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Wanderjahr 2017, Teil 2

23 Mrz

Ich kann nicht einfach ein Wanderjahr undokumentiert lassen. In 2017 wurde ja hauptsächlich bekanntes gewandert, und die erste Hälfte habe ich bereits aufgeschrieben. Nun also Teil 2.

August:

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Eibsee im Sommer | raupenblau

Nach dem Gigalitz kam erst einmal eine kleine feine Tour, nämlich mein Instituts-Wandertag – bei ziemlich warmen Wetter wanderten wir (nach einer ausgiebigen Pause) rund um den Eibsee. Mit einem Teil der Kolleg_innen war ich auch schon von irgendeinem Bahnhof bis zum See gewandert, ich weiß es nicht mehr genau. Es war jedenfalls warm, wir durften kurz baden und mussten dann zum Zug zurück rennen. Aber immerhin: Berge gesehen!

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Gipfelei am Donnerstein (2.725 m) | raupenblau

Dieser Wandertag wurde gefolgt von einem absoluten Highlight des Wanderjahres: dem Lasörling Höhenweg im Nationalpark Hohe Tauern. Ich hoffe sehr, darüber noch einmal in Ruhe bloggen zu können, daher hier nur ein paar Impressionen:

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Neue Reichenberger Hütte (2.586 m) | raupenblau

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Lasörling Höhenweg | raupenblau

Insgesamt waren wir sechs Tage unterwegs, zuletzt verbrachten wir zwei Tage auf der wunderschönen Clarahütte. Das Wetter war etwas durchmischt, im Gegensatz zu meinem Cross-Alpen-Trek im Jahr davor. Wir hatten aber Glück, an den Tagen, an denen wir viel Strecke und Höhenmeter machen mussten, war es immer stabil.

September:

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Oberbuchbergers Hofladen | raupenblau

Nach dem Lasörling Höhenweg waren Sebastian und ich im Urlaub und so wurde erst im September wieder gewandert: mit Ines, Andrea und Felix wanderten wir einen halben Tag auf dem Tegernseer Höhenweg herum und aßen lecker Kuchen.

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Höllentalanger | raupenblau

Am Tag darauf, nun auch mit Benjamin, durchwanderten wir die Höllentalklamm, denn Andrea hatte nach unserem Besuch an der Baustelle noch gar nicht die neue Höllentalangerhütte gesehen. Auf dem Weg nach oben trafen wir eine Frau, die eine lebendige Nacktkatze in ihrer Jacke mir sich trug (oben stand das arme Tier dann zitternd auf einem Felsen – es hatte gar keine Outdoor-Kleidung) und ein Wanderer wollte mich überzeugen, dass ein Alpensalamander auf dem Weg ein Gummibärchen wäre. Bekannte Wege ziehen schon immer ein witziges Publikum an.

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Blick auf den Chiemsee | raupenblau

Am letzten Septembertag machte ich mit Mareike und Julia einen Jodelkurs am Chiemsee, wir wanderten etwas umher und jodelten. Das war sehr schön und bescherte uns noch einmal schönen Seeblick.

Oktober:

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Feuer-Vorbereitungen am Hörnle | raupenblau

Im Oktober wanderten wir mit Sebastians Familie aufs Hörnle, da war ich ja nun auch nicht zum ersten Mal. Diesmal gab es Ausblick, das war schön und der schöne Herbsttag war prima für den Ausflug.

Dezember:

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Pause an der Altkaser-Alm (1.279 m) | raupenblau
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Abstieg im Abendlicht | raupenblau

Der November sah keinen Berg, der Dezember dafür einige. Mit Ines, Felix und Andrea machten wir uns auf Richtung Spitzstein. Es war ziemlich windig und sehr kalt. Wie ließen den Gipfel daher aus (die Anfahrt hatte auch etwas gedauert und beide Autos mussten zwischendurch angeschoben werden) und kehrten dafür etwas länger in die Altkaser Alm ein. Abends besuchten wir den Christkindl-Markt auf der Fraueninsel (inzwischen Tradition) und am nächsten Tag retteten wir (hoffentlich erfolgreich) Igel-Kind Peppi aus der Kälte.

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Eibsee im Winter | raupenblau

Eine Woche vor Weihnachten wollten Sebastian und ich eigentlich auf den Eckbauer (ich war da noch nie!), aber die Hütte hatte wegen Schneefall geschlossen. Wir gingen dann einfach eine Runde in Nebel und Schnee um den Eibsee, das war auch sehr schön.

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Hungrige Tierchen im Nationalpark Hohe Tauern | raupenblau

Zwischen den Jahren gönnten wir uns schließlich noch ein paar Tage im Nationalpark Hohe Tauern (im Sonnberghof). Einen Tag beobachteten wir Wildtiere und am nächsten wanderten wir an den Krimmler Wasserfällen entlang.

