Tag Archives: Fahrrad

Mit S-Bahn und Rad von München nach Pfaffenhofen

11 Mai

Ich wurde ja inspiriert. Vom Jo. Der einfach mal drei Tage durch die Gegend radelte und Leute besuchte. Die Idee fand ich echt gut, nur leider konnte ich bisher noch keine geeignete Strecke zwischen mir bekannten Menschen identifizieren. Aber man kann ja auch klein anfangen und nachdem gestern Muttertag war, ich den Gedanken an eine Bergtour zugunsten von Ausschlafen verworfen hatte und die Sonne schien, dachte ich: warum nicht mal die Eltern mit dem Rad besuchen?

Meine Eltern leben in Pfaffenhofen an der Ilm. Das ist nördlich von München. Die S2 fährt bis Petershausen, von dort sind es knapp 20 Kilometer bis zu meinen Eltern. Ich beschloss, dass das für einen Vorstoß in die Welt der Radtouren zunächst einmal reichen sollte, schließlich gibt es ja immer auch einen Rückweg. Also sattelte ich mein treues Roß Ronja, packte zwei Hanuta, das Muttertagsgeschenk und Wasser ein, zwängte mich in meine Radl-Unterhose und machte mich auf den Weg zur Donnersbergerbrücke.Radtour Start Donnersbergerbrücke | raupenblau

Bis Dachau war die S-Bahn recht voll und Ronja und ich mussten stehen. Danach kam Ronja auf den Fahrrad-Platz und ich konnte bequem Socken stricken. Fing ja schön gemütlich an.

In Petershausen stiegen außer mir noch zwei Personen aus, der Bahnhof lag verlassen da. Sonntag in Petershausen steppt nicht gerade der Bär.Bahnhof Petershausen | raupenblau

Ich schwang mich also auf den Sattel und machte mich auf Richtung Steinkirchen. Um Petershausen herum kenne ich mich nicht so gut aus, daher gab es einen kleinen unfreiwilligen Umweg nach Untermarbach. Glaub ich zumindest, auf Google Maps fehlt der Ort irgendwie. Er war aber da und er lag auf einem steilen Hügel. Womit ein gewisses Grundproblem meiner Startphase schon genannt ist: Die Gegend ist hügelig und ich hatte Gegenwind. Die ersten 15 Minuten fluchte ich recht ausgiebig, bis ich keine Luft mehr bekam. Dann war ich in Steinkirchen. Hier kenne ich mich aus und wusste: Keine nennenswerten Berge mehr. Puh.

Hauptsächlich auf Radwegen strampelte ich nun in flottem Tempo Richtung Pfaffenhofen, an meiner alten Kellnerinnen-Wirkstätte, dem Golfclub Schloss Reichertshausen vorbei, durch Reichertshausen hindurch und an der B13 (auf dem Radweg) nach Pfaffenhofen. Und was soll ich sagen? Es war echt toll! Die Luft roch toll nach Frühling, nach Raps, frischgemähten Gras, Blumenwiesen, hier und da auch mal nach Kuh. Radtour Petershausen nach Pfaffenhofen | raupenblau

Im Gegensatz zum Radeln in der Stadt konnte ich die meiste Zeit einfach drauflos strampeln, ohne dass andere Radler, asiatische Touristen mit Selfie-Stick oder Porsche Cayennes (eine Autosorte, deren Fahrer*innen es gezielt auf mich abgesehen haben) sich mir in den Weg warfen. Gut, hin und wieder wurde ich von den aerodynamischen Effekten eines extensiv getunten Golf GTI durchgeschüttelt, aber das ließ sich aushalten. Außerdem überraschend: sehr viele Inline-Skater auf dem Radweg. Mir war nicht so klar, dass das noch ein Ding ist.

