‚Das große Leuchten‘ von Andreas Stichmann

11 Jun

Das Wochenende habe ich mit ein paar Studenten, einigen Kollegen, einem Bruder und einem Freund in den Bergen verbracht, aber davon erzähle ich später. In letzter Zeit habe ich ein paar tolle Bücher in der Hand gehabt und wollte das eine oder andere hier vorstellen. Als letztes gelesen habe ich ‚Das große Leuchten‚ von Andreas StichmannDas große Leuchten | raupenblau

Meine Mutter hat mir das Buch zu Weihnachten geschenkt und seitdem lag es rum; der Klappentext klang doof – ist er auch und er hat (wie ja leider sehr oft) nichts mit dem Inhalt dieses Buches zu tun. Die oben verlinkte Beschreibung auf der Seite des Rowohlt-Verlages ist übrigens auch blöd und hat auch nichts mit dem Buch zu tun. Beide Texte hören sich so an, als wäre ‚Das große Leuchten‘ ein abgedrehter Teenager-Roman, in dem eine Verrücktheit auf die nächste folgt. Das ist er nicht, auch wenn der Anfang sich ein wenig so anfühlt.

Die Geschichte startet typisch, fühlt sich vorhersehbar an: Rupert und sein Ziehbruder Robert sind auf dem Weg in den Iran, um Ana (anscheinend Ruperts Freundin) zu suchen, die offenbar abgehauen ist. Nach und nach entfaltet sich die Geschichte dieser drei Hauptfiguren weiter, wenn auch nie ganz. Teile ihrer Geschichten werden nicht erzählt, aber sie fehlen nicht, die Erzählung kommt auch ohne sie aus. Das Vorhersehbare verschwindet sehr schnell.

So wirr der Klappentext klingt und so anstrengend sich der Anfang auch gibt, Stichmann weiß sehr genau, wohin er mit dieser Geschichte möchte. Eine auf der Verlagsseite zitierte Kritik trifft es sehr gut: „Ein hochkontrollierter und durch die Schönheit seiner Sätze bestechender Roman“ (Dirk Knipphals, Deutschlandradio Kultur). Diese Sicherheit in Schreibstil und Aufbau der Geschichte macht das Buch absolut angenehm zu lesen. Ich leide immer sehr mit, wenn Autoren ihre Geschichten nicht im Griff haben und das ist bei diesem Buch an keiner Stelle der Fall. Oft sieht man ein Klischee heranrollen, bereitet sich schon darauf vor und dann wird die Geschichte um ein paar Grad gedreht und eine nicht vorhersehbare, aber dennoch sinnvolle Erzählvariante kommt daher.

In gewisser Weise ist ‚Das große Leuchten‘ eine ‚Coming of Age‘-Geschichte. Sie startet unschuldig, etwas naiv, bleibt es aber nicht. Nach wenigen Seiten hatte ich mich damit abgefunden, nie zu wissen, was als nächstes passiert – ich habe mich von der Geschichte tragen lassen und diese Tragfähigkeit macht in meinen Augen ein gutes Buch aus. Das Ende fand ich schlicht, aber der Geschichte angemessen – eigentlich ganz angenehm, wenn ein Autor mal nicht mit einem fulminanten Schluss angeben muss. Absolute Lese-Empfehlung.

PS: Schön finde ich auch, dass Stichmann seine männlichen Hauptfiguren Rupert und Robert genannt hat. Eine gewisse Dreistheit im Benennen von Roman-Figuren gefällt mir ohnehin, siehe Houllebecq’s Michel in ‚Plattform‚. Auch wenn man in letzterem Fall darüber streiten kann, ob das so eine gesunde Entscheidung war. Aber das ist eine andere Geschichte.

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