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Krimmler Wasserfälle | raupenblau

Ingesamt komme ich für 2017 nun auf 26 Tage am Berg – damit ist das Ziel, vier Wochen im Jahr am Berg zu sein, auch nur knapp verfehlt. Gefühlt war es dennoch zu wenig Bergzeit, vor allem ein paar ‚richtige‘ Touren mehr hätten es sein können. Das Klettersteigset wurde kein einziges Mal ausgepackt. Dafür war ich 2017 in Südafrika (wenn man hier den Tag auf dem Lion’s Head und Tafelberg dazu zählt, komme ich sogar auf 27 Bergtage), in San Diego, in Italien und in Schweden – beklagen kann ich mich also wirklich nicht. Und ich freue mich auf 2018.

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Was man bisher so wanderte

1 Aug

Ja korrekt. Seit über einem halben Jahr kein Blogpost. Grund: Ich dachte ich hätte kein Photoshop mehr und Alternativen wie pixlr und gimp (verlinkt für Mutige und Technikaffine) waren mir nicht so. Damit ich wenigstens am Ende des Jahres auf das Wanderjahr zurückblicken kann, hier ein Mini-Roundup der Touren dieses Jahres. Die Bilder habe ich mir höchstpersönlich aus meinem eigenen Instagram-Account besorgt – wer unbedingt wissen möchte, was ich tagtäglich so mache, kann ja da mal gucken. Unicow | raupenblau

Die erste Wanderung des Jahres im Januar war (man könnte es schon fast eine Tradition nennen) der Zwiesel mit Schneeschuhen. Zurück ging es über das Blomberghaus, das war eine schöne kleine Winterwanderung.Zwiesel | raupenblau

Ebenfalls im Januar stieg ich spontan den Normalweg zum Rotwandhaus hinauf (wo ich ja auch schon öfter mal war). Das Wetter war perfekt, zum Gipfel hoch wurde mir der Schnee dann aber zu tief und ich stapfte einfach wieder runter, vorbei an vielen vielen miesgelaunten Kindern, die das Fehlen einer Seilbahn beklagten. Rotwandhaus | raupenblau

Im Februar ging es dann (ebenfalls zum wiederholten Male) auf den Spitzstein, diesmal mit Schneeschuhen. Die Wandergruppe blieb über Nacht auf der Hütte und ich stieg im Abendlicht alleine ab, das war gleichzeitig etwas gruselig und wunderschön. Der Spitzstein war 2016 auch der letzte Berg gewesen und es war nett, ihn so schnell wieder zu sehen. Spitzstein | raupenblau

Es folgte eine etwas längere Wanderpause, denn ich war drei Wochen in Südafrika. Im April ging es dann allerdings in illustrer Runde auf den bereits bewährten Leonhardstein, der mir auch beim zweiten Aufstieg viel Freude bereitete. Leonhardstein | raupenblau

Ganz April-typisch war der Leonhardstein fast völlig schneefrei, zwei Wochen später standen wir dann in Gamaschen im Winterwunderland am Gindelalmschneid. Auch das keine neue Tour, aber wieder sehr schön zu gehen und auf der Neureuth gab es feines Essen. Gindelalmschneid | raupenblau

Bis zum Mai hatte sich der Schnee dann aber endgültig verzogen und mit lieben Freunden ging es auf die Tegernseer Hütte. Hier war ich schon einmal gewesen, allerdings wählten wir diesmal einen anderen, etwas längeren Aufstieg. Etwas vermisst habe ich das Blumenmeer vom letzten Mal, aber dazu waren wir einfach zu früh dran. Tegernseer Hütte | raupenblau

Der Tegernseer Hütte folgte ein Reisemarathon: Erst war ich beruflich eine Woche in San Diego, dann zu einer Hochzeit eine knappe Woche in Schweden und letztendlich noch einige Tage am Gardasee und am Lago di Ledro. Viele viele Eindrücke und danach saß ich leicht verwirrt in München. Der Freund und ich stiegen dann eines Sonntags in der Früh auf die Aueralm und genossen ein zweites Frühstück, das war sehr nett. Hier komme ich immer gerne hin. Da war dann aber auch einfach schon Juli.Aueralm | raupenblau

Der Juli wurde dafür entschieden bewandert: Eine Woche später ging es mit der Familie des Freundes aufs Brauneck. Obwohl wir die Seilbahn nutzten, im Schneckentempo wanderten, alle einhundert Meter eine ausgiebige Pause machten und die Überschreitung zur Benediktenwand nur leicht andeuteten, hatte ich am nächsten Tag etwas Muskelkater. Ich schämte mich. Brauneck | raupenblau

