Tag Archives: Berge 2013

Über den Pfanngraben zum Rotwandhaus und weiter zum Taubenstein

29 Aug

Ja, eine ganz kurze Überschrift. Es war aber auch eine lange Wanderung. Einen Tag nach der Exkursion zum Wendelstein wurde ich vom Freund auf das Rotwandhaus gejagt. Da war ich ja nun schon öfter (dieses Jahr auch schon einmal mitten in einem Hagelsturm, da lernt man so eine Hütte gleich noch einmal anders zu schätzen), aber nach dem Kaiserschmarrn-Desaster vom Vortag beschlossen wir, es auf die sichere Tour zu versuchen: Der Kaiserschmarrn auf dem Rotwandhaus ist ein Fünf-Rosinen-Kaiser. Da kann nix schiefgehen. Dachten wir. Das Wetter war schon einmal wanderfreundlich, nicht zu warm, aber trocken. Ich wollte schon immer mal den Weg durch den Pfanngraben zum Rotwandhaus ausprobieren, der Plan stand also. Da der Freund seine Knie schonen muss, wollten wir mit der Taubensteinbahn wieder nach Spitzing zurück fahren.Bachlauf Spitzingsee Richtung Valepp| raupenblau

Leider dauerte es eine Weile, bis wir überhaupt zum Spitzingsee kamen, was unter anderem daran lag, dass oben am See ein Oldtimer-Traktor-Treffen stattfand. Da diese putzigen kleinen Feinstaubschleudern schon auf ebener Fläche nur 25 km/h fahren, gestaltete sich die Fahrt hoch zum See recht gemütlich. Als wir dann endlich an der Schranke zur Alten Wurzhütte (dem Ausgangspunkt der Tour) standen, war es schon 11 Uhr (ok, wir hatten auch recht lange geschlafen). Auf dem Schild stand was von vier Stunden, die letzte Gondel ins Tal geht um 16.30 Uhr. Sportlich. Also los. Zuerst einmal folgt man der Straße Richtung Valepp und kommt an einem wirklich schönen Bachlauf vorbei (siehe Bild oben). Dem Bach folgt man dann erst einmal eine Weile bergab, vorbei an der Albert-Link-Hütte und dem Blecksteinhaus. Nach einiger Zeit geht es über den Bach und dann auf den Berg. Ab hier folgt man einfach den Schildern Richtung Rotwandhaus. Der Weg ist wunderschön, vorbei an tollen Gumpen:Gumpen im Pfanngraben | raupenblau

Nach einiger Zeit entfernt sich der Weg vom Bach und führt weiter durch den Wald und dann über Almen Richtung Rotwand. Die meiste Zeit geht es nicht sehr steil bergauf. Das machte mich etwas misstrauisch, da wir ja am Anfang schon noch ein Stück abgestiegen waren. Tatsächlich wird der Weg am Ende noch einmal steiler, aber die Steigung ist eigentlich nie besonders fies; der Weg ist einfach insgesamt recht lang. Auf dem letzten Stück hat man das Rotwandhaus schon direkt vor Augen, der Kaiser ruft quasi, da strengt man sich gerne nochmal an. Ich war zu diesem Zeitpunkt schon sehr hungrig, denn um besagte Gondel zu erwischen, hatten wir die vier Stunden in zweieinhalb verwandelt. Ächz.Rotwandhaus | raupenblau

Auf dem Rotwandhaus ging es erwartungsgemäß ziemlich voll zu, aber wir fanden direkt einen schönen Schattenplatz und ich stapfte zielstrebig in Richtung Theke, um den Kaiser zu bestellen. Den es natürlich nicht gab. Zu viel los. Tief durchatmen. T-I-E-F durchatmen. Die gute Nachricht ist ja, dass das Essen auf dem Rotwandhaus eigentlich immer gut schmeckt, also gab es Kaspressknödel und Spintaknödel und die Welt war fast so in Ordnung, wie sie mit einem Kaiser gewesen wäre. Nach dem Essen wanderten wir noch gemütlich hinüber zur Taubensteinbahn.Berge | raupenblau

Sämtliche Gipfel sparten wir uns und schwebten dann auch noch luxuriös per Gondel nach unten. Rückblickend waren zweieinhalb Stunden etwas übertrieben, aber in drei Stunden ist der Weg über den Pfanngraben absolut empfehlenswert – etwas trittsicher sollte man sein und eine gewisse Kondition ist schon nötig. Wenn man seine Knie quälen möchte, könnte man auch einfach vom Rotwandhaus direkt zurück nach Spitzingsee gehen, der Weg ist ganz schön. Vom Taubenstein nach unten zu gehen kann ich nicht wirklich empfehlen – sehr steil und viel Skipisten-Charme.

