Tag Archives: Kaiserschmarrn

Zugspitze (2962 m)

10 Jul

Wenn man in Deutschland wandert, dann muss man ja irgendwie auch mal den höchsten Punkt erreichen, und das ist nun mal die Zugspitze. Nach der Generalprobe am Wochenende davor war es dann am 5. Juli so weit: gemeinsam mit den Brüdern, der Freundin eines Bruders und einem Kollegen machten wir uns auf den Weg, diesen Berg durch das Reintal zu besteigen (Beschreibung). Um den Ansturm von Samstag auf Sonntag zu vermeiden, hatten wir uns den Montag freigenommen. Startpunkt der Tour ist das Olympia-Skistadion in Garmisch-Partenkirchen und der Weg führt zunächst durch die Partnachklamm (Eintritt: 4 Euro). Es gibt keine Bilder. Hatte keine Lust, welche zu machen.Zugspitze durch das Reintal | raupenblau

Denn nun erinnern wir uns: Das erste Juli-Wochenende war geprägt von Hoch Annelie, oder auch: einer Affenhitze. Es war heiß. Wirklich heiß. Die erste Etappe der Tour führt durch das Reintal bis zur Knorrhütte. Das sind 17 Kilometer und rund 1.300 Höhenmeter. Bis zur Bockhütte (1.052 m) geht es noch, da ist viel Wald. Danach blauer Himmel und Sonne. Sehr viel Sonne. Nach einer kurzen Rast an der Partnach kurz nach der Bockhütte machten wir eine längere Pause an der Reintalangerhütte (1366 m).Zugspitze durch das Reintal | raupenblau

An dieser Stelle hatten wir bereits 14 Kilometer zurück gelegt und gut 600 Höhenmeter überwunden. Einer meiner Brüder hatte sich bedenklich verfärbt, obwohl wir uns alle ständig mit 50+ Sonnencreme einbalsamierten. Nach zwei Skiwassern nahm er glücklicherweise wieder eine normale Farbe an und schlug vor, umzukehren. Bruder 2 machte ein ausgiebiges Nickerchen. Wir testeten auch einen Kaiserschmarrn. Drei Rosinen, kein Foto. Zu heiß. Zugspitze durch das Reintal | raupenblau

Die restlichen knapp 700 Höhenmeter verteilten sich dann nur noch auf drei Kilometer. Das war erstaunlich in Ordnung. Wir waren zwar weiter weg vom Fluss (in dem wir noch einmal unsere Wasservorräte auffüllten), aber auch endlich oberhalb der Latschenkiefern. Es gab ab und zu etwas Wind und das Gelände wurde anspruchsvoller, so dass man sich nicht mehr voll darauf konzentrieren konnte, wie heiß es war. Nach zwei Stunden erreichten wir unser Nachtlager: die Knorrhütte (2.052 m).Zugspitze durch das Reintal | raupenblau

Die Knorrhütte mag ich sehr gerne. Unter anderem gab es Himbeer-Heidelbeer-Milch und anderes Essen. Und eine sehr kalte Dusche. Perfekt. Im Aufstieg hatte es noch mehrfach geheißen, die Hütte sei voll bis unters Dach, aber Annelie hatte wohl einige Menschen an den Badesee statt an den Berg gelockt. So hatten wir luxuriös viel Platz im Lager. Den Abend verbrachten wir damit, die Aussicht zu genießen, UNO zu spielen und wieder eine normale Betriebstemperatur anzunehmen.Zugspitze durch das Reintal | raupenblau

Trotz viel Platz schlief ich in der Nacht kaum. Mein Körper signalisierte mir recht deutlich, dass er das ganze Unterfangen für doof hielt und schickte mich unter anderem viermal aufs Klo. Das im Keller der Hütte ist. Hrmpf. Kurz nach fünf gab es ein heftiges Gewitter und dann eineinhalb Stunden lang Regen. Wir frühstückten und machten uns fertig. Der Regen hörte auf, von der Hitze des Vortags war nichts mehr zu spüren (zum Glück!). Dafür sah es dann so aus:Zugspitze durch das Reintal | raupenblau

