Tag Archives: Abenteuer

Von Innsbruck nach Bozen: Tag 7 (Latzfonser Kreuz bis Oberbozen)

24 Okt

Der siebte und letzte Tag unserer Mini-Alpenüberquerung. Wir hatten noch einmal einiges an Strecke zu überwinden, allerdings ging es nun hauptsächlich bergab, Bozen entgegen.

Latzfonser Kreuz über Rittner Horn bis Oberbozen | raupenblau

Im Morgenlicht am Latzfonser Kreuz

Zu den Daten des Tages:

Ausgangshöhe: 2.304 Meter
Zielhöhe: 1.209 Meter
Höchster Punkt: 2.343 Meter
Tiefster Punkt: 1.209 Meter
Höhenunterschied: 433 Hm auf, 1.531 Hm ab
Strecke: 25,4 Km

Latzfonser Kreuz über Rittner Horn bis Oberbozen | raupenblau

Wilde Wolken vor Dolomiten

Der Tag war etwas bittersüß. Einerseits freute ich mich (und die anderen sicher auch) sehr darauf, anzukommen. Auf der anderen Seite war gerade der letzte Abend am Latzfonser Kreuz so magisch (und die Aussicht am Morgen fantastisch) und während wir langsam abstiegen, fing ich schon an, die Berge zu vermissen. Denn natürlich wurde die Gegend von Schritt zu Schritt touristischer und erschlossener. Eine kurze Zeit gingen wir noch über eine relativ einsame Hochebene. Aber sehr bald trafen wir auf zahlreiche Hütten und Weidezäune und wurden von Autos überholt.

Latzfonser Kreuz über Rittner Horn bis Oberbozen | raupenblau

Auf dem Weg zum Rittner Horn

Latzfonser Kreuz über Rittner Horn bis Oberbozen | raupenblau

Auf dem Weg zum Rittner Horn

Nach einem eher kleinen Aufstieg erreichten wir mit dem Rittner Horn unseren letzten Gipfel. Die Raststation hier erinnerte an einen alten Bahnhof, der Kaiserschmarrn war leider eher enttäuschend (3 Rosinen, schmeckte fettig und unfluffig, hatte aber viel Puderzucker und Rosinen).

Latzfonser Kreuz über Rittner Horn bis Oberbozen | raupenblau

Kaiserschmarrn am Rittner Horn

Danach folgte ein langer Abstieg, erst über Wiesen (etwas ungemütlich entlang einer Skipiste), dann durch schöne Pinienwälder.

Latzfonser Kreuz über Rittner Horn bis Oberbozen | raupenblau

Auf dem Weg nach Oberbozen

Das Highlight war die Lama- und Alpaka-Zucht kurz vor Oberbozen. Hier trafen wir auf den erfolgreichsten Lama-Hengst Europas, der für das Foto leider nur sein Hinterteil präsentierte.

Latzfonser Kreuz über Rittner Horn bis Oberbozen | raupenblau

Der erfolgreichste Lama-Hengst Europas von hinten

Latzfonser Kreuz über Rittner Horn bis Oberbozen | raupenblau

Nachwuchs

Und dann waren wir endlich in Oberbozen und es gab Eiskaffee. Nach Bozen hinunter gönnten wir uns die Seilbahn. Meine Knie und Füße dankten es mir. In Bozen fanden wir schnell unsere Unterkunft (die neben uns von einem Ehepaar bewohnt wurde, das eigentlich immer Pyjamas trug). Hier wurde geduscht und alle bis auf den armen Guido wechselten in alternatives Schuhwerk. Es war definitiv ein super Gefühl, in Leggings, T-Shirt und Turnschuhen und vor allem ohne Rucksack durch die Stadt zu laufen. Wir genossen ein sehr leckeres Abendessen im Nussbaumer und natürlich ein Eis im Anschluss. Auf dem Heimweg fing es an zu regnen, aber so im Tal ist einem das ja eher egal. Am nächsten Tag besuchten wir noch Ötzi (schon lange ein Wunsch von mir) und am Abend brachte uns der Flixbus zurück nach Österreich bzw. Deutschland. Innerhalb weniger Stunden fuhren wir so die Strecke zurück, die wir eine Woche lang zu Fuß gelaufen sind:

