Von Brauneck nach Benediktbeuern

17 Jul

Kühe vor der Benediktenwand | raupenblauAm Sonntag bin ich vom Brauneck bis nach Benediktbeuern gewandert. Ich habe kaum Bilder gemacht und auch kaum Pausen, ich wollte einfach mal diesen Weg gehen. Zum Brauneck hoch bin ich mit der Gondel gefahren, weil ich mir nicht sicher war, ob ich bei einer Gehzeit von mindestens sechs Stunden noch 800 Höhenmeter im Aufstieg extra schaffe. Rückblickend kann ich festhalten, dass der Aufstieg nicht das Problem ist, aber die 1.500 Höhenmeter Abstieg – autsch. Meine Füße mussten am Mariabrunn-Parkplatz bei Gschwendt erstmal in den Bach gehalten werden, bevor sie bereit für die letzten 20 Minuten zum Bahnhof Benediktbeuern waren. Dort durften sie in Espandrillas umziehen und waren selten so dankbar für billige Schuhe mit Plastiksohle.

Insgesamt war ich ziemlich genau sieben Stunden unterwegs, ungefähr eine Stunde davon waren Pausen. Besonders schön ist der erste Teil vom Brauneck zu den Achselköpfen. Diese könnte man umgehen, ich entschied mich spontan dafür, die Gipfel mitzunehmen. Der Wanderführer erklärte: „Geradeaus geht es etwas schwieriger über die Achselköpfe zur Benediktenwand.“ Gut, ich habe den alternativen Weg nicht gesehen, aber „etwas schwieriger“ ist schon verharmlosend. Mehr als einmal war ich ziemlich froh, ein paar Jahre Klettererfahrung (damals, in meiner Jugend) auf dem Buckel zu haben und ziemlich schwindelfrei zu sein. Außerdem kommen ein paar fiese steile Abstiege über Schichtgestein dazu – nicht einfach zu gehen, aber trotzdem recht spaßig.

Der Ostanstieg zur Benediktenwand ist auch ziemlich ausgesetzt, man braucht häufig seine Hände und der Fels ist zum Teil schon sehr glatt geschliffen. Hier spielten sich lustige Szenen ab. Am nettesten waren zwei Herren mittleren Alters, einer etwas weniger fit als der andere, schon sehr erschöpft und seinem Partner immer ein paar Meter hinterher. Letzterer befragte die ihm entgegen kommenden Wanderer über den weiteren Verlauf des Weges und gab diese Informationen dann völlig verfälscht an seinen Hintermann weiter. „Der Abstieg auf der Westseite ist nicht so ausgesetzt, aber auch ziemlich steil.“ wurde da ganz schnörkellos zu: „Der Weg auf der anderen Seite ist moderat, keine Sorge!“

Auch auf der Benediktenwand selbst spielten sich kleine Dramen ab, ein weiblicher Teenager in Jogginghosen brauchte ein Bild für das Internet, die Mutter wollte den langwierigen Stylingprozess (man will ja nicht verschwitzt aussehen) aber nicht abwarten und verließ frecherweise einfach den Gipfel. Auch der Vater wollte sich da partout nicht mehr hochschleppen lassen, so gab es dann nur eine Aufnahme mit dem Gipfel im Hintergrund, aber immerhin mit nach oben gereckten Daumen. Man muss halt nehmen, was man kriegt.

Der Westabstieg ist dann tatsächlich ohne klettern, ein paar Gämsen habe ich auch gesehen und irgendwann kommt man zur Tutzinger Hütte. Aus Zeitgründen und weil es ziemlich voll war, entschied ich mich gegen den Kaiser und stieg direkt ab. Es gibt zwei Varianten nach Benediktbeuern, ich kann den Weg 455 sehr empfehlen. Der andere ist doof, man geht eine dumme Schotterstraße an einem nicht sehr naturnahen Fluss entlang. Der 455 führt erst über eine Alm, dann an einem kleinen Bergbach entlang und dann gefühlte 80 Stunden durch den Wald ins Tal (die Füße!). Am Parkplatz Mariabrunn kann man dann heiliges Wasser trinken und einen Kreuzweg abgehen (was nicht passierte -> meine Füße sind außerdem auch noch Protestanten).

Alles in allem eine lohnenswerte Tour, aber die mehr als drei Stunden Abstieg von der Benediktenwand haben mich geschafft. Vielleicht sollte man sie mal andersherum probieren und dann die Seilbahn nach unten nehmen oder eine alternative Abstiegsroute finden.

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