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Wendelstein

26 Aug

Sehr lange war ich nicht mehr auf dem Wendelstein gewesen. Circa zwölf Jahre lang nicht. Das letzte Mal war ich ein unsportlicher Teenager und habe die vielen angelegten Stufen im Wanderweg in grausamer Erinnerung. Die gibt es auch heute noch, aber sie fühlten sich weniger an und ich wurde von unserer Tour am Freitag angenehm überrascht. Letzten Oktober hatte ich festgestellt, dass der Wendelstein von der Lacherspitze aus aussieht wie aus einer Modelleisenbahn. Tut er auch noch, wenn man draufsteht:Wendelstein | raupenblau

Unser Ausflug war aber nicht nur in purer Wanderslust begründet, sondern hatte auch einen wissenschaftlichen Hintergrund – wir besuchten unsere KollegInnen im LMU-Observatorium. Das Observatorium gibt es 1939. Es wurde zunächst von den Nazis genutzt, um die Auswirkungen der Sonnenaktivität auf den kriegsrelevanten Funkverkehr zu erforschen. Seit 1949 gehört die Sternwarte zur LMU und es wird nur noch friedlich geforscht. Wir durften uns den alten Koronografen näher ansehen:Koronograf Wendelstein | raupenblau

Wenn ich das alles richtig verstanden habe, kann man damit besonders gut Bewegungen an der Sonnenoberfläche beobachten, z.B. Eruptionen oder Sonnenstürme. Das Gerät wird heute nicht mehr zu Forschungszwecken genutzt. Es steckt in einer schicken Kuppel, die von einem Rosenheimer Bootsbauer handgefertigt wurde:Koronograf Wendelstein | raupenblau

Seit neuestem hat das Observatorium ein 2-Meter-Teleskop. Damit kann man genauso gut ins Universum gucken wie von Chile oder Hawaii aus (da geht das wohl sehr gut). Es sieht aber nicht sehr romantisch aus:2-Meter-Teleskop | raupenblau

Nach so viel Wissenserwerb sollte man sich natürlich stärken. Was isst man da am besten? Genau. Einen Kaiser! Und nun kommen wir zum wirklich sehr traurigen Teil des Tages. a) Es gab keinen Kaiser. b) Stattdessen gab es an der Bergstation das schlechteste Essen, dass ich je auf einem Berg zu mir nehmen musste. Esst. Nicht. Am. Wendelstein. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Widmen wir uns schöneren Dingen. Wir waren natürlich auch in der Wendelstein-Höhle, die ihre zwei Euro Eintritt schon Wert ist. Sie ist beleuchtet und wesentlich harmloser als die doch etwas gruselige Schlüssellochhöhle. Hier ein Blick aus der Höhle heraus (drinnen war es doch recht dunkel zum Fotografieren):Wendelsteinhöhle | raupenblau

Alles in allem ein wirklich schöner, interessanter Tag. Angenehme tausend Höhenmeter.

Taubensee

7 Aug

Am Wochenende wurde nicht nur gefischt, sondern auch gewandert. Während die Herren Forellen angelten, machte ich eine kleine Wanderung, von Kössen zum Taubensee, das Kaiserwinkel-Panorama immer im Blick:Kaiserwinkel | raupenblau

Losgewandert bin ich beim Gemeindeamt Kössen, wo man in der Nähe auch kostenlos parken kann. Bis man den Wanderweg erreicht, geht man ca. 20 Minuten an einer Straße entlang. Diese ist nicht stark befahren und recht malerisch, aber bei der Bullenhitze letzten Samstag war das nicht grade angenehm. Eine Alternative wäre gewesen, zum Mühlberg-Parkplatz zu fahren, der kostet glaube ich zwei Euro. Die hätte ich mir auch leisten können, aber damit wäre fast eine Stunde meiner Wanderung ‚verloren‘ gewesen. Für einen sehr heißen Tag würde ich das trotzdem empfehlen. Alles in allem habe ich noch nie in meinem Leben am Berg derartig geschwitzt. Zum Glück hatte ich ein Handtuch dabei und konnte mich zwischendurch abtrocknen. Aber ich wusste ja, am Ende wartet ein kühler kleiner Bergsee auf mich.Taubensee | raupenblau

