Tag Archives: reading challenge 2018

The Wee Free Men. (Terry Pratchett)

17 Apr

Fantasy ist das April-Thema der Reading Challenge 2018, und ich fühlte mich davon etwas herausgefordert. Mein Gebiet sind eher Romane mit Bezug zur Wirklichkeit, gerne auch etwas schwerere Kost. Aber nun hatte ich die Herausforderung ja angenommen und wollte mich nicht drücken. Zum Glück hatte ich gute Beratung durch meinen besten Freund, der sich bestens auskennt im Fantasy-Genre.

The Wee Free Men | raupenblauEr schlug eine Reihe von Büchern vor, ich konnte mich überhaupt nicht entscheiden und letztendlich drückte er mir The Wee Free Men* von Terry Pratchett in die Hand. Das fand ich reichlich naiv von ihm, denn vor vielen Jahren hat er mir The Amazing Maurice and His Educated Rodents von Pratchett geliehen, das ich dann nie wieder zurück gegeben habe: Ich habe das Buch GELIEBT. Dementsprechend vorfreudig war ich nun doch und fing gleich mit der Lektüre von The Wee Free Men an.

The Wee Free Men | raupenblauLange brauchte ich nicht für das Buch (eine Woche insgesamt), es ist leicht zu lesen (ich habe es auf Englisch gelesen und kann zur deutschen Übersetzung nichts sagen). Das Beste am Buch ist für mich die Sprache. Da sind einfach so viele so gute Sätze drin! Das Zweitbeste sind die liebevoll gezeichneten Charaktere, das Drittbeste die tolle Mischung aus ernsten und lustigen Elementen. Am schwächsten fand ich aber tatsächlich die Geschichte: Tiffany, Tochter einer Schäferfamilie, ist die Nachkommin einer Hexe. Als ihr kleiner Bruder von einer Königin aus einer anderen Welt entführt wird, muss sie dieser folgen und sie besiegen. An ihrer Seite stehen die Wee Free Men, eine Bande räuberischer Elfen mit schlechten Manieren. Die Geschichte an sich fand ich einfach nicht so spannend, aber das macht nicht viel: Das Buch lebt von den Beschreibungen der verschiedenen Wesen und von vielen kleinen Geschichten innerhalb des großen Plots.

Fazit: Ich mag Terry Pratchett. Beim Lesen habe ich außerdem festgestellt, dass mich der Fantasy-Aspekt der Geschichte überhaupt nicht stört. Eigentlich bin ich mir gar nicht so sicher, warum ich sowas nicht häufiger lesen. Vermutlich fühle ich mich involvierter, wenn die Geschichte realitätsnäher ist? Jedenfalls freut es mich, dass ich durch die Reading Challenge an dieses schöne Stück Literatur gekommen bin.

*Der deutsche Titel lautet Kleine freie Männer.

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Die Judenbuche. (Annette von Droste-Hülshoff)

26 Mrz

Weiter geht es mit der Lese-Herausforderung. Thema im Februar war Ungeliebte Schullektüre und dieses Thema habe mit Die Judenbuche von Annette von Droste-Hülshoff nachgeholt. Erledigt ist das schnell, das Heftchen, das seit nun fast 20 Jahren in meinem Bücherregal steht, hat nur 44 Seiten.

Die Judenbuche | raupenblau

Erst einmal ging es dem armen Werk an den Kragen: Ich wollte es mit in die U-Bahn nehmen und es hatte einen unangenehmen Zusammenstoß mit Kaffee. Glücklicherweise fiel das auf den ohnehin schon recht vergilbten Seiten nicht so sehr auf.