Bis zum Gipfel sind es von der Knorrhütte aus nochmal rund 900 Höhenmeter, verteilt auf ungefähr vier Kilometer. Erst einmal überquert man ein großes, relativ flaches Schotter- und Schneefeld. Nun könnte man in die Sonnalpin-Bahn steigen und zum Gipfel fahren. Das machten wir natürlich nicht. Wir konnten ihn ja jetzt schon sehen (der kleine Hubbel neben dem Kran).Zugspitze durch das Reintal | raupenblau

Was nun folgt ist unschön: sehr steiles, sehr fieses Geröll-Feld. Zähne zusammen beißen. Inzwischen regnete es und es ging ein fast schon eisiger Wind. Irgendwann erblickte Bruder 1 das Ende der Tour: eine längere, seilversicherte Passage. Er wies mich darauf hin, dass seine einzige Bedingung an die Tour gewesen sei, nicht an Seilen über Abgründen zu hängen. Tja, da hatte wohl jemand meine E-Mail nicht gelesen. Die seilversicherte Passage ist eigentlich noch einmal ganz lustig (kurz geht man über einen Grat) und die gute Nachricht: ich habe immer noch zwei Brüder*.

Und dann steht man plötzlich auf der Aussichtsplattform der Zugspitzbahn und hat Aussicht. Unter anderem auf den Ostgipfel (es gab mal einen zwei Meter höheren Gipfel, aber den haben die Nazis 1938 weggesprengt): Zugspitze durch das Reintal | raupenblau

So richtig Lust, da hochzuklettern, hatte eigentlich keiner mehr. Aber nun waren wir ja schon einmal da. Wir investierten ca. 30 Sekunden in das obligatorische Gipfelfoto**:Zugspitze durch das Reintal | raupenblau

Danach sprangen wir in die Eibsee-Seilbahn und fuhren ins Tal (30,50 Euro). Da war es dann wieder warm. Mit der Zahnradbahn fuhren wir bis zur Haltestelle Hausberg und liefen in ca. 30 Minuten zurück zum Parkplatz.Zugspitze durch das Reintal | raupenblau

Fazit: Wir waren da. Ich finde die Tour nicht so wunderschön. Am Anfang läuft man sehr lange Forstwege, wenn auch durch das schöne Reintal. Der Teil zwischen Bockhütte und Knorrhütte hat mir eigentlich am besten gefallen. Nach der Knorrhütte sieht man dann sehr schnell die zahlreichen Liftstationen des Zugspitz-Skigebiets. Der letzte Teil des Aufstiegs ist eine Kombination aus purer Folter (steiles Geröll)  und ganz spaßigem Geklettere (seilversicherte Passagen; Meinungen gehen wie gesagt auseinander). Der Gipfel ist einfach kurios. Nochmal werde ich das nicht machen, aber, wie Ben so schön sagte: „Schön es auf dem Wandererportfolio zu haben.“

* Bruder 1 bat seine Freundin ihn daheim daran zu erinnern, einen Zettel in seine Wanderschuhe zu legen, auf dem steht, dass er nie wieder mit mir wandern gehen will.

** Es gibt auch eine Version ohne Finger. So viel Zeit musste dann doch sein. Danke an Kathy!

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Segeln am Chiemsee (+Kaiserschmarrn)

16 Jun

Vorletztes Wochenende, Sonne und Wind, eine seltene Kombination auf dem Bayerischen Meer. Segeln am Chiemsee | raupenblau

Außerdem zusammen mit meinem Vater getestet: Kaiserschmarrn beim Alten Wirt in Seeon:Kaiserschmarrn Alter Wirt | raupenblau

Drei von fünf Rosinen in der Rosinen-Wertung. Leider ohne Rosinen und nicht karamellisiert.