Der aufmerksamen Leserin wird aufgefallen sein, dass alle Touren im Jahr 2017 bewährte Klassiker waren. Nix neues. Das wurde dann am dritten Juli-Wochenende anders, als wir ein Wochenende auf der Greizer Hütte verbrachten und den Gigalitz bestiegen (er ist immerhin 3001m hoch!) Der war durchaus anspruchsvoll, aber die Wanderung lohnte sich so sehr: Wir sahen Steinböcke, einen Steinadler und viele zufriedene Murmeltiere.Greizer Hütte | raupenblau

Immerhin zehn Bergtage zählt das Jahr 2017 damit schon, aber um das Jahresziel von vier Wochen am Berg zu erreichen, muss natürlich noch einiges passieren. Für diesen Blogpost habe ich Photoshop übrigens gar nicht aufgemacht.

Berg- und Wanderjahr 2016 – ein Rückblick

10 Jan

Und schwupps – wir sind im Jahr 2017 angekommen! Willkommen, frisches neues Jahr mit deinen ganzen zwölf Monaten. Höchste Zeit, die Bergtouren des letzten Jahres noch einmal Revue passieren zu lassen. Nicht alle habe ich verbloggt, daher gibt es in diesem Beitrag ein paar Instagram-Bonus-Fotos.

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Wallberg

 

Januar

Goldbichl bei Innsbruck (1 Tag)

Wallberg (1 Tag)

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Hinteres Hörnle

Februar

Hinteres Hörnle (1 Tag)

Bodenschneid (1 Tag)

Spitzsteinhaus | raupenblau

Ostern am Spitzstein

März

Aueralm (1 Tag)

Spitzstein und Spitzsteinhaus (2 Tage)

Seekarkreuz | raupenblau

Seekarkreuz

April

Seekarkreuz (1 Tag)

Blick auf das Kaisergebirge beim Aufstieg auf das Trainsjoch | raupenblau

Trainsjoch

Mai

Heiglkopf, Blomberg & Zwiesel (1 Tag)

Nachtwanderung am Zwiesel (1 Tag)

Trainsjoch (1 Tag)

Rotwand | raupenblau

Blick von der Rotwand

Juli

Stepbergalm (1 Tag)

Spitzingsee nach Gaitau (1 Tag)

Brecherspitz (1 Tag)

Edelweiß | raupenblau

Edelweiß an der Haidachstellwand

August

Klettersteig-Wochenende im Rofan (2 Tage)

Innsbruck nach Bozen (7 Tage: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7)

Feierabendtour Aueralm (1 Tag)

Dreitorspitze | raupenblau

Blick von der Meilerhütte Richtung Dreitorspitze

September

Meilerhütte und Dreitorspitze (2 Tage)

Alpspitze | raupenblau

Alpspitze

Oktober

Elmauer Alm (1 Tag)

Alpspitzbahn über Höllentalklamm (1 Tag)

Seebergkopf | raupenblau

Auf dem Seebergkopf

Dezember

Seebergkopf (1 Tag)

Spitzstein (1 Tag)

Spitzstein | raupenblau

Auf dem Spitzstein

Das Bergjahr 2016 hat sich etwas von den vorherigen Jahren unterschieden: Es gab mehr Klettersteig (Rofan und Dreitorspitze) und mit der Alpenüberquerung bin ich das erste Mal richtig lange am Stück gewandert. Gemeinsam mit ihrer Mama und ihrem Bruder habe ich meine kleine Patentochter Sara ihren ersten Berg hinauf geschoben und getragen (zur Aueralm), das war sehr anstrengend, aber ein tolles Erlebnis. Nach dem vielen Wandern im Sommer hatte ich ein kleines Berg-Tief – und das, obwohl mein Körper quasi von selbst wanderte. Obwohl ich so ein tolles Team auf der Tour von Innsbruck nach Bozen hatte, war mir danach, alleine zu wandern und das habe ich auch gemacht und so langsam wieder in meinen Rhythmus gefunden. Die beiden Touren am Jahresende waren dann noch einmal richtig schön und auf der letzten Tour hat mich zum ersten Mal Sebastian auf den Berg begleitet (der Wallberg gilt nur so halb, denn da haben wir die Bahn benutzt). 30 Tage war ich 2016 in den Bergen unterwegs. Damit ist mein Zielwert von einem Monat erreicht.

Mit mir gewandert sind in diesem Jahr (in alphabetischer Reihenfolge):

Andrea, Angela, Anna, Ben, Benjamin, Felix, Guido, Ines, Jessica, Katya, Kilian, Mareike, Nayla, Raphael, Sara, Sebastian, Undine.