Nun aber zum wichtigen Teil, zum Inhalt: Ich hatte vage in Erinnerung, dass eine Buche in einem Wald vorkommt (große Überraschung, bei dem Titel), an der sich jemand erhängt. So weit, so korrekt. Der Rest der Geschichte war mir völlig neu. Überraschenderweise spielt die titelgebende Buche eine recht untergeordnete Rolle in der Geschichte, sie taucht erst gegen Ende der Geschichte auf. Insgesamt ist die Erzählung etwas ungewöhnlich zu lesen, denn sie hat keine wirkliche Spannungskurve, es plätschert eher so dahin. Wikipedia spricht von einer Milieustudie, und das trifft es wohl auch am ehesten. Hauptfigur ist Friedrich Mergel, der in armen Verhältnissen aufwächst, später als junger Mann recht selbstbewusst durchs Leben geht, sich dabei aber verschuldet und des Mordes am Juden Aaron (dem er Geld schuldet) bezichtigt wird. Ob er tatsächlich schuldig ist, bleibt offen, doch fast 30 Jahre später erhängt er sich an einer Buche, die die jüdische Gemeinde in Aarons Gedenken erworben hat.

Erschienen ist die Novelle 1842, die Handlung spielt rund 70 Jahre früher, also noch vor der Französischen Revolution. Annette von Droste-Hülshoff macht gleich zu Beginn der Erzählung deutlich, dass es sich beim Schauplatz (dem Dorf B.) um ein recht hinterwäldlerisches Fleckchen Erde handelt, in dem es keine eigentliche Rechtsprechung gibt. Der Gutsherr wird jedoch als gerechter Mensch beschrieben. Aus heutiger Sicht interessant (und traurig) fand ich, dass (schon?) damals ein deutliches Misstrauen und Feindschaft gegenüber der jüdischen Bevölkerung zu herrschen schien. Um diese Themen, und um Moral und Gewissen, dreht sich die Geschichte immer wieder. So recht zu einem Ergebnis kommt sie nicht, das fand ich aber gerade spannend. Die sehr neutrale Beschreibung der sozialen Gegebenheiten irritiert ein wenig, das war interessant.

Fazit: Längst nicht so grausig, wie ich es in Erinnerung hatte. Eigentlich habe ich die Geschichte sogar gerne gelesen, man muss sich allerdings an den etwas mäandernden Erzählstil gewöhnen. Mich würde noch interessieren, warum hier gerade eine Buche als Symbol-Baum gewählt wurde (Bäume der Rechtssprechung sind traditionell eher Linden). Da werde ich noch nachforschen.

Faust. Der Tragödie erster Teil. (Flix)

20 Mrz

Der Start in die Reading Challenge verlief erfolgreich, innerhalb weniger Tage hatte ich Februar und März gelesen und möchte hier nun kurz von der Graphic Novel berichten, die ich mir zu Gemüte geführt habe.

Flix Faust | raupenblau

Aus genannten Gründen fiel meine Wahl ja auf Faust. Der Tragödie erster Teil. von Flix (Felix Görmann). Zuerst einmal: Es hat mir ganz gut gefallen. Flix versetzt die Faust-Handlung in das heutige Berlin. Wer also hofft, sich durch die Graphic Novel die Lektüre des Original-Faust zu ersparen, hat Pech gehabt. Bei Flix ist Faust Taxifahrer und Wagner sein behinderter Mitbewohner. Mephisto (‚Meph‘) ist Teil der himmlischen Bürogemeinschaft und Gretchen gehört einer türkischen Großfamilie an.

Flix Faust | raupenblau

Den Pudel gibt es, er heißt Charlotte. Der Stil ist Flix-typisch, genauso wie die Person Faust ein typischer Flix-Charakter ist: Keiner von der coolen Sorte, ein wenig schüchtern und schräg, aber natürlich liebenswürdig. So gesehen war das Buch nun keine große Offenbarung, aber eine witzige Adaption des Goethe-Stoffes und an einigen Stellen lustig um die Ecke gedacht. Ein paar Original-Zitate sind auch eingebaut. Vor dieser Leistung habe ich Respekt, andererseits fand ich es teilweise ein wenig bemüht. Was vor allem schade ist: Die Zerrissenheit des Original-Faust zwischen Wissensdurst und Lebenslust (mal ganz frei wiedergegeben) kommt für mich nicht wirklich rüber. Eigentlich ist Faust einfach unzufrieden mit seiner Taxifahrer-Existenz und verknallt in Margarete/Gretchen/Özlem.

