Die Judenbuche. (Annette von Droste-Hülshoff)

26 Mrz

Weiter geht es mit der Lese-Herausforderung. Thema im Februar war Ungeliebte Schullektüre und dieses Thema habe mit Die Judenbuche von Annette von Droste-Hülshoff nachgeholt. Erledigt ist das schnell, das Heftchen, das seit nun fast 20 Jahren in meinem Bücherregal steht, hat nur 44 Seiten.

Die Judenbuche | raupenblau

Erst einmal ging es dem armen Werk an den Kragen: Ich wollte es mit in die U-Bahn nehmen und es hatte einen unangenehmen Zusammenstoß mit Kaffee. Glücklicherweise fiel das auf den ohnehin schon recht vergilbten Seiten nicht so sehr auf.

Nun aber zum wichtigen Teil, zum Inhalt: Ich hatte vage in Erinnerung, dass eine Buche in einem Wald vorkommt (große Überraschung, bei dem Titel), an der sich jemand erhängt. So weit, so korrekt. Der Rest der Geschichte war mir völlig neu. Überraschenderweise spielt die titelgebende Buche eine recht untergeordnete Rolle in der Geschichte, sie taucht erst gegen Ende der Geschichte auf. Insgesamt ist die Erzählung etwas ungewöhnlich zu lesen, denn sie hat keine wirkliche Spannungskurve, es plätschert eher so dahin. Wikipedia spricht von einer Milieustudie, und das trifft es wohl auch am ehesten. Hauptfigur ist Friedrich Mergel, der in armen Verhältnissen aufwächst, später als junger Mann recht selbstbewusst durchs Leben geht, sich dabei aber verschuldet und des Mordes am Juden Aaron (dem er Geld schuldet) bezichtigt wird. Ob er tatsächlich schuldig ist, bleibt offen, doch fast 30 Jahre später erhängt er sich an einer Buche, die die jüdische Gemeinde in Aarons Gedenken erworben hat.

Erschienen ist die Novelle 1842, die Handlung spielt rund 70 Jahre früher, also noch vor der Französischen Revolution. Annette von Droste-Hülshoff macht gleich zu Beginn der Erzählung deutlich, dass es sich beim Schauplatz (dem Dorf B.) um ein recht hinterwäldlerisches Fleckchen Erde handelt, in dem es keine eigentliche Rechtsprechung gibt. Der Gutsherr wird jedoch als gerechter Mensch beschrieben. Aus heutiger Sicht interessant (und traurig) fand ich, dass (schon?) damals ein deutliches Misstrauen und Feindschaft gegenüber der jüdischen Bevölkerung zu herrschen schien. Um diese Themen, und um Moral und Gewissen, dreht sich die Geschichte immer wieder. So recht zu einem Ergebnis kommt sie nicht, das fand ich aber gerade spannend. Die sehr neutrale Beschreibung der sozialen Gegebenheiten irritiert ein wenig, das war interessant.

Fazit: Längst nicht so grausig, wie ich es in Erinnerung hatte. Eigentlich habe ich die Geschichte sogar gerne gelesen, man muss sich allerdings an den etwas mäandernden Erzählstil gewöhnen. Mich würde noch interessieren, warum hier gerade eine Buche als Symbol-Baum gewählt wurde (Bäume der Rechtssprechung sind traditionell eher Linden). Da werde ich noch nachforschen.

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