Ich bin gespannt, wie das Bergjahr 2017 wird – und freue mich, auf so ein tolles Wanderjahr 2016 zurückblicken zu dürfen.

Von Innsbruck nach Bozen: Tag 7 (Latzfonser Kreuz bis Oberbozen)

24 Okt

Der siebte und letzte Tag unserer Mini-Alpenüberquerung. Wir hatten noch einmal einiges an Strecke zu überwinden, allerdings ging es nun hauptsächlich bergab, Bozen entgegen.

Latzfonser Kreuz über Rittner Horn bis Oberbozen | raupenblau

Im Morgenlicht am Latzfonser Kreuz

Zu den Daten des Tages:

Ausgangshöhe: 2.304 Meter
Zielhöhe: 1.209 Meter
Höchster Punkt: 2.343 Meter
Tiefster Punkt: 1.209 Meter
Höhenunterschied: 433 Hm auf, 1.531 Hm ab
Strecke: 25,4 Km

Latzfonser Kreuz über Rittner Horn bis Oberbozen | raupenblau

Wilde Wolken vor Dolomiten

Der Tag war etwas bittersüß. Einerseits freute ich mich (und die anderen sicher auch) sehr darauf, anzukommen. Auf der anderen Seite war gerade der letzte Abend am Latzfonser Kreuz so magisch (und die Aussicht am Morgen fantastisch) und während wir langsam abstiegen, fing ich schon an, die Berge zu vermissen. Denn natürlich wurde die Gegend von Schritt zu Schritt touristischer und erschlossener. Eine kurze Zeit gingen wir noch über eine relativ einsame Hochebene. Aber sehr bald trafen wir auf zahlreiche Hütten und Weidezäune und wurden von Autos überholt.

Latzfonser Kreuz über Rittner Horn bis Oberbozen | raupenblau

Auf dem Weg zum Rittner Horn

Latzfonser Kreuz über Rittner Horn bis Oberbozen | raupenblau

Auf dem Weg zum Rittner Horn

Nach einem eher kleinen Aufstieg erreichten wir mit dem Rittner Horn unseren letzten Gipfel. Die Raststation hier erinnerte an einen alten Bahnhof, der Kaiserschmarrn war leider eher enttäuschend (3 Rosinen, schmeckte fettig und unfluffig, hatte aber viel Puderzucker und Rosinen).

Latzfonser Kreuz über Rittner Horn bis Oberbozen | raupenblau

Kaiserschmarrn am Rittner Horn

Danach folgte ein langer Abstieg, erst über Wiesen (etwas ungemütlich entlang einer Skipiste), dann durch schöne Pinienwälder.

Latzfonser Kreuz über Rittner Horn bis Oberbozen | raupenblau

Auf dem Weg nach Oberbozen

Das Highlight war die Lama- und Alpaka-Zucht kurz vor Oberbozen. Hier trafen wir auf den erfolgreichsten Lama-Hengst Europas, der für das Foto leider nur sein Hinterteil präsentierte.

Latzfonser Kreuz über Rittner Horn bis Oberbozen | raupenblau

Der erfolgreichste Lama-Hengst Europas von hinten

Latzfonser Kreuz über Rittner Horn bis Oberbozen | raupenblau

Nachwuchs

Und dann waren wir endlich in Oberbozen und es gab Eiskaffee. Nach Bozen hinunter gönnten wir uns die Seilbahn. Meine Knie und Füße dankten es mir. In Bozen fanden wir schnell unsere Unterkunft (die neben uns von einem Ehepaar bewohnt wurde, das eigentlich immer Pyjamas trug). Hier wurde geduscht und alle bis auf den armen Guido wechselten in alternatives Schuhwerk. Es war definitiv ein super Gefühl, in Leggings, T-Shirt und Turnschuhen und vor allem ohne Rucksack durch die Stadt zu laufen. Wir genossen ein sehr leckeres Abendessen im Nussbaumer und natürlich ein Eis im Anschluss. Auf dem Heimweg fing es an zu regnen, aber so im Tal ist einem das ja eher egal. Am nächsten Tag besuchten wir noch Ötzi (schon lange ein Wunsch von mir) und am Abend brachte uns der Flixbus zurück nach Österreich bzw. Deutschland. Innerhalb weniger Stunden fuhren wir so die Strecke zurück, die wir eine Woche lang zu Fuß gelaufen sind:

Ausgangshöhe: 960 Meter
Zielhöhe: 1.209 Meter
Höchster Punkt: 2.646 Meter
Tiefster Punkt: 948 Meter
Höhenunterschied: 8.085 Hm auf, 8.580 Hm ab (Seilbahn nicht beachtet)
Strecke: 106 Km

So weit bin ich vorher definitiv nie am Stück gelaufen. Es war auf jeden Fall anstrengend, aber auch ein tolles Erlebnis. Unsere Gruppe hat gut funktioniert, was sicher nicht selbstverständlich ist. Wir hatten sehr viel Glück mit dem Wetter und (da wir schon im April unsere Unterkünfte gebucht hatten) meistens den Luxus, im Zimmer statt im Lager zu übernachten.