Fazit also: Lesenswert, aber wenn ich für ein Graphic Novel Geld ausgeben sollte, dann vielleicht eher für ein anderes Buch von Flix, das eher seiner Kernkompetenz (Beziehungsgeschichten) entspricht. Spaß gemacht hat es aber auf jeden Fall und wer weiß, vielleicht nehme ich bald auch nochmal den ‚echten‘ Faust in die Hand.

 

Die Lese-Herausforderung

13 Mrz

Irgendwie bin ich mit ziemlicher Geschwindigkeit in dieses Jahr gestartet, es ist schon wahnsinnig viel passiert – und den März haben wir auch schon erreicht. Ein wenig Entschleunigung wäre wohl nicht schlecht. Da kam mir die Reading Challenge der Münchner Stadtbibliothek gerade recht. Es ist zwar nicht so, dass es mir an Lese-Inspiration mangelt, aber ich fühle mich mit meiner Leserei manchmal etwas allein. Und Herausforderung ist immer gut. Also habe ich beschlossen, noch einzusteigen. Hier die Aufgaben:

  • Januar: Ein Roman einer afrikanischen Autorin oder eines afrikanischen Autors
  • Februar: Eine ungeliebte Schullektüre
  • März: Eine Graphic Novel
  • April: Ein Fantasy-Roman
  • Mai: Ein Buch, das von trans- oder homosexueller Identität handelt
  • Juni: Ein Zufallsbuch
  • Juli: Ein Roman einer asiatiaschen Autorin oder eines asiatischen Autors
  • August: Ein Buch über das Thema Behinderung
  • September: Ein Roman aus einem Kleinverlag
  • Oktober: Ein Gedichtband
  • November: Ein dystopischer oder utopischer Roman
  • Dezember: Ein Buch über die Ureinwohnerinnen und Ureinwohner der USA

20180313_readingchallenge_flix_huelshoff_raupenblauDen Januar stelle ich vorerst zurück – ich habe außerdem im letzten Jahr zwei der Bücher auf der Vorschlagsliste der Bibliothek gelesen (Americanah und Der dunkle Fluss). Vielleicht lasse ich das einfach gelten.

Für den Februat hatte ich direkt zwei Bücher im Kopf, die ich in der Schule schrecklich fand: Die schwarze Spinne von Jeremias Gotthelf und Die Judenbuche von Annette von Droste-Hülshoff. Beide Werke stehen auch noch bei mir im Regal. Die schwarze Spinne habe ich in der Schule tatsächlich ganz gelesen. In meiner Erinnerung werden sehr viele Menschen von einer (oder mehreren?) schwarzen Spinnen gebissen. Endlich sperrt jemand diese Spinne in einen Balken und ich musste damals entsetzt feststellen, dass noch die Helfte des Hefts übrig war. Na prima: Selbstverständlich wurde das Tier befreit und es ging nochmal so lange sehr ähnlich weiter. Am Ende opfert sich eine Mutter und sperrt die Spinne wieder ein. Vage erinnere ich mich, dass die Spinne die Pest symbolisiert und das ganze mit Gott und Glauben zu tun hat. Ich habe die Novelle als lange Quälerein in Erinnerung. An die Judenbuche habe ich keine Erinnerung, außer, dass wir sie nicht ganz, sondern nur in Auszügen gelesen haben. Offenbar hatte meine Deutschlehrerin nicht so richtig Lust, sich da durchzukämpfen. Dementsprechend habe ich die Handlung damals nicht verstanden. Da ich Annette von Droste-Hülshoff aber sehr mag, habe ich beschlossen, diesem Buch nun eine zweite Chance zu geben.

Graphic Novels habe ich schon einige gelesen und habe mir für den März Faust. Der Tragödie erste Teil. von Flix ausgesucht. Der Zeichner Flix ist mir nicht unbekannt, sehr gerne lese ich immer wieder seine Glückskind-Reihe für die F.A.Z. und kenne auch einige seiner frühen Graphic Novels. Es gibt ja inzwischen diverse Comics und Graphic Novels, die sich mit klassischen Inhalten auseinandersetzen und diese adaptieren, darauf war ich gespannt. Außerdem steht schon länger Persepolis von Marjane Satrapi bei mir im Regal. Bisher kenne ich den Film, und hoffe, nun auch endlich das Buch lesen zu können.