Die gute alte Rotwand, der kalte Spitzingsee und ein überraschender Triathlon

15 Jun

Manche Strecken geht man ja immer wieder und bei mir ist das die Rotwand. Mein favorisierter Aufstiegsweg ist der über den Pfanngraben, aber am Samstag nahmen wir aufgrund des unsicheren Wetters die kurze Variante über den Forstweg. Eigentlich eher ein sportlicher Spaziergang als eine Wanderung, aber trotzdem schön und am Ende verlässlich mit Kuhbegleitung.Rotwand | raupenblau

Nach Eintopf und Kaiser auf dem Rotwandhaus (wir verweilen bei vier von fünf Rosinen in der Kaiser-Wertung) stiegen wir für einen kurzen Fernblick auf den Gipfel und dann über den Grat hinüber Richtung Taubenstein, vorbei an wunderschön blühenden Bergwiesen. Rotwand | raupenblau Rotwand | raupenblauRotwand | raupenblau

Auf dem Weg wurden wir ein wenig nass geregnet und entschieden und letztendlich für den Abstieg per Taubenstein-Bahn. Unten angekommen nahmen wir noch ein sehr erfrischendes Bad im Spitzingsee.Rotwand | raupenblau Spitzingsee | raupenblau

Während wir wandern waren, hatte sich der Spitzingsee zu einem Triathlon-Austragungsort verwandelt und da die Athlet_innen gerade die Straße hinaufstrampelten, konnten wir sie nicht mehr hinunterfahren. Eine Mitwanderin entschied sich, den Bus Richtung BOB zu nehmen (der durfte mit Polizei-Eskorte fahren), Katya und ich machten es uns mit einem großen Eis an der Rennstrecke gemütlich. Das Wetter hatte sich nun doch wieder für Sonne entschieden. Die Teilnehmer_innen des Triathlons waren wohl fitter als erwartet und eine Stunde früher als angekündigt konnten wir schon wieder Richtung Tal fahren. Auf dem Weg nach München kauften wir noch leckere Erdbeeren und feierten Paulines 222.222 Kilometer-Jubiläum (ein Traum für alle Zahlen-Fetischist_innen).Polo | raupenblau

Insgesamt verlief der Tag zwar etwas anders als geplant, war aber wunderschön. Der Spitzingsee und seine Berge sind schon so ein Spaß-Garant und ein Lieblings-Ort für mich, auch wenn ich damit sicher nicht allein bin.

Solsteinhaus und ein Erlspitze-Versuch

2 Jun

Letzte Woche, die Kollegen waren grade von einer Tagung in der Karibik zurück gekehrt und hatten freundlicherweise auch die Sonne wieder mitgebracht, saßen wir so im Büro. Und fanden, man könne ja mal demnächst einen Klettersteig machen. Und mal wieder auf einer Hütte übernachten. Und warum eigentlich nicht beides gleich nächstes Wochenende? Es folgten eine leicht chaotische Recherche-Phase und diverse verzweifelte Versuche, mit Hütten Kontakt aufzunehmen. Samstag Mittag saßen wir dann aber im Auto mit Zielrichtung Hochzirl.Solsteinhaus | raupenblau

Wir passierten Garmisch, das von unglaublichen Mengen Polizisten bevölkert wird (G7) und überquerten die provisorisch errichtete und hervorragend bewachte Staatsgrenze und kurz danach die echte, nicht weiter bewachte Staatsgrenze. Am Landeskrankenhaus Hochzirl (994 m), das seltsam weit oben am Berg liegt, ließen wir das Auto zurück und machten uns auf den Weg Richtung SolsteinhausSolsteinhaus | raupenblau

Zunächst geht man eine Weile einen wenig spektakulären Forstweg entlang, kommt dann aber recht bald auf einen angenehmen Wanderweg. An der Solnalm (1643 m) gab es niedliche Lämmer und Schafe zu begutachten, die sich wenig beeindruckt von unserer Anwesenheit zeigten:Solsteinhaus | raupenblau

Nach der Alm steigt man leicht ab und überquert einen kleinen Fluß. Das Gelände wird schon toll felsig und Berggefühl kommt auf – hier ist ungefähr die Mitte der Tour bis zur Hütte und ein prima Platz für Bergeier, Bergkäse und anderes Bergessen. Solsteinhaus | raupenblau

