Rinnenspitze (3003m) und diverse Klettersteige (Bonus: 5-Rosinen-Kaiser!)

14 Aug

Letzten Freitag und Samstag hatte ich etwas Abenteuer. Gemeinsam mit meinem Kollegen Benjamin (der auch die Fotos gemacht hat) war ich auf Klettersteig-Kurs im Stubaital. Der Kurs wurde von meiner DAV-Sektion angeboten und war, wie alle TAK-Kurse bisher, wirklich super. Am Theorieabend konnte ich leider nicht teilnehmen (weil in Leeds) und war umso gespannter, die Gruppe kennen zu lernen. Wie immer war das eine bunte Mischung aus mehr oder weniger bergerfahrenen Menschen: vom ausrüstungsaffinen Norddeutschen, der in den Bergen alles möglichst schnell machen möchte und grundsätzlich nur Testsieger am Körper trägt, bis hin zur erfahrenen und gelassenen Alpinistin, die auch mal einen Klettersteig ausprobieren möchte, war alles dabei.

Franz-Senn-Hütte | raupenblau

Aufstieg zur Franz-Senn-Hütte | (c) Benjamin Krämer

Los ging es am Freitag um sechs Uhr früh – ich war ehrlich gesagt ziemlich aufgeregt gewesen und hatte die halbe Nacht nicht geschlafen. Deswegen war ich müde und dadurch noch aufgeregter. Der Aufstieg vom Wanderparkplatz zu unserem Stützpunkt, der Franz-Senn-Hütte, war dann aber unaufregend kurz und sehr schön am Bach entlang. Als wir auf der Hütte ankamen, war ich in bester Bergstimmung.

Wildbach Stubaital | raupenblau

Wildwasser beim Aufstieg | (c) BK

Nach einer kurzen Brotzeit machten wir uns mit reduziertem Gepäck auf in Richtung Bergerlebniswelt Franz-Senn-Hütte. Hier kann man einige kürzere Klettersteige hochklettern und sich mit dem Material vertraut machen. Da ich am Abend vorher hatte feststellen müssen, dass mein geliebter Klettergurt seit seinem Kauf ca. 2001 deutlich geschrumpft ist (hüstel), hatte ich nur neues oder geliehenes Material, von dem ich nicht wusste, ob es sich um Testsieger handelt. Ich war trotzdem guten Mutes. Das änderte sich fast, als wir den ersten Steig (den Sommerwand-Klettersteig) angingen – der hatte Stellen mit Schwierigkeitsgrad C (Übersicht Schwierigkeitsgrade) und ich dachte mir so: „Hoppla, das macht man ernsthaft?“ Früher bin ich aktiv geklettert, ich kam die Felsen dementsprechend schon hoch, war aber ziemlich irritiert davon, wie häufig man das Drahtseil zu Hilfe nimmt und wie anspruchsvoll und ausgesetzt die Stellen doch sind. Immerhin ist man ja nicht wirklich gesichert. Das Klettersteigset soll im Notfall verhindern, dass man 100 Meter in die Tiefe stürzt und ganz sicher tot ist, mehr aber auch nicht.

Höllenrachen-Klettersteig | raupenblau

Einstieg zum Höllenrachen | (c) BK

Der erste „Äh, ernsthaft?!“-Moment war aber schnell überwunden, zumindest auf meiner Seite. Eine Teilnehmerin setzte nicht einmal einen Fuß an den Fels, obwohl ihr Freund sie ganz nett motivierte: „Komm Schatz, probier das doch mal, dann können wir das gemeinsam erleben!“ Sie entschied sich dann aber (konsequenter- und verständlicherweise) doch gegen den (potentiellen) gemeinsamen Sturz in den Tod und feierte ihr Debüt am zweiten Teil des Steiges, einem kleinen Felsen mit diversen Metall-Tritten. Großen Spaß schien sie aber nicht zu haben, sie verbrachte den Rest des Kurses in beobachtender Position. Als krönenden Abschluss des Tages begaben wir uns in den Höllenrachen. Das war ziemlich spaßig – man klettert unterirdisch am Gletscherbach entlang, wird etwas nass und schmutzig und fühlt sich stark abenteuerlich.

Franz-Senn-Hütte | raupenblau

Abendstimmung vor der Franz-Senn-Hütte | (c) BK

Abends auf der Hütte gab es noch Theorie und: einen fantastischen Kaiserschmarrn! Fünf von fünf Rosinen in der Kaiserwertung: fluffig, genau richtig süß, super leckere Rum-Rosinen. Etwas stärker karamellisieren könnte man ihn noch, aber die fünf Rosinen sind verdient. Im kuscheligen Zimmerlager fiel ich dann dementsprechend innerhalb von zwei Minuten ins Koma. Toller erster Tag.