Der Weg nach oben ist wenig spektakulär, das große Plus ist aber der fantastische Ausblick. Kurz führt er noch einmal über eine kleine Straße an einigen Höfen (und dem Mühlberg-Parkplatz) vorbei, danach gibt es diverse Alternativen. Irgendeine bin ich gegangen und sie führte meistens über recht breite, gut ausgebaute Wanderwege und glücklicherweise viel durch den Wald. Nach einem letzten fiesen steilen Wegstück erreicht man die Taubenseehütte. Ich war schon einmal dort und hatte den Kaiser nicht in guter Erinnerung, daher und aufgrund der Temperaturen verzichtete ich auf einen Test. Die Hütte macht inzwischen auch sehr auf schick, man bekommt sein Wasser aus so Wein-Karaffen, das finde ich affig. Der Garten sieht aber gemütlich und schattig aus (Schatten war für mich ein großes Thema). An der Hütte vorbei kommt man in fünf bis zehn Minuten zum Taubensee:Taubensee | raupenblau

Ich fand eine kleine Bucht, hängte meine gesamte Kleidung zum Trocknen auf, schlüpfte in den Bikini und platschte über matschige Holzteile ins Wasser. Der See ist laut Infotafel mindestens 40 Meter tief – so weit sind Taucher bisher gekommen, er geht aber vermutlich noch tiefer in den Berg hinein. Diese Tatsache sowie die hohe Süßwasserkrebs-Population ließen mich nicht so lange im Wasser verweilen – irgendwie gruselig. Außerdem geht noch die deutsch-österreichische Grenze mitten durch den See, man weiß also nie, in welchem Land man grade schwimmt. Abgekühlt widmete ich mich die nächsten eineinhalb Stunden meiner Brotzeit und den russischen Klassikern (ich befand mich glaube ich auf der deutschen Seite, auf der österreichischen gingen ein paar Kühe baden).Rast | raupenblau

Bergab hatte ich die super Idee, einen anderen Weg zu wählen (über Ruppen), denn laut Karte ging der an einem Fluss entlang. Das war auch so, aber der Weg war leider komplett geteert und am Fluss dann auch befahren. Und am Anfang auch nicht im Schatten, aber inzwischen hatte ich mich mit meinem Schicksal abgefunden und eine neue Schicht 50+ Sonnencreme aufgetragen. Trotzdem war der Abstieg ganz nett, es kamen nur wenige Autos vorbei und der Ausblick war schön. Noch schöner war, dass mir für das letzten Stück zwei Wanderer mit Auto anboten, mich mitzunehmen. So blieb mir der Backofen-Gang zurück ins Dorf erspart und ich konnte mich auf der Toilette der Bergwacht provisorisch wieder in einen normalen Menschen verwandeln. (Wichtige Grundregel beim Wandern im Sommer: Immer frische Klamotten im Auto haben! Inklusive Unterwäsche, versteht sich.)

Für den Aufstieg habe ich knapp zwei Stunden gebraucht, obwohl ich ab und zu auf eine schattige Bank kollabiert bin. Runter ging recht schnell, vielleicht eineinhalb Stunden. Hier gibt es noch eine Tourenbeschreibung. Vor drei Jahren bin ich mit einer Freundin von der anderen Seite des Berges zum Taubensee aufgestiegen, von Hinterwössen aus. Das fand ich schöner, wenn auch zum Teil recht steil. Man kommt auch von Reit im Winkl dorthin, was sicher auch mal einen Versuch wert wäre, denn der See ist wirklich wunderschön und nicht allzu überlaufen.

Von Brauneck nach Benediktbeuern

17 Jul

Kühe vor der Benediktenwand | raupenblauAm Sonntag bin ich vom Brauneck bis nach Benediktbeuern gewandert. Ich habe kaum Bilder gemacht und auch kaum Pausen, ich wollte einfach mal diesen Weg gehen. Zum Brauneck hoch bin ich mit der Gondel gefahren, weil ich mir nicht sicher war, ob ich bei einer Gehzeit von mindestens sechs Stunden noch 800 Höhenmeter im Aufstieg extra schaffe. Rückblickend kann ich festhalten, dass der Aufstieg nicht das Problem ist, aber die 1.500 Höhenmeter Abstieg – autsch. Meine Füße mussten am Mariabrunn-Parkplatz bei Gschwendt erstmal in den Bach gehalten werden, bevor sie bereit für die letzten 20 Minuten zum Bahnhof Benediktbeuern waren. Dort durften sie in Espandrillas umziehen und waren selten so dankbar für billige Schuhe mit Plastiksohle.