Ausgangshöhe: 960 Meter
Zielhöhe: 1.209 Meter
Höchster Punkt: 2.646 Meter
Tiefster Punkt: 948 Meter
Höhenunterschied: 8.085 Hm auf, 8.580 Hm ab (Seilbahn nicht beachtet)
Strecke: 106 Km

So weit bin ich vorher definitiv nie am Stück gelaufen. Es war auf jeden Fall anstrengend, aber auch ein tolles Erlebnis. Unsere Gruppe hat gut funktioniert, was sicher nicht selbstverständlich ist. Wir hatten sehr viel Glück mit dem Wetter und (da wir schon im April unsere Unterkünfte gebucht hatten) meistens den Luxus, im Zimmer statt im Lager zu übernachten.

Das Beste an der ganzen Sache (außer der vielen vielen Bergzeit) war aber definitiv die Tatsache, dass man auf so einer Tour sehr viel essen kann. Ich habe sicher doppelt so viel gefuttert wie sonst an einem Tag, denn mein Körper hat jeden Bissen davon gebraucht. Da ich sehr gerne esse, war das prima. Unterm Strich würde ich es also auf jeden Fall wieder tun.

Hier geht es zu den anderen Etappen der Tour.

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Von Innsbruck nach Bozen: Tag 1 (Grinzens bis Adolf-Pichler-Hütte)

11 Okt

Im August bin ich mit drei sehr netten Menschen von Innsbruck nach Bozen gewandert (wir nennen es immer „Die Alpenüberquerung“, aber streng genommen fehlen da natürlich noch ein paar Berge in beide Richtungen; orierntiert haben wir uns an dieser Route). Das war anstrengend, aber auch sehr schön und voller Eindrücke. Ein bisschen schwierig, das alles in einem Blog-Post festzuhalten, daher wird es zu jedem Tag einen Post geben. Zum Glück waren wir fleißig und haben abends immer ein paar Notizen gemacht. Auch die Mitwanderer werden hier zu Wort kommen: Mit Guido und Ben bin ich zur Schule gegangen; Undine ist seit Mai mit Ben verheiratet und die beiden leben in Innsbruck.

Von Grinzens zur Adolf-Pichler-Hütte | raupenblau

Aufstieg Richtung Kemater Alm

Guido und ich waren am Abend vor Start der Wanderung mit dem Fernbus (bzw. mit zwei Fernbussen, denn schon am ZOB in München mussten wir uns wieder trennen) nach Innsbruck gereist. Am 12. August ging es dann los: Mit dem Bus fuhren wir nach Grinzens, von wo unsere Wanderung startete. Der erste Tag war relativ überschaubar: Wir wanderten bis zur Adolf-Pichler-Hütte. Spontan entschieden wir uns ab der Kemater Alm für einen etwas längeren Weg über das Senderstal.

Ausgangshöhe: 960 Meter
Zielhöhe: 1.977 Meter
Höhenunterschied: 1.136 Hm auf, 114 Hm ab
Strecke: 11,9 Km

Von Grinzens zur Adolf-Pichler-Hütte | raupenblau

Senderstal

Das Wetter war an diesem Tag noch nicht so ganz auf unserer Seite, es war nieselig und wolkig und vor allem kalt (gefühlt 5°C). Anfangs  ging es noch über Asphalt und dann auf einen Forstweg. Der Umweg über das Senderstal lohnte sich: Hier hatte man das erste Mal „richtig“ das Gefühl, in den Bergen zu sein und bekam Lust auf die bevorstehende Tour. Gleichzeitig hatte ich ziemlichen Respekt: Ich war noch nie so lange am Stück gewandert, einige Etappen hatten es von Strecke und Steigung her ganz schön in sich und meine rund neun Kilo Gepäck fühlten sich am ersten Tag sehr schwer an.

Von Grinzens zur Adolf-Pichler-Hütte | raupenblau

Adolf-Pichler-Hütte unter Wolken

Gegen 14.30 Uhr kamen wir an der Adolf-Pichler-Hütte an. Die Hütte ist rustikal und klein und war voller Holländer, die beiden Hüttenwirtinnen Karin und Andrea hatten den Laden aber voll im Griff. Man kann nur Menü essen und so wurden wir für den nächsten Tag gemästet: Es gab Linsensuppe mit Pfifferlingen und Speck, dann Schweinsbraten oder alternativ Penne mit Gemüse, ein Salatbüfett und Rahmtopfen mit Vanille, Zitrone und Beeren. Wir hatten ohnehin vorgehabt, uns vor allem auszuruhen, nach dem Essen war auch nichts anderes mehr möglich.