Das Beste an der ganzen Sache (außer der vielen vielen Bergzeit) war aber definitiv die Tatsache, dass man auf so einer Tour sehr viel essen kann. Ich habe sicher doppelt so viel gefuttert wie sonst an einem Tag, denn mein Körper hat jeden Bissen davon gebraucht. Da ich sehr gerne esse, war das prima. Unterm Strich würde ich es also auf jeden Fall wieder tun.

Hier geht es zu den anderen Etappen der Tour.

Von Innsbruck nach Bozen: Tag 6 (Penser Joch bis Latzfonser Kreuz)

20 Okt

Tag 6 der Mini-Alpenüberquerung startete mit Liebe und Freude: Ben hatte Geburtstag! Am Vorabend hatte es kurz und entschieden gehagelt, und am Morgen war es bewölkt. Glücklicherweise hielt das Wetter, bis auf zweimal kurzen Nieselregen. Wir starteten um 8 Uhr, da wir einiges an Strecke vor uns hatten. Auf der Karte sah es nach relativ wenig Höhenmetern aus, was aber nicht so ganz stimmt, wenn man sich die Daten des Tages anguckt:

Ausgangshöhe: 2.213 Meter
Zielhöhe: 2.304 Meter
Höchster Punkt: 2.575 Meter
Tiefster Punkt: 2.036 Meter
Höhenunterschied: 1.195 Hm auf, 1.113 Hm ab
Strecke: 19,9 Km

Penser Joch über Marburger Hütte bis Latzfonser Kreuz | raupenblau

Auf dem Weg zur Flaggerschartenhütte

Obwohl wir immer über 2.000 Meter blieben, gab es doch einiges an Auf und Ab. Allerdings war die Landschaft sehr ansprechend, mit tollen Ausblicken, kleinen Bachläufen und Seen und netten Tieren. Unter anderem trafen wir weitere Murmeltiere und eine kleine Herde junger Haflinger, denen Undine zu ihren ersten Bissen Apfel verhalf – man hat Pferde selten so begeistert gesehen.

Penser Joch über Marburger Hütte bis Latzfonser Kreuz | raupenblau

Glückliche Haflinger

Sehr schöne Kühe gab es auch.

Penser Joch über Marburger Hütte bis Latzfonser Kreuz | raupenblau

Fotogener Jungbulle

Unterwegs stellte sich heraus, dass unsere Tagesetappe zwei Etappen der Hufeisentour entsprach. Wir trafen diverse Hufeisentour-Geher, die zum Teil recht stark jammerten über die schwierigen Wege und die weiten Strecken. Ich frage mich, wie diese Tour vermarktet wird. Einige der Wanderer waren interessant ausgerüstet und trugen bemerkenswert große Rucksäcke auf dem Rücken.

Penser Joch über Marburger Hütte bis Latzfonser Kreuz | raupenblau

Marburger Hütte/Flaggerschartenhütte

An der Marbuger Hütte/Flaggerschartenhütte machten wir eine Mittagspause und verspeisten den kleinen Kuchen, den wir für Ben dabei hatten. Die zweite Etappe bis zum Schutzhaus Latzfonser Kreuz zog sich dann etwas – insgesamt war sie zwar sehr gut zu gehen (es gab an diesem Tag insgesamt nur zwei Seilsicherungen), aber meinen Füßen reichte es langsam mit Wandern und sie taten ziemlich weh. Gemeinerweise zeigt sich die Hütte auch wirklich erst dann, wenn man schon fast davor steht.

Penser Joch über Marburger Hütte bis Latzfonser Kreuz | raupenblau

Endlich! Das Schutzhaus Latzfonser Kreuz zeigt sich.

Dafür lohnte sich das Tagesziel: Das Schutzhaus Latzfonser Kreuz ist sehr schön, das Essen lecker, die Wirtsleute nett, ihre Hunde flauschig und der Blick auf die Dolomiten fantastisch. Trotz beanspruchter Füße juckte es mich in denselben beim Anblick der markanten Gipfel. Dann gab es auch noch ganze 90 Sekunden warmes Wasser für einen Euro.Wir waren glücklich.