Insgesamt war ich ziemlich genau sieben Stunden unterwegs, ungefähr eine Stunde davon waren Pausen. Besonders schön ist der erste Teil vom Brauneck zu den Achselköpfen. Diese könnte man umgehen, ich entschied mich spontan dafür, die Gipfel mitzunehmen. Der Wanderführer erklärte: „Geradeaus geht es etwas schwieriger über die Achselköpfe zur Benediktenwand.“ Gut, ich habe den alternativen Weg nicht gesehen, aber „etwas schwieriger“ ist schon verharmlosend. Mehr als einmal war ich ziemlich froh, ein paar Jahre Klettererfahrung (damals, in meiner Jugend) auf dem Buckel zu haben und ziemlich schwindelfrei zu sein. Außerdem kommen ein paar fiese steile Abstiege über Schichtgestein dazu – nicht einfach zu gehen, aber trotzdem recht spaßig.

Der Ostanstieg zur Benediktenwand ist auch ziemlich ausgesetzt, man braucht häufig seine Hände und der Fels ist zum Teil schon sehr glatt geschliffen. Hier spielten sich lustige Szenen ab. Am nettesten waren zwei Herren mittleren Alters, einer etwas weniger fit als der andere, schon sehr erschöpft und seinem Partner immer ein paar Meter hinterher. Letzterer befragte die ihm entgegen kommenden Wanderer über den weiteren Verlauf des Weges und gab diese Informationen dann völlig verfälscht an seinen Hintermann weiter. „Der Abstieg auf der Westseite ist nicht so ausgesetzt, aber auch ziemlich steil.“ wurde da ganz schnörkellos zu: „Der Weg auf der anderen Seite ist moderat, keine Sorge!“

Auch auf der Benediktenwand selbst spielten sich kleine Dramen ab, ein weiblicher Teenager in Jogginghosen brauchte ein Bild für das Internet, die Mutter wollte den langwierigen Stylingprozess (man will ja nicht verschwitzt aussehen) aber nicht abwarten und verließ frecherweise einfach den Gipfel. Auch der Vater wollte sich da partout nicht mehr hochschleppen lassen, so gab es dann nur eine Aufnahme mit dem Gipfel im Hintergrund, aber immerhin mit nach oben gereckten Daumen. Man muss halt nehmen, was man kriegt.

Der Westabstieg ist dann tatsächlich ohne klettern, ein paar Gämsen habe ich auch gesehen und irgendwann kommt man zur Tutzinger Hütte. Aus Zeitgründen und weil es ziemlich voll war, entschied ich mich gegen den Kaiser und stieg direkt ab. Es gibt zwei Varianten nach Benediktbeuern, ich kann den Weg 455 sehr empfehlen. Der andere ist doof, man geht eine dumme Schotterstraße an einem nicht sehr naturnahen Fluss entlang. Der 455 führt erst über eine Alm, dann an einem kleinen Bergbach entlang und dann gefühlte 80 Stunden durch den Wald ins Tal (die Füße!). Am Parkplatz Mariabrunn kann man dann heiliges Wasser trinken und einen Kreuzweg abgehen (was nicht passierte -> meine Füße sind außerdem auch noch Protestanten).

Alles in allem eine lohnenswerte Tour, aber die mehr als drei Stunden Abstieg von der Benediktenwand haben mich geschafft. Vielleicht sollte man sie mal andersherum probieren und dann die Seilbahn nach unten nehmen oder eine alternative Abstiegsroute finden.

Jochberg

15 Jul

Ich befinde mich in der Phase der Akzeptanz. Wut habe ich hinter mir. Windows 8. Das hab ich jetzt und ich muss es behalten. Liebe & Akzeptanz – aber mal ganz ehrlich, wer zur Hölle hat sich diese bescheuerte ‚Foto-App‘ ausgedacht? Warum sind überhaupt Apps auf meinem Notebook? Es ist kein Handy, es wiegt fast drei Kilo! Das beste ist aber, wenn man ein Rechtsklick auf ein Foto macht und dann auf ‚Bearbeiten‘ klickt. Dann geht nämlich Paint auf. Korrekt, Paint, dieses Programm aus den 90ern. Es kann auch heute nicht mehr als damals, aber offensichtlich hielt es Microsoft für nötig, eine Windows 8 Version davon zu machen. Danke dafür, aber WO ist der Picture Manager??

