Anschluss gab es Smørrebrød mit Hering und Curry-Salt. Wir fühlten uns dänisch.

Tag drei war dann sicher der aufregendste, wir gingen nämlich reiten. Hier mein Pony:Rømø | raupenblau

Seine Identität ist ungewiss, denn der (eigentlich sorgfältig ausgewählte) Hof stellte sich als touristischer Massenbetrieb heraus, auf dem leider nur eine Frau alle Pferde kannte und die war nicht da. Sie tauchte erst kurz vor Start des Ausritts wieder auf und holte unsere Nicht-Reiterin Jasmin gerade noch rechtzeitig von einem jungen wilden Pony herunter. Mein Pony sollte eigentlich übergewichtig sein, brauchte dann aber doch einen recht engen Sattelgurt. Es verhielt sich auch nicht unbedingt ruhig und bedacht, sondern eher ungeduldig und zickig. Glücklicherweise haben sich die teuren Reitstunden in meiner Kindheit nun doch noch endlich ausgezahlt: ich blieb im Sattel. Spaß gemacht hat es trotzdem und ich bin zuversichtlich, den Pony-Duft irgendwann wieder aus meinen Jeans zu kriegen.

Abends waren wir dann doch auch etwas müde. Es reichte aber noch zu einer kleinen Schäfchen-Runde:Rømø | raupenblau

Der Deich hinter unserem Haus war bevölkert von Massen an niedlichen Lämmchen. Es war fast schon ein bisschen viel der Niedlichkeit:Rømø | raupenblau

Kurz vor unserer Abreise am Sonntag machten wir dann noch eine einstündige kleine Wanderung in der Heide. Seit meiner Heidschnucken-Tour im letzten Sommer (hierzu fehlt immer noch ein Bericht, Asche auf mein Haupt) bin ich Heide-Fan und wollte unbedingt noch einen kleinen Spaziergang in dieser interessanten Landschaft machen. Dabei stieß ich auf eine mir bisher unbekannte Spezies: die Heide-Raupe.Rømø Raupe | raupenblau

Wir bestiegen den Høstbjerg, mit 19 Metern der höchste Punkt Rømøs. Da sonst alles sehr flach ist, hatte man einen tollen Ausblick. Und dann hieß es auch schon Abschied nehmen und zurück fahren nach Hamburg.Rømø | raupenblau

Die Tage waren kurz, aber sehr entspannt. Ich glaube, ich finde Dänemark ganz gut und die Nordsee auch. Etwas wärmer hätte es vielleicht sein können, aber es gibt ja auch Sommermonate. Und leider hatten wir keine Zeit mehr, ein Rad auszuleihen. Das hätte mir noch sehr gut gefallen. Entschädigt wurde ich mit einer Mini-Radtour in Hamburg, nach leckerer vietnamesischer Pho. Air Berlin transportierte mich dann sicher wieder zurück nach München. Hier sitze ich nun in der Wärme und bin doch ein ganz kleines bisschen wehmütig: War schon schön im Norden.

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Die Wale

13 Jun

Ja, ich habe Wale gesehen. Orca-Wale. Free Willy. Und das war so schön, dass es neben Vancouver einen eigenen Post verdient hat. Nach den pinken Delphinen in Hongkong bereits das zweite Mal Meeressäuger in diesem Jahr. Ich fühle mich verwöhnt. Whale Watching Vancouver | raupenblau

Ich habe die Tour mit Wild Whales Vancouver gemacht und war ziemlich begeistert. Die Anbieter haben ein Boot mit und eines ohne Dach – ich habe mich für die dachlose Variante entschieden, was bei strahlendem Sonnenschein seine Vor- und Nachteile hatte (ich verbrachte den nächsten Tag mit der Suche nach Aloe Vera Creme). Es gibt eine Toilette auf dem Boot, was gut ist, denn letztendlich waren wir siebeneinhalb Stunden auf dem Wasser. Mittagessen nimmt man sich selbst mit. Bevor es losgeht wird man in sexy Ganzkörper-Anzüge gesteckt.Whale Watching Vancouver | raupenblau

Das beruhigte mich sehr, denn am Abend vorher hatte ich mich noch in Erfrierungs-Phantasien verstrickt und quasi alle verfügbaren Kleidungsstücke in meinen Rucksack gestopft. Wir ließen Vancouver schnell hinter uns und fuhren an verschiedenen kleinen Inselchen vorbei, auf denen beneidenswerte Menschen kleinen Häuser besitzen.Whale Watching Vancouver | raupenblau