Nach einer knappen Stunde hatte ich das elterliche Haus auch schon erreicht und wurde mit Kuchen gefüttert. Dann legte ich mich zu einem Schläfchen ins Gras, wurde aber direkt von einem sehr großen schwarzen Tier belegt, das diverse Zecken auf mir ablud und verbrachte die folgende Stunde so: Schwarzer Kater | raupenblau

Abends wurde mir dann ein Rücktransport mit dem Auto angeboten, aber als heldenhafte Radfahrerin lehnte ich natürlich ab. Stattdessen schwang sich auch meiner jüngster Bruder aufs Rad und begleitete mich in der Abendsonne zurück nach Petershausen.Radtour Petershausen nach Pfaffenhofen | raupenblau

Dort stieg ich enthusiastisch in die falsche S-Bahn, die erst einmal 20 Minuten Ruhepause am Bahnhof einlegte. Nun ja, so ist das halt mit Abenteuern. Die unfreiwillige Zwangspause hatte einen großen Vorteil: In dem völlig leeren Zug konnte ich mich unauffällig meiner engen Radl-Unterhose entledigen. Da war die Rückfahrt gleich viel entspannter. Das letzte Wegstück des Tages fuhren Ronja und ich auf vertrauten Straßen, zurück in den heimischen Hinterhof.

Insgesamt fand ich das eine tolle Erfahrung. Für mich gibt es im Prinzip drei Gruppen Verkehrsmittel: Füße, Rad und öffentlicher Nahverkehr für kurze Strecken. Auto und Zug ab 30 Kilometer (für kürzere Strecken starte ich das Auto wirklich selten – Auto fahren in der Stadt ist nicht spaßig, Parkplatzkampf auch nicht und außerdem bin ich einfach zu gerne an der frischen Luft. Und in meinem Auto ist die Luft nicht frisch.). Flugzeuge für lange Strecken. Meine Eltern leben eigentlich klar in der Auto/Zug-Zone und es war irgendwie toll, sie einfach mal mit der falschen Verkehrsmittel-Gruppe zu besuchen. Und ein gutes Gefühl, dass das geht. Man könnte vermutlich sehr weit radeln. Wenn man wollte. Und vielleicht eine etwas weniger enge Radlhose hätte.

Advertisements

Von Neuhausen an den Starnberger See

26 Sep

Nachdem ich heute ja schon groß rumgetönt habe, ich sei geradelt, muss ich nun doch auch gleich von diesem heldenhaften Ausflug berichten. Mein treues Rad Ronja und ich sind nämlich Anfang September von hier, also Neuhausen in München bis an den Starnberger See geradelt. Entlang der Würm. Jawohl! Würm | raupenblau

Hier ist die Tour grob beschrieben, ich hatte sie auch in so einem Buch, das sich aber als sehr nutzlos erwiesen hat. Tatsächlich ist die Beschilderung meistens ziemlich gut, sie taucht regelmäßig auf und führt durch kleine, wenig befahrene Sträßchen. Die Würm ist am Anfang der Tour ein niedlicher kleiner Bach, an dem man idyllisch entlang radelt. Würm | raupenblau

Zwischendurch werden die Schilder mal gelb (sonst sind sie weiß mit grüner Schrift), aber sie sind eigentlich zuverlässig da. Richtig verfahren habe ich mich nur in Gauting, wo ich auf einmal einen wirklich beeindruckend steilen Hügel hinauf schnaufte und dort den S-Bahnhof fand. Zum Glück ließ mich mein Handy nicht im Stich. Danke, GPS! Ich habe keine Ahnung, wie Menschen sich vor Google Maps überhaupt orientieren konnten. Kein Wunder, dass Ötzi auf dem Gletscher gelandet ist. Nächstes Mal würde ich mich aber im Vorfeld um eine ordentliche Karte aus Papier bemühen, die Abhängigkeit von der Technik hat mich zwischendurch schon etwas beunruhigt. Nach Gauting wird die Würm dann auch deutlich breiter und eines der schönsten Stücke der Tour beginnt, zuerst über wunderschöne Wiesen:Wiesen an der Würm | raupenblau

Später fährt man dann im Wald, was bei dem tollen Wetter Anfang September auch mal ganz angenehm war. Hier radelt man ganz nah am Bach:Radweg entlang der Würm | raupenblau

Danach wird es noch einmal leicht unangenehm, es hügelt, aus dem Würmtal heraus war der Weg kurz so schlecht, dass ich schieben musste. Dann noch durch Starnberg und man steht am See, direkt hinter dem S-Bahnhof Starnberg:Starnberger See | raupenblau