Penser Joch über Marburger Hütte bis Latzfonser Kreuz | raupenblau

Schutzhaus Latzfonser Kreuz

Das sagen die Mitwanderer:

Guido: „Die Hütte kommt und kommt nicht.“

Ben: „Heute kann es regnen, stürmen oder schreien, denn ich schrei‘ ja selber, wie der Sonnenschein.“

Undine: „…“

Penser Joch über Marburger Hütte bis Latzfonser Kreuz | raupenblau

Vollmond über Dolomiten

Als die Mitwanderer nach einer kleinen Runde Yoga im Freien schon im Bett lagen, saß ich noch ein bisschen draußen, telefonierte kurz mit Bastian und bewunderte den Vollmond. Das war ein wirklich schöner, friedlicher Moment, für den allein sich die ganze Schinderei schon gelohnt hat.

Von Innsbruck nach Bozen: Tag 5 (Sterzing bis Alpenrosenhof)

19 Okt

In Sterzing erwachte ich etwas verstimmt. Zwar war ich sauber und die Wäsche vom Vorabend war ausnahmsweise fast trocken, aber ich hatte nicht gut geschlafen und fühlte mich fehl am Platz – wenn ich eine Sache an dieser ganzen Tour ändern könnte, dann wäre es der Weg über Sterzing. Die ganzen Straßen und Autos irritierten mich und rissen mich aus meiner schönen Berg-Blase. Dann mussten wir auch noch über den Autohof Sadobre stapfen, auf der Suche nach Blasenpflaster-Nachschub. Den gab es nicht, vermutlich weil LKW-Fahrer nicht so arg von Blasen betroffen sind. Diese Nachricht konnte ich immerhin gut verarbeiten, denn auf der ganzen Tour musste ich nicht einmal etwas auf meine Füße kleben. Sie taten zwar irgendwann weh, aber es ist definitiv empfehlenswert, eine Mehrtageswanderung in Schuhen zu absolvieren, die man jahrelang sorgfältig eingelaufen hat.

Sterzing über Zinseler bis Penser Joch | raupenblau

Auf dem Weg zum Mandlseite Joch

Aufbruch war um kurz nach 9 Uhr, nachdem wir das Frühstücks-Buffett im Hotel geplündert hatten. Wir hatten an diesem Tag erst einmal 1.500 Höhenmeter zu überwinden, wobei es einen Forstweg und einen Pfad gab. Der Pfad entpuppte sich als dschungelartiges Dickicht und ein Schweizer Taschenmesser ist nun mal keine Machete. Mit der Pflege der Wanderwege nimmt man es rund um die Alpinstadt Sterzing wohl nicht so genau. Es war relativ warm und wir waren ganz allein mit rund 5.000 Mücken. Ich denke ich habe mehr erschlagen als mich gestochen haben. Guido entschied sich zu einem drastischen Schritt und zog seine Regenkleidung über. Aus all diesen Gründen wechselten wir auf den Forstweg und stiegen zügig auf, so dass wir die lästigen Insekten bald hinter uns ließen.

Sterzing über Zinseler bis Penser Joch | raupenblau

Liebevoll gepflegter Wanderweg

Am Mandlseite Joch machten wir eine erste Pause und beguckten die Aussicht. Mich faszinierte sehr, wie sich die Vegetation von einem Tag auf den anderen geändert hatte: Anderes Gras, andere Kräuter (wilder Thymian!), andere Bäume. Offenbar verläuft am Brenner auch eine Art klimatische Grenze. Ab dem Mandlseite Joch wurde es auch gleich etwas alpiner und ich genoss den Aufstieg zum Zinseler.

Sterzing über Zinseler bis Penser Joch | raupenblau

Blick vom Zinseler-Gipfel

Sterzing über Zinseler bis Penser Joch | raupenblau

Blick vom Zinseler Gipfel

Kurz einmal kamen wir vom Weg ab, konnten aber über eine Wiese unkompliziert korrigieren und ich bestaunte das silbrig und goldig glitzernde Gestein. Alles so anders! Selbst die Ziegen am Gipfel waren anders und wir legten eine lange entspannte Pause ein. Danach folgte nur noch ein einfacher Abstieg hinunter zum Penser Joch. Nachdem wir die Straße überquert hatten, trafen wir kurz vor unserer Unterkunft endlich auf Murmeltiere. Die waren offensichtlich touristisch sozialisiert und ließen sich gerne mit Trailmix bewerfen. Ben schloss richtig Freundschaft mit einem der gut genährten Nager.

Sterzing über Zinseler bis Penser Joch | raupenblau

Das Murmeltier

Unsere Unterkunft für die Nacht war der Alpenrosenhof, wo wir um kurz vor 17 Uhr eintrafen. Ein seltsamer Ort, an dem man gut einen Berg-Krimi drehen könnte. Das Essen war eher mittelmäßig, die Betten etwas seltsam, aber wir hatten einen Balkon zum Wäsche aufhängen und irgendwie genoss ich die ganze schräge Atmosphäre. Das Penser Joch an sich ist schon komisch, denn es ist eigentlich nur ein Parkplatz.