Kaiserschmarrn | raupenblau

5-Rosinen-Kaiser | (c) BK

Für den zweiten Tag war dann eine etwas größere Unternehmung geplant: wir wollten die Rinnenspitze besteigen und dabei zwei Klettersteige begehen: ganz zu Beginn der Tour den Edelweiß-Klettersteig und dann unmittelbar vor dem Gipfel noch einen weiteren Steig. Benjamin kletterte beim Edelweiß-Klettersteig voran und war nach wenigen Sekunden außer Sicht. Da stand ich dann so, vor dem Fels und kletterte halt mal los. Da wir quasi grade den Frühstückstisch verlassen hatten, war ich überhaupt nicht warm und haute mir erstmal ordentlich das Knie an. Das tat ziemlich weh und ich war kurz etwas panisch. Aber nachdem ich den Schmerz runtergeschluckt und mich mit der Tatsache abgefunden hatte, dass wir jetzt 100 Meter senkrecht nach oben klettern, machte es ziemlich Spaß. Und ich bekam meine ersten echten in der freien Natur wachsenden Edelweiß zu Gesicht!

Edelweiß-Klettersteig | raupenblau

Edelweiß-Klettersteig | (c) BK

Ohne war der Steig aber nicht – erstens war er wesentlich länger als die Steige vom Vortag (natürlich aber immer noch sehr kurz im Vergleich zu dem, was die Alpen allgemein so zu bieten haben) und zweitens schwieriger (zum Teil C/D). Zwischendurch musste ich mal kurz mit unserem Bergführer verhandeln, ob ich zur Beruhigung des Nervenkostüms die Rast-Schlaufe mit ins Seil einhängen darf – ich durfte. Oben angekommen war ich dann aber doch ziemlich stolz und auch der Rest der Gruppe überlebte erleichtert.

Edelweiß-Klettersteig | raupenblau

Blick von oben auf den Edelweiß-Klettersteig | (c) BK

Danach ging es eine ganze Weile relativ flach am Hang entlang und dann (zum Teil über Felder mit großem Geröll) steil bis kurz unter die Rinnenspitze. Der Steig dort war ziemlich einfach und machte großen Spaß. Und dann standen wir oben auf dem Gipfel und hatten einen tollen Blick auf den Stubaier Gletscher – von meinem ersten 3.000er. Leider konnten wir den Triumph nur kurz genießen, denn es drohte zu regnen und wir mussten (für meinen Geschmack viel zu) schnell wieder zur Hütte absteigen. Dort gab es noch einmal Theorie und dann machten wir uns bei leichtem Geniesel an den Abstieg. Erschöpft, mit wehem Knie, aber ziemlich beeindruckt.

Rinnenspitze | raupenblau

Rinnenspitze | (c) BK

Mein Fazit mit dieser ganzen Klettersteig-Sache ist gemischt. Ich halte es für ziemlich gefährlich, die ‚Sicherung‘ überzeugt mich gar nicht. Die leichteren Steige sind aber toll – so etwas würde ich zur Not auch ohne Sicherung gehen, mit Klettersteig-Set auf jeden Fall. Ein bisschen kraxeln macht auf jeden Fall immer Spaß. Schwierigere Stellen würde ich nur dann gehen, wenn es für eine tolle Tour unerlässlich wäre. Bei einem richtig langen Steig mit mehreren C+ Stellen würde ich mich aber nicht wohl fühlen. Ich habe jetzt aber das gute Gefühl, dass ich so etwas sowohl von der körperlichen und mentalen Fitness wie auch von der Technik her kann – zukünftige Klettersteig-Abenteuer sind also auf jeden Fall nicht auszuschließen.

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2 Antworten to “Rinnenspitze (3003m) und diverse Klettersteige (Bonus: 5-Rosinen-Kaiser!)”

  1. dieStreunerin August 15, 2014 um 14:41 #

    super gemeistert. und ihr habt dann gleich C/D gemacht? das ging ja dann gleich richtig los :).

    • Clarissa August 16, 2014 um 10:17 #

      Oh ja, ich dachte mir zwischendurch schon auch immer mal wider: „Echt jetzt?!“ Aber letztendlich ist das ja eher so ein mentales Ding, hoch kommt man irgendwie immer 😉 hat auf jeden Fall riesig Spaß gemacht!

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