Kaisertour

10 Jun

Traditionell ist das erste Juni-Wochenende für mich ein Wander-Wochenende und diesmal war auch noch Pfingsten – daher habe ich schon vor Wochen für drei Freundinnen und mich Betten- und Lagerplätze am Kaisergebirge gebucht. Auf dem Plan standen die ersten drei Etappen der Kaisertour (hier als Flyer zum Download). Den vierten Tag wollten wir uns sparen und stattdessen am Abend des dritten Tages bequem mit dem Kaiserlift ins Tal schweben. Glücklicherweise fiel uns noch rechtzeitig auf, dass der Kaiserlift seit Jahren außer Betrieb ist (angeblich wird er ab Mai 2015 wieder fahren). So mussten wir die Tour etwas anpassen. Kaisertour | raupenblau

Wir starteten trotz Planänderung am Parkplatz des Kaiserliftes, wo einem eine rüstige Rentnerin (nach eigenen Angaben 93 Jahre alt) 2 Euro pro Parktag abknöpft. Dafür bewacht sie dann das Auto – ein fairer Deal. Wir nahmen den Stadtbus 1 ab Meraner Straße (fünf Minuten vom Parkplatz) bis zur Haltestelle Kaisertal. Das ist nicht der offizielle Startpunkt der Tour, dazu müsste man irgendeinen anderen Bus ab Kufstein Bahnhof nehmen (vielleicht, der Flyer des DAV bleibt hier vage; auf der Website des vvt habe ich die angegebene Haltestelle nicht finden können). Der Weg von Kaisertal aus ist wohl etwas komfortabler als der im Flyer beschriebene. Auf jeden Fall kommt man in gut drei Stunden vorbei an netten Kühen…Kaisertour | raupenblau

… und dann in der urigen Vorderkaiserfeldenhütte (1388 m) an. Die Hütte ist gut organisiert und man bekommt alles was man braucht, so lange man nicht versucht, aus dem festgelegten Rahmen auszubrechen. Wir fügten uns brav und waren rechtzeitig abgefüttert, um zum Sonnenuntergang auf die Naunspitze (1633 m) zu klettern. Hoch haben wir wohl eine gute halbe Stunde ohne Gepäck gebraucht und wurden mit einer wundervollen Aussicht belohnt:Kaisertour | raupenblauKaisertour | raupenblau

Bergab konnte ich dann endlich mal meine Stirnlampe in freier Natur einsetzen. Fazit: Sie leuchtet. Nach einem abendlichen Schnäppschen ging es ins Matratzenlager unters Dach. Kaisertour | raupenblau

Dank neuer Wunder-Ohrstöpsel konnte ich gut schlafen und war am nächsten Tag fit für Tag zwei. Zum Glück, denn die Sonne war gut drauf und es wurde mit jeder Stunde heißer. Wir starteten um kurz nach acht an der Hütte und waren gegen elf auf dem höchsten Punkt der Tour, der Pyramidenspitze (1997 m).Kaisertour | raupenblau

Danach folgt ein recht fieser Abschnitt: Man geht rund 500 Höhenmeter durch Latschen bergab. Das lieben weder Knie noch Füße, vor allem, wenn man acht oder neun Kilo Gepäck trägt. Außerdem war die Sonne spätestens jetzt in Höchstform. Nach dem gemeinen Latschenkiefer-Stück kommt man an der winzigen, aber existenten Kaiserquelle vorbei und kann Wasser auffüllen (ein Stein auf dem Weg markiert die Quelle, sie ist sonst wirklich leicht zu übersehen). Von jetzt ab geht man den gleichen Weg wie die kürzere Variante der Tour, es geht immer wieder bergauf und bergab, außerdem sind drei Schotterfelder zu queren. Hier trafen wir schon ab und zu auf recht erschöpfte Wandersleute, die den Charakter der Tour deutlich unterschätzt hatten. Glücklicherweise kann man nach circa zwei weiteren Stunden auf der Hochalm eine Schorle kaufen.Kaisertour | raupenblau

Achtung: Hier gibt es nur Getränke. Zwischendurch kommt man am zweiten Tag an keiner einzigen voll bewirtschafteten Hütte vorbei. Man braucht also Proviant. Nach der Hochalm wird es noch einmal etwas fies. Man muss einen Hügel hinauf, selbigen wieder hinunter und einen letzten, noch höheren und recht steilen Hang hinauf. Hier überholten wir einige erschöpfte Personen, die wehrlos in der Sonne herumlagen, aber keinen Traubenzucker annehmen wollten (die gute Nachricht: sie haben es alle zur Hütte geschafft). Oben angekommen kann man auf den Stripsenkopf (1807 m) steigen, das ließen wir bleiben. Über einen kleinen Pfad kommt man dann zum Stripsenjochhaus (1577 m, es gibt auch eine verwirrende Website). Insgesamt waren wir am zweiten Tag rund zehn Stunden unterwegs. Kaisertour | raupenblau

Für die zweite Nacht hatten wir uns Betten gegönnt, es gibt sogar kleine, funktional eingerichtete Zweier-Zimmer. Wir aßen einen Kaiser. Fazit: Nicht so toll, nur 2,5 von 5 Rosinen, da keine Rosinen, nicht fluffig genug und nicht karamellisiert. Pluspunkte: Viel Puderzucker, gutes Apfelmus. Auch hier gab es wieder einen Sonnenuntergang:Kaisertour | raupenblau

Am dritten Tag folgten wir, bei inzwischen gefühlt glühender Hitze, der Tour bis zum wunderschönen Anton-Karg-Haus im Hinterbärenbad. Es gibt Esel, Bienenschaukästen und Erdbeermilch:Kaisertour | raupenblau

Danach gingen wir noch knapp zwei Stunden auf relativ gleicher Höhe das Kaisertal entlang – unten rauscht in der Ferne der Kaiserbach. Da wir wieder beim Parkplatz landen wollten, bogen wir kurz vor Ende des Weges links ab zur Tischhofer Höhle (ausgeschildert, außerdem gibt es eine große Info-Tafel). Ein kleiner Pfad geht steil den Hang hinab zum Bach. Auf etwa halber Höhe geht es rechts Richtung Höhle, links zeigt ein Wegweiser zur Theaterhütte. Diesem Wegweise folgt man, bis man am Bach ankommt und diesen auf einer Brücke überquert.Kaisertour | raupenblau

Nun wird es etwas gemein, denn man muss auf Stufen den steilen Hang wieder hinauf. Von hier sind es noch ca. 40 Minuten bis zum Kaiserlift. Dort kann man Eis kaufen. Das ist dann sehr schön.

Alles in allem ist die Tour toll und sehr abwechslungsreich, aber nicht zu unterschätzen – eine gewisse Bergerfahrung sollte man mitbringen, gute Ausrüstung, genügend Wasser und Proviant sind ein Muss. Die Höhenmeter pro Tag sind zwar nicht so dramatisch, aber die Gehzeiten zum Teil trotzdem lang, eine gewisse Fitness ist also nötig. Außerdem würde ich auf jeden Fall noch eine gute Karte kaufen (DAV-Karte 8 Kaisergebirge), da der Flyer oft recht vage ist. Außerdem gelernt: Die Blasenpflaster vom dm taugen nichts. Lieber das Markenprodukt kaufen. Das hat aber bei solchen Temperaturen und Gehzeiten auch nicht so gute Chancen. Aber etwas Schwund ist ja immer.

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