Nach insgesamt drei Stunden inklusive ausführlicher Pause kamen wir am Solsteinhaus (1905 m) an:Solsteinhaus | raupenblau

Wir wurden sehr freundlich empfangen und konnten direkt unser gemütliches Zimmer mit fantastischem Bergblick beziehen:Solsteinhaus | raupenblau

Überhaupt waren wir von der Hütte sehr begeistert. Die Wirte und die Mitarbeiter waren nett und hilfsbereit, alles war sauber und gut organisiert und das Essen ein Traum. Draußen war es doch noch recht kühl, und wir verbrachten den Abend am Kachelofen. Natürlich hielten wir die Hüttenruhe brav ein, im Gegensatz zu einer Gruppe amerikanischer Wanderer, die mitten in der Nacht sehr laut amerikanische Dinge sagten. Irgendwann schliefen sie zum Glück ein und ich konnte von einem Zwergerlaufstand auf dem Gang absehen.Solsteinhaus | raupenblau

Am nächsten Morgen sah es nebelig aus, aber während des Frühstücks zeigte sich schon, dass die Wolken aufreißen würden. Leider stellte sich heraus, dass unser geplanter Klettersteig auf die Erlspitze noch unter Schnee begraben lag. Wir entschieden uns also für den Normalweg, der relativ direkt und dementsprechend steil auf den Gipfel führt. Auch hier sahen wir recht schnell, dass noch einiges an Schnee in den Rinnen liegt:Solsteinhaus | raupenblau

Der Aufstieg ist ein ganzes Stück seilversichert mit Kletterstellen, die aber gut machbar sind. Die Landschaft ist außerordentlich schön, mit tollen Felsen:Solsteinhaus | raupenblau

Nach einiger Zeit hörten wir Steine durch eine Steilwand fallen und entdeckten nach und nach einige Gämsen, die bereitwillig für Fotos posierten (im Gegensatz zu diesem Tier im Jahr 2012):

Solsteinhaus | raupenblau

(c) Felix Frey

Leider mussten wir auch diesen Weg nach der Seilversicherung abbrechen. Als nächstes wären einige Kehren gekommen, die unter Altschnee lagen. Auf dem Schnee konnte man nicht gehen und das Gelände daneben war sehr steil und durch den Regen in der Nacht rutschig. Da wir uns im Absturzgelände befanden, entschieden wir, das Risiko nicht einzugehen (vor allem der Abstieg wäre sehr unangenehm geworden) und den Versuch 200 Höhenmeter unter dem Gipfel abzubrechen. Genau wie letztes Jahr haben wir nun also einen Berg, den wir später im Jahr noch einmal angehen ‚müssen‘.Solsteinhaus | raupenblau

Zurück am Solsteinhaus waren wir irgendwie doch schon wieder hungrig. Ein leckeres Süppchen wurde verzehrt, gefolgt von einem Kaiser- und einem Blaubeerschmarrn. Die Gruppe kam übereinstimmend zu einer Kaiser-Wertung von vier Rosinen, da der Kaiser etwas fettig war und ein klein bisschen mehr Mehl vertragen könnte. Allerdings war er super karamellisiert, enthielt eingelegte Rosinen und ausreichend Puderzucker. Der Blaubeerschmarrn war auch super, wird aber aufgrund mangelnder Vergleichbarkeit hier nicht bewertet. Solsteinhaus | raupenblau

Nach einigem Überlegen entschieden wir uns, nicht den Umweg über die Neue Magdeburger Hütte zu gehen, sondern dem Aufstiegsweg zurück zum Auto zu folgen. Das war auch eine gute Idee, denn wir waren doch alle recht müde und Regen zog auf. Unterwegs fanden wir noch einen Latschenkiefer-Setzling, den wir nach dem Hütten-Nachwuchs Luis tauften und begegneten einer freundlichen Bergraupe (die der Heideraupe auf Rømø verdächtig ähnlich sieht):Solsteinhaus | raupenblau

Heute, zwei Tage später, plagt mich immer noch ein ziemlicher Muskelkater. Ich tröste mich damit, dass wir eine tolle Hütte in einem spannenden Gebiet entdeckt haben und jetzt ein neues Stückchen Karwendel kennen – Rückkehr-Potential!