Recht spontan startete ich an diesem Abend eine kleine Tradition: Jeden Abend machten wir zusammen etwas Yoga, zum Teil auf ziemlich engem Raum. Genächtigt haben wir im Sunntiger Zimmer (5).

Und das sagen die Mitwanderer:

Guido: „Gefühlt riesige Kuh-Weide.“

Undine: „Guido will schaukeln.“

Ben: „Willkommen im Heiligen Land Tirol.“

Folgende Tiere haben wir an diesem ersten Tag gesehen: Eichhörnchen, Schaf, Ziege, Kuh, Murmeltier (ausgestopft).

Der erste Tag war gut zu schaffen, im Nachhinein wären wir wohl schon weiter gegangen bis zur Starkenburger Hütte (dann ohne den Umweg ins Senderstal).

Japan

15 Jul

Mein aktueller Job hat den schönen Nebeneffekt, dass ich ab und zu an Orte verreisen darf, an die ich sonst sicher nie gereist wäre. In diesem Fall Fukuoka in Japan, wo ich Anfang Juli an der Jahreskonferenz der ICA teilnahm. Japan | raupenblauEs ist gleichzeitig ein großes Privileg und völlig irre, für eine Woche nach Japan zu fliegen. Ich möchte auch nicht behaupten, irgendetwas von diesem Land kapiert zu haben. Aber ein paar kleine Eindrücke und Schnipsel möchte ich hier doch gerne festhalten. Japan | raupenblauKois im Yūsentei Park, einem sehr schönen japanischen Garten in Fukuoka, wo wir einer Teezeremonie beiwohnten und versuchten, Origami zu falten:20160715_japan_7_raupenblauEssen an den Straßenständen am Fluss Naka:20160715_japan_4_raupenblauDie konferenzgeplagten Füße kurz in das (vermutlich radioaktive) Meerwasser halten:Japan | raupenblauDrei Stunden im Bus, um im Berg-Örtchen Kurokawa den Tag in heißen Quellen (Onsen) zu verbringen (besonders schön bei Regen): 20160715_japan_6_raupenblauBesonders gefallen haben mir die vielen wunderschönen Blumen-Läden, die es immer und überall zu geben scheint:Japan | raupenblauAuf dem Rückweg machten wir einen Zwischenstopp in Tokio. Davor hatte ich Respekt, aber letztendlich ist es zwar voll und etwas verrückt, aber machbar.20160715_japan_9_raupenblauPositiv hervorzuheben ist auf jeden Fall, dass man überall nützliche Alltagsgegenstände kaufen kann:Japan | raupenblauBesonders schön in Tokyo: der Meiji-Schrein.Japan | raupenblau20160715_japan_1_raupenblau

Insgesamt hat der Trip mehr Fragen aufgeworfen als Erkenntnis gebracht, aber das finde ich gar nicht so schlecht. Außerdem habe ich das beste Sushi meines Lebens gegessen, ich schmecke es quasi noch heute.

Nachtwanderung am Zwiesel

18 Mai

Ich bin hoffnungslos hinterher mit der Dokumentation des Wanderjahres 2016, was schade ist, denn es gab schon ein paar ganz lustige Touren bisher. Um wieder ein bisschen in den Flow zu kommen, fange ich einfach mit letzter Woche an, in der wir ein neues Format ausprobiert haben: Feierabendwanderung mit Stirnlampen. Um fünf Uhr düsten wir los Richtung Waldherralm und machten uns von dort auf den Weg Richtung Zwiesel-Gipfel. Für den Aufstieg wählten wir den Weg über die Seibolds- und Schnaiter-Alm. Da es noch hell war, stellte der etwas anspruchsvollere Weg kein Problem dar. Nachtwanderung am Zwiesel | raupenblau

Nach einer Weile im Wald (inklusive Brotzeit am Steinbach) wurden wir mit viel Aussicht im Abendlicht belohnt. Spätestens an der Schnaiter-Alm wurde dann fotografiert wie wild.Nachtwanderung am Zwiesel | raupenblau

