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Von Innsbruck nach Bozen: Tag 6 (Penser Joch bis Latzfonser Kreuz)

20 Okt

Tag 6 der Mini-Alpenüberquerung startete mit Liebe und Freude: Ben hatte Geburtstag! Am Vorabend hatte es kurz und entschieden gehagelt, und am Morgen war es bewölkt. Glücklicherweise hielt das Wetter, bis auf zweimal kurzen Nieselregen. Wir starteten um 8 Uhr, da wir einiges an Strecke vor uns hatten. Auf der Karte sah es nach relativ wenig Höhenmetern aus, was aber nicht so ganz stimmt, wenn man sich die Daten des Tages anguckt:

Ausgangshöhe: 2.213 Meter
Zielhöhe: 2.304 Meter
Höchster Punkt: 2.575 Meter
Tiefster Punkt: 2.036 Meter
Höhenunterschied: 1.195 Hm auf, 1.113 Hm ab
Strecke: 19,9 Km

Penser Joch über Marburger Hütte bis Latzfonser Kreuz | raupenblau

Auf dem Weg zur Flaggerschartenhütte

Obwohl wir immer über 2.000 Meter blieben, gab es doch einiges an Auf und Ab. Allerdings war die Landschaft sehr ansprechend, mit tollen Ausblicken, kleinen Bachläufen und Seen und netten Tieren. Unter anderem trafen wir weitere Murmeltiere und eine kleine Herde junger Haflinger, denen Undine zu ihren ersten Bissen Apfel verhalf – man hat Pferde selten so begeistert gesehen.

Penser Joch über Marburger Hütte bis Latzfonser Kreuz | raupenblau

Glückliche Haflinger

Sehr schöne Kühe gab es auch.

Penser Joch über Marburger Hütte bis Latzfonser Kreuz | raupenblau

Fotogener Jungbulle

Unterwegs stellte sich heraus, dass unsere Tagesetappe zwei Etappen der Hufeisentour entsprach. Wir trafen diverse Hufeisentour-Geher, die zum Teil recht stark jammerten über die schwierigen Wege und die weiten Strecken. Ich frage mich, wie diese Tour vermarktet wird. Einige der Wanderer waren interessant ausgerüstet und trugen bemerkenswert große Rucksäcke auf dem Rücken.

Penser Joch über Marburger Hütte bis Latzfonser Kreuz | raupenblau

Marburger Hütte/Flaggerschartenhütte

An der Marbuger Hütte/Flaggerschartenhütte machten wir eine Mittagspause und verspeisten den kleinen Kuchen, den wir für Ben dabei hatten. Die zweite Etappe bis zum Schutzhaus Latzfonser Kreuz zog sich dann etwas – insgesamt war sie zwar sehr gut zu gehen (es gab an diesem Tag insgesamt nur zwei Seilsicherungen), aber meinen Füßen reichte es langsam mit Wandern und sie taten ziemlich weh. Gemeinerweise zeigt sich die Hütte auch wirklich erst dann, wenn man schon fast davor steht.

Penser Joch über Marburger Hütte bis Latzfonser Kreuz | raupenblau

Endlich! Das Schutzhaus Latzfonser Kreuz zeigt sich.

Dafür lohnte sich das Tagesziel: Das Schutzhaus Latzfonser Kreuz ist sehr schön, das Essen lecker, die Wirtsleute nett, ihre Hunde flauschig und der Blick auf die Dolomiten fantastisch. Trotz beanspruchter Füße juckte es mich in denselben beim Anblick der markanten Gipfel. Dann gab es auch noch ganze 90 Sekunden warmes Wasser für einen Euro.Wir waren glücklich.

Penser Joch über Marburger Hütte bis Latzfonser Kreuz | raupenblau

Schutzhaus Latzfonser Kreuz

Das sagen die Mitwanderer:

Guido: „Die Hütte kommt und kommt nicht.“

Ben: „Heute kann es regnen, stürmen oder schreien, denn ich schrei‘ ja selber, wie der Sonnenschein.“

Undine: „…“

Penser Joch über Marburger Hütte bis Latzfonser Kreuz | raupenblau

Vollmond über Dolomiten

Als die Mitwanderer nach einer kleinen Runde Yoga im Freien schon im Bett lagen, saß ich noch ein bisschen draußen, telefonierte kurz mit Bastian und bewunderte den Vollmond. Das war ein wirklich schöner, friedlicher Moment, für den allein sich die ganze Schinderei schon gelohnt hat.