Ok, genug genölt, kommen wir zu den angenehmen Dingen des Lebens. Ich habe mich nun damit abgefunden, dass ich halt ständig übers Wandern blogge und daher soll der Blog wenigstens als Archiv für die Berge des Jahres dienen (daher nun auch unter dem Tag ‚Berge 2013‘ zu finden). Und damit hier kein Chaos entsteht, muss ich jetzt noch schnell was über vorletztes Wochenende schreiben, bevor ich mit den Heldentaten des gestrigen Tages angeben darf.Kochelsee | raupenblau

Vorletztes Wochenende waren wir also am Jochberg, das oben ist ein Blick auf den Walchensee. Vom Gipfel aus sieht man beide, also Kochel- und Walchensee. Ersterer war bei uns meist wolkenverhangen, wie eigentlich der ganze Berg, aber kaum waren wir am Gipfel klarte es netterweise auf. Das freute auch die 20.000 anderen Menschen, die dort oben waren. Als mein Freund ankündigte, er wolle auf den Jochberg, den habe er im Fernsehen gesehen, hätte ich vielleicht misstrauisch werden sollen. Gräser am Jochberg | raupenblau

Nichtsdestotrotz eine schöne kleine Wanderung (Tourenbeschreibung), größtenteils (bis auf den Anstieg zum Gipfel) im Schatten und auf der Jocheralm gibt es leckere Brotzeit. Man lernt auch viele neue Freunde kennen.

Hintertux

17 Jun

Dieses Blog verkommt zu einem Wander-Blog. Ich muss aufpassen. Dabei stricke ich doch ab und zu auch was, es könnte ruhig mal wieder ein bisschen mehr Strick-Blog sein. Oder Koch-Blog, ich habe kürzlich einen sehr leckeren Brotsalat gemacht. Oder oder. Gestern bin ich nun einmal gewandert, und zwar mal wieder in  Hintertux, wo es die vielen Murmeltiere gibt. Das letzte Mal war es dort ja sehr neblig, diesmal gar nicht. Daher habe ich nun auch Sonnenbrand – zwar habe ich mich brav und mit hohem LSF eingecremt, aber eher ‚ungleichmäßig‘, sprich: ich habe rote Flecken.

Zum Einstieg und um das Thema Hautpflege zu beenden, erstmal ein Bild von einem Kurzblättrigen Enzian (Gentiana bachphylla):Kurzblättriger Enzian | raupenblau

Das Wetter war also hervorragend, Bruder und Freund stürzten sich auf die Piste, ich stieg an der Sommerbergalm (2.100 Meter) aus, mit dem Ziel, zum Tuxer Fernerhaus (2.660 Meter) aufzusteigen. Ich wollte gerade die Stecken ausfahren, da sprachen mich zwei Damen mittleren Alters an, wie man denn nun zum Gletscher käme. Ich deutete auf den Wanderweg. Nein, erklärte man mir, man sei aus der Großstadt, dementsprechend könne man nicht laufen.

Ach so. So hatte ich das ja noch gar nicht gesehen. Ich verwies sie an die zweite Gondel und stiefelte los.

Zwanzig Minuten später war weit und breit kein Mensch mehr zu sehen. Als ich elegant eine Kombination aus altem Schnee und noch älterem Gras überwinden wollte, legte ich mich erst einmal gepflegt auf die … Hose. Natürlich landete ich nicht im Schnee, sondern im Matsch. War ja klar. Ich war dann doch ganz froh, dass die beiden Großstädterinnen den Lift genommen hatten, denn der Restschnee machte den ersten Teil des Weges für Stadtschuhträger doch recht lebensgefährlich. Leider führte der Weg bald zurück zur Versorgungsstraße. Weniger gefährlich, aber langweilig und hässlich. Natürlich traf ich direkt ein paar Murmeltiere, die mich gezielt ignorierten. Nur ein einziges machte sich die Mühe zu pfeifen, die anderen streckten mir schlicht ihren Allerwertesten entgegen: Murmeltier | raupenblau

Ansonsten gab es noch viel Fels und Schnee zu sehen und ich kam mal wieder zu dem Ergebnis, dass es tatsächlich einen Unterschied macht, ob man seine Wanderung bei 1.000 oder 2.000 Höhenmetern startet. Es lief aber ganz gut und irgendwann kam ich beim Tuxer Fernerhaus an.Fels und Eis | raupenblau