Nach kurzer Zeit sahen wir ein paar Delphine, aber wir waren ja auf der Suche nach den großen Walen. Uns wurde gesagt, dass wir vermutlich entweder einen jungen Buckelwal namens Windy (sie heißt so, weil sie sich mal neben einem Boot auf den Rücken gedreht und die Leute angekackt hat) oder Orca-Wale zu Gesicht bekommen würden. Lange Zeit tat sich aber nichts, außer toller Landschaft:Whale Watching Vancouver | raupenblau

Ein paar Seelöwen-Jungs, die uns laut anbrüllten:Whale Watching Vancouver | raupenblau

Und viel Wasser, über dem irgendwann sogar ein Weißkopf-Seeadler kreiste. Das war alles wunderschön, aber halt kein Wal. Etwas enttäuscht waren wir schon auf dem Rückweg in die Stadt, als ein anderes Whale Watching-Boot die Sichtung mehrerer Orcas meldete. Obwohl es wirklich schon spät war, drehte unser Kapitän noch einmal ab und wir sahen das:Whale Watching Vancouver | raupenblau

Wunderschöne Orcas. Nach kurzer Zeit tauchte sogar noch eine zweite Gruppe auf – ich weiß nicht mehr genau, wie viele Orcas es insgesamt waren, aber so um die sieben Wale inklusive kleiner Kinder.Whale Watching Vancouver | raupenblau

Folgendes habe ich über diese Tiere gelernt:

  • Orcas bleiben immer bei ihrer Mama. Die älteste Dame führt die Gruppe.
  • Männchen verlassen die Gruppe nur zur Paarung, danach geht’s zurück zu Muttern. Wenn die Gruppe zu groß wird, spalten sich jüngere Weibchen mit ihren Kindern ab und bilden eine eigene Gruppe.
  • Es gibt Orcas, die immer ungefähr in der gleichen Gegend wohnen und Nomaden, die herumziehen. Unsere waren Nomaden.
  • Manchmal treffen sich zwei Gruppen (wie bei unserem Trip) – dann kann es sein, dass einige Tiere für ein paar Tage bei den Freunden mitschwimmen.
  • Wenn Orcas etwas gutes gefressen haben, springen sie vor Freude in die Luft.
  • Orcas haben gelernt, Haie zu fressen: Sie drehen sie um, der Hai verfällt ihn Trance und die Wale futtern ihr Lieblingsstück (ich glaube es war die Leber). Den Rest überlassen sie anderen Tieren im Meer (dazu gibt es hier ein Video).
  • Neben Menschen und Elefanten sind Orcas die einzigen Tiere auf diesem Planeten, die über die Zeit ihrer Fruchtbarkeit hinaus leben. Ihr Wissen ist wertvoller für die Gruppe als die Tatsache, dass sie sich fortpflanzen können.

Die Wale tauchten immer wieder auf, ein kleiner Wale sprang sogar ab und zu in die Luft. Irgendwann tauchten sie dann ab und schwammen davon.Whale Watching Vancouver | raupenblau

Zauberhaft. So froh, das gemacht zu haben.

 

Guten Morgen, Welt

10 Mai

Heute Morgen um viertel vor fünf habe ich meine Eltern zum Flughafen gefahren. Über die Abflugzeit kann man jetzt streiten, aber es gibt kaum etwas Schöneres als um kurz nach sechs friedlich wieder ins Bett zu kriechen. Und dann um elf Uhr Kuchen zu frühstücken, umgeben von Blumen, Vögeln und freundlichen jungen Weinbergschnecken.

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Guten Morgen, Welt und ein schönes Wochenende!

Hüpfender Besuch

7 Aug

Gestern Abend gewitterte es heftig, mit Hagel und allem drum und dran. Ich wohne im vierten Stock, habe französische Fenster und gefühlt seit Wochen kein kühlendes Lüftchen mehr verspürt. Also riss ich alle Fenster auf, packte ein dickes Kissen vor das Geländer, mich drauf und las ein bisschen in Me Before You von Jojo Moyes. Das war sehr schön und erholsam. Während ich da so las, machten sich diverse Besucher auf den Weg in mein Zimmer. Vor dem Schlafengehen zählte ich einen Marienkäfer und drei kleine Fliegen neben meiner Lampe. Na gut, die mögen keinen Regen, also durften sie bleiben. Einen weiteren Besucher bemerkte ich erst heute morgen, als ich den Vorhang zurückzog und er auf meine Brille sprang!Heuschrecke | raupenblau

Ich war dann auch wach.