Von Innsbruck nach Bozen: Tag 5 (Sterzing bis Alpenrosenhof)

19 Okt

In Sterzing erwachte ich etwas verstimmt. Zwar war ich sauber und die Wäsche vom Vorabend war ausnahmsweise fast trocken, aber ich hatte nicht gut geschlafen und fühlte mich fehl am Platz – wenn ich eine Sache an dieser ganzen Tour ändern könnte, dann wäre es der Weg über Sterzing. Die ganzen Straßen und Autos irritierten mich und rissen mich aus meiner schönen Berg-Blase. Dann mussten wir auch noch über den Autohof Sadobre stapfen, auf der Suche nach Blasenpflaster-Nachschub. Den gab es nicht, vermutlich weil LKW-Fahrer nicht so arg von Blasen betroffen sind. Diese Nachricht konnte ich immerhin gut verarbeiten, denn auf der ganzen Tour musste ich nicht einmal etwas auf meine Füße kleben. Sie taten zwar irgendwann weh, aber es ist definitiv empfehlenswert, eine Mehrtageswanderung in Schuhen zu absolvieren, die man jahrelang sorgfältig eingelaufen hat.

Sterzing über Zinseler bis Penser Joch | raupenblau

Auf dem Weg zum Mandlseite Joch

Aufbruch war um kurz nach 9 Uhr, nachdem wir das Frühstücks-Buffett im Hotel geplündert hatten. Wir hatten an diesem Tag erst einmal 1.500 Höhenmeter zu überwinden, wobei es einen Forstweg und einen Pfad gab. Der Pfad entpuppte sich als dschungelartiges Dickicht und ein Schweizer Taschenmesser ist nun mal keine Machete. Mit der Pflege der Wanderwege nimmt man es rund um die Alpinstadt Sterzing wohl nicht so genau. Es war relativ warm und wir waren ganz allein mit rund 5.000 Mücken. Ich denke ich habe mehr erschlagen als mich gestochen haben. Guido entschied sich zu einem drastischen Schritt und zog seine Regenkleidung über. Aus all diesen Gründen wechselten wir auf den Forstweg und stiegen zügig auf, so dass wir die lästigen Insekten bald hinter uns ließen.

Sterzing über Zinseler bis Penser Joch | raupenblau

Liebevoll gepflegter Wanderweg

Am Mandlseite Joch machten wir eine erste Pause und beguckten die Aussicht. Mich faszinierte sehr, wie sich die Vegetation von einem Tag auf den anderen geändert hatte: Anderes Gras, andere Kräuter (wilder Thymian!), andere Bäume. Offenbar verläuft am Brenner auch eine Art klimatische Grenze. Ab dem Mandlseite Joch wurde es auch gleich etwas alpiner und ich genoss den Aufstieg zum Zinseler.

Sterzing über Zinseler bis Penser Joch | raupenblau

Blick vom Zinseler-Gipfel

Sterzing über Zinseler bis Penser Joch | raupenblau

Blick vom Zinseler Gipfel

Kurz einmal kamen wir vom Weg ab, konnten aber über eine Wiese unkompliziert korrigieren und ich bestaunte das silbrig und goldig glitzernde Gestein. Alles so anders! Selbst die Ziegen am Gipfel waren anders und wir legten eine lange entspannte Pause ein. Danach folgte nur noch ein einfacher Abstieg hinunter zum Penser Joch. Nachdem wir die Straße überquert hatten, trafen wir kurz vor unserer Unterkunft endlich auf Murmeltiere. Die waren offensichtlich touristisch sozialisiert und ließen sich gerne mit Trailmix bewerfen. Ben schloss richtig Freundschaft mit einem der gut genährten Nager.

Sterzing über Zinseler bis Penser Joch | raupenblau

Das Murmeltier

Unsere Unterkunft für die Nacht war der Alpenrosenhof, wo wir um kurz vor 17 Uhr eintrafen. Ein seltsamer Ort, an dem man gut einen Berg-Krimi drehen könnte. Das Essen war eher mittelmäßig, die Betten etwas seltsam, aber wir hatten einen Balkon zum Wäsche aufhängen und irgendwie genoss ich die ganze schräge Atmosphäre. Das Penser Joch an sich ist schon komisch, denn es ist eigentlich nur ein Parkplatz.

Sterzing über Zinseler bis Penser Joch | raupenblau

Alpenrosenhof am Penser Joch

Und das sagen die Mitwanderer:

Guido: „Füße schmerzen langsam, aber endlich ein Gipfelkreuz.“

Undine: „Immer noch so viele Berge im Süden übrig.“

Ben: „Hoffnung auf ruhigere Tage.“

Wie man sieht machte sich allmählich eine gewisse Erschöpfung breit. Kein Wunder, denn wir hatten auch schon einiges hinter uns. An diesem Tag:

Ausgangshöhe: 948 Meter
Zielhöhe: 2.213 Meter
Höchster Punkt: 2.422 Meter
Tiefster Punkt: 948 Meter
Höhenunterschied: 1.648 Hm auf, 288 Hm ab
Strecke: 15,0 Km