Sterzing über Zinseler bis Penser Joch | raupenblau

Alpenrosenhof am Penser Joch

Und das sagen die Mitwanderer:

Guido: „Füße schmerzen langsam, aber endlich ein Gipfelkreuz.“

Undine: „Immer noch so viele Berge im Süden übrig.“

Ben: „Hoffnung auf ruhigere Tage.“

Wie man sieht machte sich allmählich eine gewisse Erschöpfung breit. Kein Wunder, denn wir hatten auch schon einiges hinter uns. An diesem Tag:

Ausgangshöhe: 948 Meter
Zielhöhe: 2.213 Meter
Höchster Punkt: 2.422 Meter
Tiefster Punkt: 948 Meter
Höhenunterschied: 1.648 Hm auf, 288 Hm ab
Strecke: 15,0 Km

Von Innsbruck nach Bozen: Tag 4 (Tribulaunhütte bis Sterzing)

18 Okt

An Tag 4 der Mini-Alpenüberquerung wurden wir von den Wirtsleuten der Tribulaunhütte sehr freundlich verabschiedet. Ich habe mir leider nicht notiert, wann wir an diesem Tag losgewandert sind, aber ich schätze, er war lang. Der Plan sah wie folgt aus: Durch ein Geröllfeld hinauf zur Schneetalscharte (2.646 m), dann ganz hinunter ins Tal nach St. Anton und von dort am Bach entlang nach Sterzing. Mir graute etwas vor dem langen Abstieg und den vielen Kilometern im Tal, aber sonst war ich guter Dinge. Nicht zu recht, wie sich zeigen sollte. Aber erst einmal zu den Basisdaten des Tages:

Ausgangshöhe: 2.064 Meter
Zielhöhe: 948 Meter
Höchster Punkt: 2.646 Meter
Tiefster Punkt: 948 Meter
Höhenunterschied: 799 Hm auf, 1.915 Hm ab
Strecke: 24,2 Km

Bis zur Schneetalscharte lief es wie erwartet etwas mäßig. Nach einem kurzen netten Steig kam Geröll, Geröll und nochmal Geröll. Wir kämpften uns so durch und kamen schnaufend und verschwitzt oben an. Zwischendurch passierte aber noch etwas entscheidendes: Große Markierungen mit Buchstabenkürzeln zeigten eine Abzweigung im Geröllfeld. Eigentlich war klar, dass wir uns nach links orientieren müssen. Diese Abzweigung hatten wir aber gerade verpasst und auf der Karte sah es so aus, als könnte man auch rechts gehen. Also gingen wir rechts.Tribulaunhütte bis Sterzing | raupenblau

Oben angekommen war die Stimmung schon nicht so grandios. 2.600 Meter Höhe spürt man. Außerdem sahen die Alternativen für den Weiterweg irgendwie nicht so furchtbar rosig aus: Nach rechts ging es hinauf zum Gschnitzer Tribulaun, da wollten wir nicht hin. Nach links deutete sich eine markierte Seilsicherung an, die nach Klettersteig aussah (das wäre der richtige Weg gewesen). Geradeaus ging eine steile, geröllige, unmarkierte Scharte. Weiter unten konnte man den Weg erahnen. Nach einer kurzen Beratung mit anderen Wanderern kamen wir zu dem Schluss, dass wir früher hätten links gehen sollen (richtig), dass der Klettersteig zu gefährlich ist ohne Sicherung (keine Ahnung, dazu hätte man einfach mal reinsteigen müssen) und dass es dadurch am vernünftigsten ist, durch die Scharte abzusteigen (falsch).