Hier ist noch eine Rezension von Me Before You, die ich jetzt vielleicht lesen, vielleicht aber auch nicht, denn ich bin noch nicht durch mit dem Buch. Jedenfalls bin ich inzwischen doch ein Kindle-Fan (nach anfänglicher Skepsis – ich habe das Gerät eigentlich nur gekauft, weil wirklich kein einziges Buch mehr in meine Wohnung passt). Ich lese echt gern auf dem Ding und das Buch hat auf Englisch nur 5,49 Euro gekostet, das finde ich schon irgendwie gut. Und es lässt sich gut mitnehmen. Auch gut.

Die Gämse!

5 Okt

Und hier ist sie – die gestern herbeigebettelte Gämse (das kleine Tier da grob in der Mitte):

Gämse | raupenblau

(c) Philipp Müller

Vielen Dank an Philipp für die zur Verfügung gestellte Fotografie. Ich verschwinde jetzt mal über das Wochenende, an einen einsamen Ort. Die Kamera kommt mit und ich werde berichten.

Anderswo: Kilcowera-Station

4 Okt

Die meisten Blogger sind ja auch begeisterte Blog-LeserInnen und bei mir ist das keine Ausnahme. Dabei bin ich nicht auf ein bestimmtes Thema fixiert, sondern lese ziemlich viel verrücktes Zeug. Auch von Menschen, die komplett andere Ansichten haben als ich – auch wenn ich mich manchmal tierisch aufrege, finde ich es spannend, die Denkstrukturen und Ideen anderer Menschen so mitzubekommen. Und ab und zu stolpere ich über einen Post, der Assoziationen und Erinnerungen bei mir auslöst und mich so an Dinge denken lässt, die schon lange zurück liegen. So geschehen heute auf dem Blog von Outbackfarmerin-Toni, benannt nach ihrem Land: Kilcowera Station. Da schreibt Toni heute über die Handaufzucht von Lämmern und Kälbern. Hier ein Bild, auf dem ein Kalb gerade gefüttert wird:

Nach dem Abitur bin ich ein halbes Jahr durch Australien und Neuseeland gereist. Das war keine leichte Zeit für mich, so weit weg von Freunden und Familie, und gleichzeitig eine der tollsten Zeiten überhaupt. Zwei Monate habe ich auf einer Outback Station gearbeitet und dort genau solche Dinge gemacht: Schafe gehütet und elf Kälber per Hand großgezogen. Im Gegensatz zu Tonis Kälbern waren diese nicht durch irgendwelche Umstände zu Waisen geworden, sondern wurden als kleine Milchkälbchen aufgekauft, um sie auf der Farm großzuziehen und dann – naja – zu essen. Einzige Ausnahme war das Kalb Niclas, dessen Mutter sich kurz nach der Geburt in den Busch verzogen hatte und nie wieder auftauchte. Niclas wurde besonders zutraulich. Da so eine kleine Kuh ziemlich viel Milch trinkt, wurden die Kleinen auch nicht mit der Flasche gefüttert sondern mit so einer grünen Futter-Vorrichtung wie auf dem Bild. Die Kälber sollten eigentlich früh um fünf gefüttert werden. Spätestens um vier standen sie unter meinem Schlafzimmer-Fenster und haben herzerweichend gemuht. Ich denke ich muss nicht lange ausführen, dass sie ihr Essen täglich früher serviert bekamen. Daran habe ich lange nicht gedacht – lustig, wie so ein Bild alte Erinnerungen wieder aufleben lassen kann.

Gelbe Raupe

28 Sep

Diese gar nicht blaue, sondern schon fast aufdringlich gelbe Raupe habe ich gerade über den Parkplatz meiner geliebten Arbeitsstelle raupen sehen:Streckfuß-Raupe | raupenblau

Da stellte sich mir gleich die Frage: ‚Gibt’s sowas bei uns überhaupt?‘ Bevor ich diese Frage beantworten konnte, wurde ich erstmal korrigiert, korrekter wäre: ‚Sollte es sowas bei uns überhaupt geben?‘ Da merkt man, dass man unter Wissenschaftlern arbeitet. Die Antwort lautet jedenfalls: Ja. Es handelt sich um die Raupe des Streckfußes, das ist ein Falter, und der ist, nun ja, nicht mehr ganz so hübsch – siehe z.B. hier.

Wobei, irgendwie muss man ihn ja fast lieb haben in seiner kleinen fetten pelzigen Missmutigkeit. Mehr Infos zu den Viechern gibt es hier, besonders mag ich den Hinweis: „Der Fraß erfolgt recht verschwenderisch.“ Je nach verschlungenem Futter können die Raupen dann auch andere Farben als neongelb annehmen. Haben wir wieder was gelernt.

Ursprünglich in diesem Post verlinkte Inhalte wurden entfernt, um unbeabsichtigte Copyright-Verletzungen zu vermeiden. Daher sieht es hier nun leider etwas karg aus.