Nur, dass es weg war. Stattdessen waren da die Lifte, riesige Schutthaufen, viele Menschen, die Spaghetti von einem Imbiss aßen und ein chinesischer Bautrupp. Den Bautrupp entdeckte ich, als gerade meine Unterlippe allergisch auf meinen Müsliriegel reagiert hatte. Das war mir dann zu viel, ich floh in die Gondel und fuhr zurück zur Sommerbergalm. Zwei Stunden Aufstieg für eine völlig surrealistische Bergsituation, etwas bewährtes musste her. Ich beschloss, über den Wasserfallweg zurück zur Talstation zu steigen. Den Weg war ich vor ein paar Jahren schon gegangen, es gibt tatsächlich sehr viele Wasserfälle und ich hatte eine Kreuzotter gesehen. Der Abstieg diesmal war identisch, außer dass die Schlange früher kam, schwarz war und mich wütend anfauchte:Höllenotter | raupenblau

Sie hatte keine große Lust auf ein Foto, wie man sieht. Es handelt sich übrigens auch um eine Kreuzotter, in der schwarzen Variante, auch Höllenotter oder Alpenviper genannt. Giftig, aber nicht tödlich. Der Weg führte dann gewohnt malerisch über kleine Flüsse…Bergbach | raupenblau

… und vorbei an der Klamm:Kesselfall | raupenblau

Der Hintertuxer Gletscher (Übersichtskarte) ist irgendwie immer ein irritierendes Erlebnis. Selten sieht man so viele Tiere und Blumen und gleichzeitig ist er so stark touristisch erschlossen, dass es kaum ertragbar ist. Irgendwie ist das aber pädagogisch sinnvoll, ich finde die liftfahrenden Tagesgäste sollen ruhig auch sehen, was diese Art des Bergerlebnisses anrichtet.

Wolfratshauser Hütte, Grubigstein und Gartnertal

13 Jun

Am Wochenende war ich mit meinen Erasmus-Studierenden und Kollegen wandern, ein jährliches Ereignis, das nie Routine wird, auch wenn sich gewisse Dinge zuverlässig wiederholen: Trotz mehrmals zugeschickter Packliste gibt es immer mindestens eine Person mit viel zu viel Gepäck, mehrere Turnschuh-Träger und jemanden mit heller Haut und natürlich keiner Sonnencreme.

Diesmal ging ich noch das besondere Wagnis ein, eine Tour zu gehen, die ich selbst nicht kannte: Von Lermoos hoch zur Wolfratshausener Hütte (hier noch die Hüttenseite des DAV). Aufgrund eines Hochwasserschadens gab es Schienenersatzverkehr und wir brauchten vier Stunden bis Lermoos, so kamen wir natürlich auch erst gegen Mittag an den Berg. Der Aufstieg ist wirklich sehr schön, teils durch Wald, teils über Wiesen, aber die Höhenmeter waren wohl ein paar zuviel – an der nachmittäglichen Wanderung zum Grubigstein nahmen nur noch zwei der Studis teil, der Rest genoss den Ausblick auf die Zugspitze:Zugspitze | raupenblau

Das war vielleicht auch besser so, denn der Gipfel war verschneit, der Weg wegen irgendwelcher Bauarbeiten halb weggebaggert und dann standen wir vor ein paar hundert Meter Abgrund und trafen eine dieser alpinen Entscheidungen, die man halt ab und zu treffen muss: ‚Zurück!‘ Der arme Grubigstein ist übrigens sehr Skigebiet-verbaut und daher kein Schmuckstück. Auch um die Hütte herum sieht es skipistenbedingt etwas kahl aus.

Auf der Hütte waren wir fast allein – die Hütte selbst ist neu renoviert, die Wirtin ein Schatz und es gibt sogar (kostenlose!) Duschen, was sehr zur Stimmung beitrug. Das Essen kann nicht mit einem Rotwandhaus oder ähnlichem mithalten, aber nach 700 bis 1.100 Höhenmetern auf dem Buckel isst man ja eh alles gerne.Wolfratshauser Hütte | raupenblau

Am nächsten Tag stiegen wir dann über das Gartnertal ab, ein schöner Abstieg mit vielen kleinen Bächen, in denen man sich abkühlen kann:Gartnertal | raupenblau

Die Rückfahrt ging dann zum Glück wesentlich zügiger als die Hinfahrt. Noch ein Hinweis (die Dame an der DB-Hotline wusste es nicht): Bis Lermoos darf man mit dem Bayern-Ticket fahren. Und falls nun jemand gerne Hüttenwandern möchte und nicht weiß, was man da so mitnimmt – ich stelle hier gerne meine Packliste zur Verfügung. Vielleicht hält sich ja außerhalb der Uni mal jemand dran.