Lenzerheide 2015

17 Mrz

Fast jedes, also eigentlich jedes Jahr fahre ich mit Freundinnen nach Lenzerheide* in die Schweiz. Dort ist es sehr schön, es gibt ein tolles Skigebiet, hohe Berge, einen zugefrorenen See und eine Sauna. Und uns.Lenzerheide Panorama | raupenblau

Dieses Jahr musste ich mich aber hier und da doch etwas aufregen – der Franken-Wechselkurs! 40 Euro darf man inzwischen abdrücken, um die glänzenden Schweizer Straßen zu befahren, getankt habe ich da selbstverständlich noch in Österreich. Beim Schneeschuh-Verleih teilte uns der Mitarbeiter dann auch ganz stolz mit, der Franke sei nicht als „Fränkli“ zu bezeichnen, es handle sich schließlich um eine starke Währung. Hrmpf. Abgesehen von meinem Groll gegen die Gesetze des Finanzmarktes waren es aber sehr schöne Tage, die ich hier gerne in einigen Bildern kurz präsentieren möchte:

Tag 1 – SchneesturmLenzerheide | raupenblau Lenzerheide | raupenblau

Nordwind Stärke 7 und anhaltender Schneefall motivierten uns zu einem netten Spaziergang an der frischen Luft. Wir kämpften uns über den See zum Dorf, vom Dorf am Hang entlang zur Rothorn-Talstation und von dort zurück über den See. Zwischendurch war es sehr lustig, am Ende hauptsächlich kalt. Ohne Sauna wäre ich vermutlich nie wieder aufgetaut.

Tag 2 – SkifahrenLenzerheide | raupenblau Lenzerheide | raupenblau Lenzerheide | raupenblau

Strahlender Sonnenschein und angenehmen Temperaturen. Wir fuhren Ski. Nur 58 Franken für eine Vier-Stunden-Karte. Wie günstig. Aus Trotz ließ ich eine Runde heiße Ovomaltine/Schoki/Schorli (letzteres nicht heiß) springen. Ergibt retrospektiv wenig Sinn, war aber lecker und wir durften ohne Zusatzkosten Liegestühle nutzen. Danach spazieren auf dem See.

Tag 3 – SchneeschuhwandernLenzerheide | raupenblau Lenzerheide | raupenblau

Vorausschauend hatte ich mir in der Alpenvereins-App bereits einige Schneeschuh-Touren herunter geladen. Wir entschieden uns für die Val Sporz Tour. Da wir Langschläferinnen sind, erhielten die Freundinnen ihre Schneeschuhe zum sensationell günstigen Halbtages-Tarif (16,50 Franken statt 18 Franken – ok, ich höre jetzt auf). Die Tour ist sehr hübsch, anfangs gibt es viele Schilder, irgendwann keine mehr. Ist das Geld ausgegangen oder hatte man schlicht keine Lust mehr? Nette Einheimische wiesen uns den Weg, irgendwann fehlte es dann aber überraschenderweise an Schnee. Proviant war auch knapp.Lenzerheide Kaiserschmarrn | raupenblau

Der Tag endete trotzdem noch fulminant: Ich machte meinen ersten eigenen Kaiserschmarrn, nach einem Rezept von Ben. Vier Rosinen in der Kaiser-Wertung. Da geht noch was (lag aber definitiv an mir und nicht am Rezept!)