Der Sonnenuntergang war für halb neun berechnet, um kurz nach acht standen wir am Gipfel.Sehr viel Sonnenuntergang kann man von hier wegen der Bäume nicht sehen, aber die Berge im Osten spiegelten die Abendsonne für uns wider.Nachtwanderung am Zwiesel | raupenblau

Und zum ersten Mal seit gefühlten Ewigkeiten waren wir ganz allein am Gipfel. Als es dann dunkelte, machten wir uns an den Abstieg, diesmal über Gassenhofer- und Moar-Alm, da der Weg hier sehr unproblematisch ist. Im Wald wurden die Stirnlampen angeschaltet.Nachtwanderung am Zwiesel | raupenblau

Glücklicherweise (meiner Meinung nach) trafen wir bis auf ein paar Kröten auf keinerlei tierische Bewohner des Waldes – Wanderkamerad Felix hätte sehr gerne ein Wildschwein gesehen. Ansonsten kamen wir auf dem Abstieg gut zurecht, der Gruselfaktor hielt sich größtenteils in Grenzen. Auf den letzten Metern zurück zum Auto wurden wir mit klarem Sternenhimmel und sogar einer Sternschnuppe belohnt.

Paddeln auf der Altmühl – von Treuchtlingen nach Eichstätt

12 Aug

Bastian und ich wollten ein Abenteuer erleben, aber nicht wandern. Als logische Alternative erschien uns Paddeln auf der Altmühl. Ich wollte ein Kayak, wurde dafür aber gerügt: wenn man die Eskimo-Rolle nicht beherrscht, fährt man nicht Kayak. Nun ja, ich beherrsche eigentlich gar keine Rolle (außer vllt. Erdbeer-Biscuit), also wurde es ein Kanu, das wir bei YEZZT ausliehen.
Kanu-Tour Altmühltal | raupenblauFreitagmorgen trafen wir in Treuchtlingen ein. Es war heiß. Tom, der Outdoor-Instructor, erklärte uns, wie man ein Kanu benutzt. Oder nein, das stimmt eigentlich gar nicht. Er erklärte hauptsächlich, worüber sich Leute bei ihm schon per Mail beschwert hatten und wie doof sich Kanu-Anfänger im Allgemeinen anstellen. Außerdem demonstrierte er eine Paddel-Technik, die mir später fast meine Finger kostete und erläuterte, wie man das Kanu aus dem Wasser zieht. Bastian und ich hörten aufmerksam zu und hatten am Ende doch recht unterschiedliche Vorstellungen davon, wie man das macht. In der Umsetzung klappte dann aber glücklicherweise alles ganz prima. Nachdem ich das Auto am Bahnhof geparkt und zurückgelaufen war, ließen wir unser Bötchen ins kühle Nass und paddelten los. Ganz ohne Tom, und auch ganz ohne Probleme.

Tag 1: Treuchtlingen bis Solnhofen

Nun hatten wir uns das ungefähr so vorgestellt: Drei Tage flussabwärts treiben, im Schatten großer Bäume, ab und zu mal ein bisschen lenken und gekonnt durch Stromschnellen navigieren. Vielleicht hätten wir vorab mal das Internet konsultieren sollen, denn auf Wikipedia steht folgender Satz: „[Die Altmühl] ist der gefälleärmste Fluss in Bayern, fließt sehr langsam und gehört sogar zu den langsamsten deutschen Flüssen.“ Mich würde interessieren, wie ein noch langsamerer Fluss als die Altmühl aussieht. Ein langer See? Der Wasserstand war niedrig, die Strömung nicht existent und Schatten gab es wenig. Wir paddelten. Und paddelten. Nach einer halben Stunde taten mir die Arme weh und wir waren beide schweißgebadet. Ab und zu gab es noch Gegenwind, so dass das Boot rückwärts (!) schwamm, wenn wir nicht paddelten.

Kanu-Tour Altmühltal | raupenblau

(c) Bastian Gierull

Am ersten Wehr zogen wir das Boot aus dem Wasser und machten erstmal Pause. Glücklicherweise hatte ich tonnenweise Essen eingepackt. Danach fanden sich unsere Körper langsam mit ihrem Schicksal ab, ein kleines Bad im Fluss verschaffte Abkühlung. Gegen vier Uhr kamen wir an der Aktivmühle an, die wenig malerisch an einer Bahnstrecke liegt. Immerhin ergatterten wir ein Schattenplätzchen und machten fortan noch drei Dinge: Schlafen, Schwimmen, Essen. So kann man einen Abend erstaunlich gut zubringen. Da es so warm war, konnten wir die Außenhaut des Zeltes weglassen und mit Blick auf die Sterne und dem Rauschen des Flusses (und der Züge) im Ohr einschlafen.