Die Tour ist 31 Kilometer lang und wirklich nicht dramatisch, aber da ich doch immer mal wieder stehen bleiben und nach dem Weg gucken musste, habe ich insgesamt schon zwei Stunden gebraucht. (Laut meinem schlauen Buch sollte es sogar drei dauern, aber da muss man schon sehr schleichen.) Da ich allein unterwegs war und außer meinem Handy und einer Radl-Unterhose keinerlei Ausrüstung dabei hatte, war ich doch etwas aufgeregt und habe mir am See erstmal schön Nervennahrung gegönnt:Eiskaffee | raupenblau

Heim ist die Ronja dann übrigens lieber S-Bahn gefahren. Hatte sie sich auch verdient. Braves Rad. Ronja | raupenblau

Leider ist sie momentan etwas einsam, denn ihr Kumpel Ralph wurde geklaut. Ich muss an dieser Stelle einfach mal sagen, dass ich Fahrrad klauen nicht nett finde. Menschen mögen ihre Räder – wir vermissen unseren Ralph! So sieht er aus – wenn ihn jemand sieht: der gehört mir!

Ralph | raupenblau

Abgesehen von diesen dunklen Seiten des Radler-Lebens bin ich schon ziemlich Fan inzwischen und hätte große Lust, öfter mal ein bisschen weiter zu radeln. Mal gucken, was der Herbst so bringt – oder spätestens das neue Jahr. Tipps sind immer willkommen!

Anderswo: Skandinavienradler

26 Sep

Eigentlich bin ich jetzt schon zu spät dran, denn am Montag kommt Andi schon zurück von seiner Radtour durch Skandinavien – aber zum Glück kann man so ein Blog ja auch gut retrospektiv lesen.

(c) skandinavienradler.wordpress.com

Andi ist der Freund meiner lieben ehemaligen-Arbeitskollegin-jetzt-Freundin Laura. Im August ist er von Hamburg aus aufgebrochen zu einer Radtour durch Skandinavien. Auf seiner Karte kann man sehen, wo er schon überall herum geradelt ist (ab und zu ist er auch Fähre gefahren; unter Wasser radelt er meines Wissens nach noch nicht). Die Daheimgebliebenen hält er auf seinem Blog Skandinavienradler auf dem Laufenden und macht mit tollen Bildern jeden neidisch, der bei Regenwetter am Schreibtisch sitzt.

(c) skandinavienradler.wordpress.com

Wobei ich beim Essen nicht unbedingt tauschen wollen würde:

(c) skandinavienradler.wordpress.com

Heute streunt Andi in Bergen herum, das Wochenende ist er noch in Oslo und am Montag bekommt ihn Bayern wieder. Ich finde es ja irgendwie schade, denn seine Posts habe ich immer sehr gerne gelesen – und jetzt auch total Lust, in der Weltgeschichte rumzuradeln. Kurz (im Vergleich zu Andi sehr sehr sehr kurz) habe ich das in den letzten Wochen auch schon gemacht, aber dazu mehr in den nächsten Tagen.

The Invisible Bicycle Helmet

23 Aug

 

“If people say it’s impossible we have to prove them wrong.”
Design students Anna and Terese took on a giant challenge as an exam project. Something no one had done before. If they could swing it, it would for sure be revolutionary. The bicycle is a tool to change the world. If we use bikes AND travel safe: Life will be better for all.

Ich bin mir noch nicht so ganz sicher, ob ich jetzt begeistert oder skeptisch sein soll. Immerhin wäre das eine Lösung für all jene Personen, die sich bei der Wahl ‚Schöne Haare vs. Vermeidung von Schädel-Hirn-Traumata‘ für ersteres entschieden haben. Ich persönlich habe mich inzwischen mit meinem Helm angefreundet, auch wenn er kein besonders vorteilhaftes Accessoire ist. In den letzten zwölf Monaten bin ich glücklicherweise nur einmal auf die Schnauze geflogen. Hoffen wir, dass ich diese Quote im nächsten Jahr unterbiete, denn irgendwie hab ich das Gefühl, dass sich diese Stadt ständig weiter mit Fahrzeugen aller Art füllt. Man könnte die MVV-Tarife billiger machen, man könnte mehr P&R-Möglichkeiten anbieten und mehr Fahrradständer. Man könnte auch einfach Parkplätze streichen, hehe. Aber mich fragt ja keiner.

Und wenn ich mir das so überlege, kann ich ja eigentlich nur sagen: Weiter so, Anna und Terese, coole Ladies seid ihr auf jeden Fall!