Tribulaunhütte bis Sterzing | raupenblau

Der unschuldig wirkende Einstieg in die Scharte

Mir machte diese Scharte von Anfang an ziemliche Bauchschmerzen, deswegen wollte ich nicht mehr warten und direkt einsteigen (ich weiß…). Da ich Sorge wegen Steinschlag hatte (wir hatten ja keine Helme dabei) schlug ich vor, mit Guido vorzugehen, die anderen sollten folgen, wenn wir unten ums Eck waren. Schon auf den ersten Metern wurde klar, dass die Scharte wirklich verdammt steil war. So steil, dass man eigentlich nur hinunterrutschen konnte. Da ich nur Shorts anhatte, zog ich eine Regenhose über (eine sehr weise Entscheidung). Wir rutschten also eine Weile, was ganz gut ging. Aber dann kamen wir an eine Stufe, die von oben nicht zu sehen gewesen war. Und die war ganz schön hoch. Ich kann recht gut klettern, aber nicht mit Rucksack (das hasse ich, siehe diverse Klettersteig-Erlebnisse). Daher kam ich auf die grandiose Idee, meinen Rucksack die Stufe hinunter zu werfen und hinterher zu klettern. Natürlich fiel der Rucksack nicht nur die Stufe hinunter, sondern hüpfte weitere ca. 50 Meter von Fels zu Fels nach unten. Handy in der Außentasche und so. Ach ja, der Rucksack war auch neu. In dem Moment war mir das aber herzlich egal, ich war froh, einfach klettern zu können. Trotzdem wechselte ich an der nächsten Stufe (denn die kam und war noch größer) die Strategie und reichte Guido den Rucksack hinunter. An dieser Stelle muss ich mal eine Lanze für die Firma Deuter brechen: Der Rucksack hat alles überlebt. Er hat nur ein winziges Loch. Das Handy lebte auch noch, sogar der Akku funktionierte danach wieder besser (?).

Ich will der Scharte hier nun nicht mehr Raum geben als möglich. Wir kamen da irgendwie durch, Guido und ich waren ein gutes Team und Ben und Undine schafften es später auch. Aber es war eine falsche Entscheidung, die uns unnötig in Gefahr gebracht hat. Aus meiner persönlichen Warte hätte ich einige Dinge anders machen sollen: Mir mehr Zeit für die Wegentscheidung nehmen, selbst die Karte lesen (wobei das in diesem speziellen Fall wenig gebracht hätte), nicht aus Anstrengung und Erschöpfung heraus entscheiden und auf mein Bauchgefühl hören. Als letzter Tribut an die Scharte hier nun eine Liste mit Dingen, die ihr zum Opfer fielen:

  • Regenhose (Clarissa)
  • eine Naht an Wanderhose (Undine)
  • diverse Schäden an allen Rucksäcken & Wanderstöcken (alle; zum Glück war alles danach noch zu gebrauchen)
  • Beulen an Flachmann und Handy (Clarissa)
  • brauner Hosenboden (Ben & Guido)
  • verbeulte Trinkflaschen (Undine & Ben)
  • diverse Kratzer und blaue Flecken (alle)
  • seelische Schäden (alle)

    http://www.deuter.com/DE/de/index.html

    Meine Regenhose, Post-Scharte

Nachdem wir die Scharte überwunden hatten, zogen Wolken auf und wir stiegen ab, wobei es ab und zu ein bisschen regnete. Insgesamt war der Abstieg eigentlich ganz schön, auf kleinen Wegen hinunter ins Tal. Ich musste allerdings noch ein bisschen Trauerarbeit leisten und ein Stück alleine gehen und mir Gedanken über die Scharte machen. Irgendwann stolperte ich und fiel hin und beschloss etwas genervt, das ganze hinter mir zu lassen. Klappte ganz gut.

Tribulaunhütte bis Sterzing | raupenblau

Ein kurzer Blick auf den Feuersteinferner

Kurz vor St. Anton besichtigten Guido und ich noch einen Wasserfall (wenig spektakulär) und dann gab es endlich mal wieder einen Apfelstrudel. Nicht der beste Apfelstrudel aller Zeiten, aber immerhin. Ich hatte den großen Luxus, von den Wanderschuhen in leichte Sneaker wechseln zu können, die ich als Hüttenschuhe dabei hatte. Das war dann erstmal super, wir liefen den Talweg entlang Richtung Sterzing. Bis Gossensasss war es sehr schön, wir sahen Bienen und Fohlen und Frösche. Danach war die Wegführung etwas seltsam, wir mussten viel an der Straße entlang gehen (kurz auch mal schön an der Brenner-Autobahn), bis wir endlich endlich in Sterzing am Kolpinghaus ankamen. Nun gab es Pizza. Ich vermute sie war gut, aber da ich sie wie ein hungriger Wolf verschlungen habe, kann ich nicht viel dazu sagen. Tiramisu zum Nachtisch, Taxi* ins Hotel, eine lange heiße Dusche und dann knipsten wir das Licht aus. Zum ersten Mal in Italien, das fing nämlich irgendwo in der Scharte an.

Und das sagen die Mitwanderer:

Undine: „Es war nicht alles schlecht.“

Ben: „Punkte sind nicht immer gut.“

Guido: „Bisher aufregendster Tag der Tour.“

*Als kleine Anekdote am Rande sei noch erwähnt, dass der Taxifahrer uns eine vom Tourimusverband gesponserte Fahrt hinauf zum Penser Joch (unserem nächsten Tagesziel) für schlappe 3 Euro anbot. Ben war zumindest kurzzeitig in dem Glauben, ich würde dieses Angebot annehmen.