Tag 2: Solnhofen bis Breitenfurt

Für den nächsten Morgen hatte ich Pancakes als Frühstück eingeplant, aber leider die Milch vergessen. Zum Glück gibt es einen kleinen Laden an der Aktivmühle und nach einigen Fehlversuchen hatten wir tatsächlich kleine, wenn auch außergewöhnlich geformte Pfannkuchen.Kanu-Tour Altmühltal | raupenblau

Der zweite Tag auf dem Fluss war abwechlungsreicher: Es gab zwei potentiell tödliche Bootsrutschen, die wir ohne größere Probleme bewältigten. Da ich vorne saß, bekam ich jedes Mal einen schönen Schwall Flusswasser ab, aber es war ja eh brütend heiß. Da wir vom Campingplatz in Breitenfurt eine eher verwirrende E-Mail erhalten hatten, gaben wir etwas Gas, um auf jeden Fall noch einen Platz zu ergattern und waren auch um drei Uhr vor Ort.Kanu-Tour Altmühltal | raupenblau

Der Campingplatz Hell ist ein Erlebnis für sich. Ich habe mich nicht getraut, Fotos zu machen und für Bastian war es ästhetisch wohl einfach nicht zumutbar. Sagen wir es so: Es gibt viel Deko und viele Tiere und viele Gartenhäuschen. Und natürlich keinen Schatten. Daher siedelten wir ins das Freibad des Ortes um, das eine große Liegewiese und ein nettes, gepflegtes Schwimmbecken hat. Außerdem ein tolles Kiosk, an dem man Eis, Bier und Brausestangen erwerben kann. Wir blieben da ziemlich lang.Kanu-Tour Altmühltal | raupenblau

Breitenfurt an sich ist ein eher tristes Erlebnis, auch  wenn wir auf dem Friedhof zahlreiche sehr schöne Grabsteine entdeckten. Nach einer kleinen Panikattacke meinerseits fanden wir einen Gasthof, in dem wir einfach alles mögliche aßen. Danach ging es zurück in den Camping-Zoo und auf unsere inzwischen sehr lieb gewonnene Picknickdecke. Aus Mangel an Unterhaltungsmöglichkeiten lasen wir und gingen zeitig ins Bett.

Tag 3: Breitenfurt nach Eichstätt

Nach dem Pancake-Desaster vom Vortag hatten wir uns Frühstück im Freibad vorbestellt, das wir inmitten eines Wespen-Schwarms zu uns nahmen. Das eigentliche Drama spielte sich aber an den Tischen rund um uns ab: die Kaffee-Maschine war kaputt und diverse Besucher hatten akute Entzugserscheinungen. Einige der Gäste kannten wir, sie verfolgten uns bereits seit Tag 1. Ich hatte sie mehr oder weniger lieb. Inzwischen geübt im Packen, lösten wir unser Camp auf, gruben unser Boot unter anderen Booten aus und nahmen die letzte Etappe in Angriff.Kanu-Tour Altmühltal | raupenblau

Landschaftlich fand ich das Stück bis Eichstätt vielleicht sogar am Schönsten. Inzwischen waren wir auch schon gut im Flow und kamen recht zügig voran. Etwas getrübt wurde das Erlebnis für mich durch die Sichtung eines toten Aals. Ab da machte das Baden nicht mehr so recht Spaß. Bald hatten wir unser Ziel aber schon vor Augen: die Willibaldsburg tauchte in der Ferne auf, Eichstätt war nah. So sehr ich auch die Hitze und die nicht vorhandene Strömung verflucht hatte, jetzt kam doch schon etwas Traurigkeit auf: nur noch wenige Kilometer auf dem Fluss und der Alltag würde uns wiederhaben.Kanu-Tour Altmühltal | raupenblau

Von Tom wussten wir: Die meisten Menschen sind zu doof, den korrekten Ausstieg zu finden. Ich würde ganz dreist behaupten: Es liegt nicht an den Leuten, sondern an der beknackten Beschreibung. Der Ausstieg hat einen Namen, der gut lesbar auf einem Schild steht; es wäre vielleicht hilfreich gewesen, diesen auch zu erwähnen. Jedenfalls hievten wir ein letztes Mal unseren treuen Kahn aus dem Wasser, schleppten ihn über eine Brücke, stießen ihn eine Böschung hinunter und ließen ihn auf einer Wiese zurück. So viel Bindung war dann doch nicht entstanden.

