Tag Archives: Religion

Püntsok Rabten Haus

5 Apr

In Neuhausen gibt es ja alle möglichen tollen Sachen, aber dass es auch einen buddhistischen Tempel gibt, war mir bis vor ein paar Tagen nicht klar. Er sieht auch nicht direkt tempelig aus:

Püntsok Rabten Haus Neuhausen

Beim Durchblättern des unglaublich dicken Programmes der Münchener VHS war ich auf das Angebot, eine Führung im Püntsok Rabten Tempel zu machen, aufmerksam geworden und hatte mich spontan angemeldet. Der Tempel wurde von einem tibetischen Gelehrten namens Gesche Rabten Rinpotsche 1984 gegründet und seitdem vom Verein zur Förderung der Kultur und Weisheit Tibets e.V. am Leben erhalten. Die Führung an sich hat man dann recht schnell hinter sich, denn der Tempel besteht aus einem Raum, der allerdings wirklich sehr tibetisch eingerichtet ist:

Pünstok Rabten Tempel Altar

Abgesehen von den verschiedenen religiösen Gegenständen gab es allerdings noch Dr. Franz Gschwind, der sich gemeinsam mit seiner Ehefrau seit gut 30 Jahren intensiv mit den Lehren des tibetischen Buddhismus auseinandersetzt. Er erklärte die Gegenstände im Raum und ein paar grundsätzliche Dinge zum Buddhismus. Ziemlich viel Inhalt in eineinhalb Stunden. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist das so: Wenn man jemandem ein Stück Brot wegfuttert, weil man Lust auf das Brot hat und nicht an die Interessen des anderen denkt, ist das schlecht. Isst man das Brot aber, um sich zu stärken, um anderen zu helfen, ist das gut. So oder so ähnlich. Jedenfalls ein spannender Einblick in ein etwas exotisches Stück München und sicher einen zweiten Besuch wert.

Advertisements

Abendausflug in eine andere Welt

19 Jan

Ich war in meinem Leben bisher in vier oder fünf Moscheen. Kirchen hab ich versucht zu schätzen – keine Ahnung. Unzählige, immerhin bin ich in Bayern aufgewachsen. In einer Synagoge war ich allerdings noch nie. Höchste Zeit, das nachzuholen! Also ging es Montagabend mit einer bunten Mischung aus Kolleginnen, Erasmus-Studenten und Familienmitgliedern auf eine Führung durch die Ohel Jakob Synagoge am St.-Jakobs-Platz in München:

Ohel-Jakob-Synagoge München

(c) Constanze Rossmann

Leider kann ich keine Bilder vom Inneren des Gebäudes zeigen, da diese erst durch das Jüdische Zentrum freigegeben werden müssten. Ehrlich gesagt war ich auch zu sehr mit gucken beschäftigt und habe wenig fotografiert. Die Synagoge wurde erst 2006 eröffnet und hat einen entsprechend modernen Baustil, was ja auch von außen unschwer zu erkennen ist. Trotzdem (oder vielleicht auch gerade deshalb) steckt in jedem Detail eine symbolische Bedeutung. Glücklicherweise wurde uns das alles von einer äußert kompetenten Dame erklärt: Ellen Presser, Leiterin des Kulturzentrums der Israelitischen Kultusgemeinde. Sie ist ein wandelndes Lexikon. Dementsprechend viel habe ich an diesem Abend auch über das Leben der jüdischen Gemeinde in München und den jüdischen Glauben ganz allgemein gelernt.

Aber zurück zum Gebäude: Der Gang der Erinnerung führt vom Kulturzentrum zur eigentlichen Synagoge, dem Würfel mit dem anderen Würfel oben drauf. Mir war vorher nicht klar, dass der obere Teil des Gebäudes transparent ist. Während unserer Führung konnte man den Mond durch das Dach sehen, was mir schon ziemlich gut gefallen hat. Frau Presser erklärte, dass die Architektur an die Stiftshütte aus dem Alten Testament erinnert, die eigentlich keine Hütte, sondern ein umzäuntes Areal in der Wüste war. Außerdem bilden die Dreiecke der Dachkonstruktion unzählige Davidsterne, nur um mal einen kurzen Ausflug in die Symbolik des Bauwerks zu wagen.

Nach gut eineinhalb Stunden Wissenserwerb war ich dann ehrlich gesagt ziemlich erschlagen. Eine Führung lohnt sich aber auf jeden Fall. An vielen Sonntagen finden um 12 Uhr offene Gruppenführungen statt, der Unkostenbeitrag liegt bei € 5 pro Person.

Laut Wikipedia, welches sich wiederum auf einen Artikel in der Zeit bezieht, hat das Kulturzentrum inklusive Ohel Jakob Synagoge übrigens 57 Millionen Euro gekostet. Dafür steckt auch einiges drin, unter anderem eine Ganztagsschule und ein Kindergarten. Ohel Jakob bedeutet übrigens ‚Zelt Jakobs‘. Haben wir auch gelernt.