Tag 4 – Spazieren und SonnenLenzerheide | raupenblau

Die Freundinnen beschlossen der lokalen Wirtschaft noch ein paar Fränkli für Skipässe zu spendieren, ich blieb stur und korrigierte ein paar Forschungsberichte auf dem Balkon. Inzwischen war es fast schon lächerlich warm, ich saß in T-Shirt in der Sonne. Die Bergwelt strahlte mich an. Ok, spazieren. Nach und nach entledigte ich mich auf dem See meiner Kleidungs-Schichten. Ab wann schmilzt so eine Eis-Oberfläche eigentlich. Ich entschied mich für den geordneten Rückzug.

Nachdem alle Essensreste verdrückt waren, kurvten wir den Berg hinunter und begaben uns direkt in einen schönen Schweizer Stau. Ich schielte missmutig auf die Jahresvignette auf der Frontscheibe. War aber kurz vorher noch in der Saune gewesen – hat sich also wie immer gelohnt.

*Der Slogan „Lenzerheide – Die alpine Oase im Herzen Graubündens“ lässt auf ein interessantes Verständnis des Begriffs „Oase“ rück schließen. 

Gastbeitrag: Vilser Alm (1226 m)

13 Mrz

raupenblau hat Besuch, und zwar von meinem Kollegen Benjamin. Wir wandern regelmäßig zusammen, auch wenn man (aufgrund der generellen Menschenarmut auf meinen Bildern) hier bisher eher wenig von ihm gesehen hat. Benjamin bloggt auf Synästhetische Soziologie und opfert sich regelmäßig für Kaiserschmarrn-Testessen. Ein solches hat er nun auch (freiwillig!) auf der Vilser Alm durchgeführt – vielen Dank für deinen Einsatz, lieber Benjamin!

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Ich habe das Privileg, hier als Gast die Wertung für einen Kaiserschmarrn zu berichten, den die Inhaberin und Hauptautorin des Blogs leider nicht selbst in Augenschein nehmen und verkosten konnte. Ich erlaube mir aber, in Anspruch zu nehmen, dass ich mit den Kriterien dieser Wertung inzwischen ausreichend vertraut sei, so dass mein Urteil hier offiziell verkündet werden darf. Die Wertung ist auch durch mehrere Personen abgesichert. Gut, einer davon war Jurist, und in diesem Fach nutzt man ja nur die unteren Bereiche von Wertungsskalen aus. Aber eine Sozialwissenschaftlerin und ich konnten ihn und uns selbst überzeugen, dass nach den üblichen Maßstäben der Kaiserwertung dies ein Dreier sei.

Wir wanderten von einem Parkplatz knapp oberhalb von Vils (zwischen Kempten und Reutte, knapp hinter der österreichischen Grenze) zur Vilser Alm. Das ist leicht zu bewältigen bei einer Wegstrecke von 4 km und etwa 400 Höhenmetern. Man kommt an einem Steinbruch vorbei, wo Sprengungen und Bagger dem Berg zusetzen, und sahen aus einiger Ferne einen teils gefrorenen Wasserfall. Vor allem aber ging es durch idyllischst verschneite Landschaften von ruhiger, weißgrauer Erhabenheit, doch nicht ganz ohne Kitsch – der wolkige Tag ließ keinen Blick auf die eigentlichen, schrofferen Berge zu, sondern nur auf eher sanft geschwungene, baumbestandene Hänge.Vilser Alm | raupenblau

Nun, der Kaiser war durchaus etwas fluffig, aber nicht recht knusprig und hatte nicht die angenehme Dichte und Schwere bei gleichzeitiger Luftigkeit, und nicht den vollen Geschmack von reichlich Butter, sondern eine mit der Zeit etwas weniger angenehme Fettigkeit. Immerhin standen Preiselbeeren und Apfelmus zur Auswahl, beides handelsüblich, und die Portion war üppig, aber eine kleine und leichte Mahlzeit ist ein Kaiserschmarrn ja praktisch nie. Puderzucker war vorhanden, wenn er sich auch nicht in Wolken erhob, wie sie einen beim Beschnuppern des Kaisers süßlich hüsteln lassen. Vor allem aber fehlten die Rosinen. Drum können nur drei von fünf auf der bekannten Skala vergeben werden.