Während ich mich mit dem Zug auf den Weg nach Treuchtlingen machte (36 Minuten Fahrt inklusive Umsteigen), verbrachte Bastian noch ein bisschen Zeit auf der Decke. Es war irgendwie seltsam, die letzten drei Tage innerhalb einer halben Stunde an sich vorbeiziehen zu sehen. Aber auch ganz schön befriedigend. Die Rückfahrt rundete das Erlebnis ab: Meine Klimaanlage ist kaputt, draußen hatte es 37 Grad und ein heißer Wüstenwind wehte durch die offenen Fenster, während wir uns auf der Autobahn schreiend verständigten. Wir betäubten den Schmerz mit Fast Food. Insgesamt würde ich es jederzeit wieder machen. Aber vielleicht auf einem etwas lebhafteren Fluss.

Solsteinhaus und ein Erlspitze-Versuch

2 Jun

Letzte Woche, die Kollegen waren grade von einer Tagung in der Karibik zurück gekehrt und hatten freundlicherweise auch die Sonne wieder mitgebracht, saßen wir so im Büro. Und fanden, man könne ja mal demnächst einen Klettersteig machen. Und mal wieder auf einer Hütte übernachten. Und warum eigentlich nicht beides gleich nächstes Wochenende? Es folgten eine leicht chaotische Recherche-Phase und diverse verzweifelte Versuche, mit Hütten Kontakt aufzunehmen. Samstag Mittag saßen wir dann aber im Auto mit Zielrichtung Hochzirl.Solsteinhaus | raupenblau

Wir passierten Garmisch, das von unglaublichen Mengen Polizisten bevölkert wird (G7) und überquerten die provisorisch errichtete und hervorragend bewachte Staatsgrenze und kurz danach die echte, nicht weiter bewachte Staatsgrenze. Am Landeskrankenhaus Hochzirl (994 m), das seltsam weit oben am Berg liegt, ließen wir das Auto zurück und machten uns auf den Weg Richtung SolsteinhausSolsteinhaus | raupenblau

Zunächst geht man eine Weile einen wenig spektakulären Forstweg entlang, kommt dann aber recht bald auf einen angenehmen Wanderweg. An der Solnalm (1643 m) gab es niedliche Lämmer und Schafe zu begutachten, die sich wenig beeindruckt von unserer Anwesenheit zeigten:Solsteinhaus | raupenblau

Nach der Alm steigt man leicht ab und überquert einen kleinen Fluß. Das Gelände wird schon toll felsig und Berggefühl kommt auf – hier ist ungefähr die Mitte der Tour bis zur Hütte und ein prima Platz für Bergeier, Bergkäse und anderes Bergessen. Solsteinhaus | raupenblau

Nach insgesamt drei Stunden inklusive ausführlicher Pause kamen wir am Solsteinhaus (1905 m) an:Solsteinhaus | raupenblau

Wir wurden sehr freundlich empfangen und konnten direkt unser gemütliches Zimmer mit fantastischem Bergblick beziehen:Solsteinhaus | raupenblau

Überhaupt waren wir von der Hütte sehr begeistert. Die Wirte und die Mitarbeiter waren nett und hilfsbereit, alles war sauber und gut organisiert und das Essen ein Traum. Draußen war es doch noch recht kühl, und wir verbrachten den Abend am Kachelofen. Natürlich hielten wir die Hüttenruhe brav ein, im Gegensatz zu einer Gruppe amerikanischer Wanderer, die mitten in der Nacht sehr laut amerikanische Dinge sagten. Irgendwann schliefen sie zum Glück ein und ich konnte von einem Zwergerlaufstand auf dem Gang absehen.Solsteinhaus | raupenblau

Am nächsten Morgen sah es nebelig aus, aber während des Frühstücks zeigte sich schon, dass die Wolken aufreißen würden. Leider stellte sich heraus, dass unser geplanter Klettersteig auf die Erlspitze noch unter Schnee begraben lag. Wir entschieden uns also für den Normalweg, der relativ direkt und dementsprechend steil auf den Gipfel führt. Auch hier sahen wir recht schnell, dass noch einiges an Schnee in den Rinnen liegt:Solsteinhaus | raupenblau

Der Aufstieg ist ein ganzes Stück seilversichert mit Kletterstellen, die aber gut machbar sind. Die Landschaft ist außerordentlich schön, mit tollen Felsen:Solsteinhaus | raupenblau

Nach einiger Zeit hörten wir Steine durch eine Steilwand fallen und entdeckten nach und nach einige Gämsen, die bereitwillig für Fotos posierten (im Gegensatz zu diesem Tier im Jahr 2012):

Solsteinhaus | raupenblau

(c) Felix Frey

Leider mussten wir auch diesen Weg nach der Seilversicherung abbrechen. Als nächstes wären einige Kehren gekommen, die unter Altschnee lagen. Auf dem Schnee konnte man nicht gehen und das Gelände daneben war sehr steil und durch den Regen in der Nacht rutschig. Da wir uns im Absturzgelände befanden, entschieden wir, das Risiko nicht einzugehen (vor allem der Abstieg wäre sehr unangenehm geworden) und den Versuch 200 Höhenmeter unter dem Gipfel abzubrechen. Genau wie letztes Jahr haben wir nun also einen Berg, den wir später im Jahr noch einmal angehen ‚müssen‘.Solsteinhaus | raupenblau

Zurück am Solsteinhaus waren wir irgendwie doch schon wieder hungrig. Ein leckeres Süppchen wurde verzehrt, gefolgt von einem Kaiser- und einem Blaubeerschmarrn. Die Gruppe kam übereinstimmend zu einer Kaiser-Wertung von vier Rosinen, da der Kaiser etwas fettig war und ein klein bisschen mehr Mehl vertragen könnte. Allerdings war er super karamellisiert, enthielt eingelegte Rosinen und ausreichend Puderzucker. Der Blaubeerschmarrn war auch super, wird aber aufgrund mangelnder Vergleichbarkeit hier nicht bewertet. Solsteinhaus | raupenblau

Nach einigem Überlegen entschieden wir uns, nicht den Umweg über die Neue Magdeburger Hütte zu gehen, sondern dem Aufstiegsweg zurück zum Auto zu folgen. Das war auch eine gute Idee, denn wir waren doch alle recht müde und Regen zog auf. Unterwegs fanden wir noch einen Latschenkiefer-Setzling, den wir nach dem Hütten-Nachwuchs Luis tauften und begegneten einer freundlichen Bergraupe (die der Heideraupe auf Rømø verdächtig ähnlich sieht):Solsteinhaus | raupenblau

Heute, zwei Tage später, plagt mich immer noch ein ziemlicher Muskelkater. Ich tröste mich damit, dass wir eine tolle Hütte in einem spannenden Gebiet entdeckt haben und jetzt ein neues Stückchen Karwendel kennen – Rückkehr-Potential!

Rømø

18 Mai

So ganz jung bin ich ja nun nicht mehr, war aber trotzdem noch nie in Dänemark und auch nirgendwo anders an der Nordsee. Dieser unhaltbare Zustand hat sich nun zum Glück geändert. Die letzten Tage war ich mit vier Freundinnen auf Rømø.Rømø | raupenblau

Mittwochabend reiste ich nach Hamburg und schnupperte ein bisschen Hafenluft an den Landungsbrücken, bevor ich bei Juli und Alex einen müden Abend verbrachte.Hamburg Landungsbrücken | raupenblau

Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Auto nach Havenby auf Rømø, wo wir unser Ferienhaus bezogen. Die Siedlung aus schwarzen Häusern erinnerte etwas an den Todesstern, aber im Inneren war das Haus schön hell und skandinavisch schlicht eingerichtet. Wir unternahmen einen ersten Spaziergang zum Strand, durch die Dünen…Rømø | raupenblau