Man kann auf der Hütte durchaus eine gute Suppe oder eine sehr üppige Brotzeit bekommen und es bietet sich im Winter an, den Weg nach unten mit strammem Bäuchlein rodelnd zurückzulegen (Schlitten muss man aber selbst mitbringen). Es handelt sich eher um einen breiten Forstweg, so dass man entgegenkommenden Personen gut ausweichen kann. Es gibt einige flache Stellen, die man vielleicht bei noch besserem Schnee bzw. regelrechter Vereisung auch gleitend überwinden kann, wo wir aber unsere Schlitten ziehen mussten. Ansonsten ist es aber eine durchaus flotte, wenn auch nicht übermäßig rasante Abfahrt. Ein netter Ausflug– der Spaß im Sommer wäre gesondert zu prüfen – für einen nicht ganz so langen Tag, wenn man mal in der Nähe ist.

Gindelalmschneid (1331 m)

19 Jan

Liebe Leserinnen und Leser, gleich kommen viele Bilder. Grund: Mein Sonntag war wunderschön, auch und vor allem optisch gesehen. Seit Freitag hatte ich diverse Wetter-Apps beobachtet, zwischenzeitlich war die Prognose auf eine Sonnenstunde gesunken, aber ich hatte so ein Bauchgefühl. Bergtag. Die Wanderkamerad_innen und ich entschieden uns für Optimismus und so wanderten wir los vom Parkplatz Schliersee-Hennerer Richtung Gindelalmschneid (Route hier). Ziemlich bald waren wir im Winterwunderland:Aufstieg zum Gindelalmschneid | raupenblau

Am Samstag hatte es noch einmal etwas geschneit, so hatten wir doch gut zu tun, uns mit Gamaschen durch den Schnee zu pflügen. Man hätte den Weg auch prima mit Schneeschuhen gehen können, es war aber auch so machbar. Aufstieg zum Gindelalmschneid | raupenblau

Die Steigung ist meistens recht moderat, wir mussten aber alle fünf Meter stehen bleiben, um tolle Bilder zu machen. Ging nicht anders. Nach der Kreuzbergalm kommt ein fieser Anstieg, man kann dann aber von oben zufrieden zurück blicken:Aufstieg zum Gindelalmschneid - Kreuzbergalm| raupenblau

Das letzte Stück zum Gindelalmschneid ist relativ flach und wir genossen den Blick auf den Schliersee und die sich dahinter ausbreitende Wolkendecke. Schön, da nicht drunter zu stecken.Aufstieg zum Gindelalmschneid - Blick auf Schliersee| raupenblau

Da wir alle noch ein wenig Kraft in den Beinen hatten, entschieden wir noch zum Berggasthof Neureuth zu gehen. Eine gute Wahl – es gab Kaiserschmarrn. Der erste Kaiser des Jahres 2015 wurde einvernehmlich mit 4 von 5 Rosinen bewertet. Sehr gut karamellisiert, leckere Rum-Rosinen. Kritikpunkte: etwas zu unfluffig, zum Teil war der Geschmack des Fettes (vermutlich Butterschmalz) zu dominant. Benjamin kritisierte außerdem die Form eines Kaiser-Stückes, die ihm als zu rautenförmig erschien. Es blieb glücklicherweise bei diesem einen missratenen Fetzen, weitere unnatürlich geformte Kaiser-Teile entdeckten wir nicht.Kaiserschmarrn Berggasthof Neureuth | raupenblau

Auf dem Rückweg Richtung Gindelalm (wir stiegen durch das Schilchental ab) zogen dann einige Wolken auf und sorgten für Mystik-Stimmung. Ich war ganz froh, keiner von uns hatte Sonnencreme dabei und inzwischen färbten wir uns doch alle leicht rötlich.

Neureuther Haus Richtung Gindelalm im Schnee | raupenblau

Der Abstieg durch das Schilchental ist unspektakulär: ein Forstweg, der zum Teil recht matschig und rutschig war. Der Aufstiegsweg ist dafür umso toller – eine sehr lohnende Tour!