… vorbei an Dünenraupen…Rømø Raupe | raupenblau

zum Watt.Rømø | raupenblau

Der zweite Tag auf der Insel stand ganz im Zeichen des Sightseeings. Das ist auf Rømø recht schnell erledigt. Wir besuchten den Sønderstrand, auf dem grade ein seltsames Renn-Ding stattfand. Es gab diverse Kite-Surfer, Drachen und nackte Männer, die aus einer mobilen Sauna ins Meer hüpften. Und Autos. Viele Autos. Ich verstehe nicht, warum man Autos auf Stränden erlauben muss? Ich bin kein Fan. Autos gehören auf Straßen und Parkplätze.Rømø | raupenblau

Mit ein bisschen Laufen kam man dann aber doch auch zu schönen Fleckchen.Rømø | raupenblau

Außerdem auf dem Programm stand der Kommandørgården, das alte Haus eines erfolgreichen Wal-Jägers aus dem 18. Jahrhundert.Rømø | raupenblau

Das Haus hat mich sehr fasziniert, auch weil in einem Raum (mit einem Wal-Skelett!) Tafeln über das Leben auf Rømø im 18. und 19. Jahrhundert berichteten. Sehr interessant, ich werde versuchen, dazu noch Literatur zu finden.Rømø | raupenblau

Die Einrichtung zeugte vom Wohlstand des Hausbesitzers, aber auch von seinen Reisen. Dazu der Blick über die karge Insellandschaft. Im Anschluss gab es Smørrebrød mit Hering und Curry-Salt. Wir fühlten uns dänisch.

Tag drei war dann sicher der aufregendste, wir gingen nämlich reiten. Hier mein Pony:Rømø | raupenblau

Seine Identität ist ungewiss, denn der (eigentlich sorgfältig ausgewählte) Hof stellte sich als touristischer Massenbetrieb heraus, auf dem leider nur eine Frau alle Pferde kannte und die war nicht da. Sie tauchte erst kurz vor Start des Ausritts wieder auf und holte unsere Nicht-Reiterin Jasmin gerade noch rechtzeitig von einem jungen wilden Pony herunter. Mein Pony sollte eigentlich übergewichtig sein, brauchte dann aber doch einen recht engen Sattelgurt. Es verhielt sich auch nicht unbedingt ruhig und bedacht, sondern eher ungeduldig und zickig. Glücklicherweise haben sich die teuren Reitstunden in meiner Kindheit nun doch noch endlich ausgezahlt: ich blieb im Sattel. Spaß gemacht hat es trotzdem und ich bin zuversichtlich, den Pony-Duft irgendwann wieder aus meinen Jeans zu kriegen.

Abends waren wir dann doch auch etwas müde. Es reichte aber noch zu einer kleinen Schäfchen-Runde:Rømø | raupenblau

Der Deich hinter unserem Haus war bevölkert von Massen an niedlichen Lämmchen. Es war fast schon ein bisschen viel der Niedlichkeit:Rømø | raupenblau

Kurz vor unserer Abreise am Sonntag machten wir dann noch eine einstündige kleine Wanderung in der Heide. Seit meiner Heidschnucken-Tour im letzten Sommer (hierzu fehlt immer noch ein Bericht, Asche auf mein Haupt) bin ich Heide-Fan und wollte unbedingt noch einen kleinen Spaziergang in dieser interessanten Landschaft machen. Dabei stieß ich auf eine mir bisher unbekannte Spezies: die Heide-Raupe.Rømø Raupe | raupenblau

Wir bestiegen den Høstbjerg, mit 19 Metern der höchste Punkt Rømøs. Da sonst alles sehr flach ist, hatte man einen tollen Ausblick. Und dann hieß es auch schon Abschied nehmen und zurück fahren nach Hamburg.Rømø | raupenblau

Die Tage waren kurz, aber sehr entspannt. Ich glaube, ich finde Dänemark ganz gut und die Nordsee auch. Etwas wärmer hätte es vielleicht sein können, aber es gibt ja auch Sommermonate. Und leider hatten wir keine Zeit mehr, ein Rad auszuleihen. Das hätte mir noch sehr gut gefallen. Entschädigt wurde ich mit einer Mini-Radtour in Hamburg, nach leckerer vietnamesischer Pho. Air Berlin transportierte mich dann sicher wieder zurück nach München. Hier sitze ich nun in der Wärme und bin doch ein ganz kleines bisschen wehmütig: War schon schön im Norden.