Das Kropfband

25 Sep

Oh je, langes Schweigen hier auf dem Blog. Die letzten beiden Wochen war ich in Mainz und Berlin, einmal beruflich, einmal ehrenamtlich und es war beides gut, aber anstrengend. Viele Stunden im Auto, im Zug, im Flugzeug und so weiter. Warum kann man eigentlich immer noch nicht beamen? In Berlin wurde ich dann auch noch krank und fuhr schniefend und Zink in mich hineinfutternd mit dem ICE nach Hause. Ich hatte meinen kleinen Bruder die DVD-Auswahl für die Fahrt treffen lassen und daher nur Kriegsfilme und verwandte Genres zur Auswahl. Selbst schuld. Als ich dann in München ausstieg, stellte ich fest, dass ich die Wiesn vergessen hatte.

Dirndl und Lederhosen überall. Na gut. Runter zur U-Bahn und dort erstmal einen alkoholisierten fremdländischen Mitbürger vor Tod durch Überrollen bewahrt. Man bekommt ja mit den Jahren Routine. Danach hab ich mich dann erstmal ins Bett gelegt. Am Sonntag dachte ich, man könnte ja mal über die Theresienwiese spazieren, mal sehen, was da so los ist. Erwartungsgemäß war viel los und ich war vielleicht noch ein bisschen zu angeschlagen für so viele Menschen. Aber mein Zwischenfazit ist trotzdem ganz positiv. Ich werde das mal in verschiedene Kategorien einteilen, der Übersichtlichkeit halber:

1. Essen
Schokofrüchte waren top, Wiesn-Fladen Langos-Art ein Reinfall. Entweder Langos, oder Fladen. Was sind eigentlich Fladen? Ich glaub eigentlich waren es Auszogne.

2. Fahrgeschäfte
Noch keines benutzt, aber leider gibt es wieder sehr viele Sachen die sich in unzählige Richtungen drehen. Meine goldene Regel: Maximal eine Achse!

3. Tracht
Grundsätzlich scheinen die Dirndl wieder etwas länger geworden zu sein, was ich als Erleichterung empfinde. Habe auch nur sehr wenige Nutten-Dirndl gesehen, aber es war ja auch noch hell. Mein Auge musste aber auch schreckliches erblicken. Das da. Ich kann das hier nicht sichtbar verlinken, weil dieser Blog mag es gerne ästhetisch. Ich muss da noch ein Wort loswerden. Das Oktoberfest ist ein traditionelles Volksfest zu dem gerne alle möglichen Menschen aus allen möglichen Ländern kommen dürfen. Von mir aus dürfen sie auch (bayerische) Tracht oder trachtenähnliche Kleidung tragen. München ist ohnehin von Nicht-Bayern (Preißn) bevölkert und das ist auch völlig ok so. Also, wenn euch die Tracht gefällt und ihr gerne ‚richtig‘ mitmachen wollt, dann kauft sie euch, mir egal. Meine Dirndl sind auch nicht Teil einer traditionellen Tracht, sondern ein einfaches Wäschedirndl. Aber Kostüme? KOSTÜME?? Ehrlich gesagt finde ich es respektlos, ein traditionelles Fest zu besuchen und sich dann als Einheimische zu ‚verkleiden‘ in einer Art und Weise, dass die Verkleidung klar als solche zu erkennen ist. Ich war nahe daran, das diesen Herrschaften mal darzulegen. Aber rede mal mit Engländern auf dem Oktoberfest. Eben.

Um mich wieder etwas zu beruhigen, habe ich mir dann noch ein bisschen Schmuck für meinen zweiten Wiesn-Ausflug in ein paar Tagen zugelegt:Kropfband

Schon als Kind war ich großer Fan des etwas gruseligen Namens ‚Kropfband‘. Das Gute daran: Auch bei mehrachsigen Fahrgeschäften ist es unwahrscheinlich, sich damit zu erwürgen. Zu kaufen gibt es sowas z.B. bei Alpenflüstern. Wer sich jetzt noch fragt, wie lang das Dirndl sein sollte: Der traditionelle Verein ‚Die schöne Münchnerin‘ gibt Auskunft auf seiner Website.

Ursprünglich in diesem Post verlinkte Inhalte wurden entfernt, um unbeabsichtigte Copyright-Verletzungen zu vermeiden. Daher sieht es hier nun leider etwas karg aus.

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5 Antworten to “Das Kropfband”

  1. Benjamin September 25, 2012 um 17:42 #

    Das Oktoberfest fällt ja in die Kategorie der karnevalesken Rituale. Die funktionieren so, dass in einer deutlich markierten Ausnahmesituation soziale Normen zwecks allgemeiner Entlastung umgekehrt werden, z.B. solche wie: sich nicht hemmungslos besaufen, nicht mit beliebigen Zugereisten gemein machen, nicht auf den Bänken tanzen, nicht solch peinliche Musik hören und gar mitsingen, usw. Das wird aufgehoben und wirkt so befreiend und zugleich, gerechnet aufs Gesamtverhalten, befriedend auf die Volksseele. 360+x Tage im Jahr relative Wohlanständigkeit und Arbeitsamkeit, ein paar Tage lang dann über die Stränge schlagen. Vergleichbare Rituale dienen sonst auch als Ventil für Unmut gegenüber der Obrigkeit, aber weil das Oktoberfest ja selbst von derselben initiiert wurde und sie auch heute noch huldvoll-symbolisch dem Volk die erste Maß darbietet, fällt diese Funktion ja wohl eher aus (man vergleiche aber den Nockherberg, dem natürlich auch jegliche wirklich subversive Wirkung abgeht).
    Zur Markierung einer solchen Ausnahmesituation, zur psychischen Abtrennung vom Rest der Zeit, zur Verwandlung des Teilnehmers dienen je nach Ritual besondere Orte, Zeitpunkte, Musik, Startsignale, Drogen, und insbesondere auch Kostüme. Weshalb die Tracht beim Oktoberfest nicht so sehr mehr der Brauchtumspflege zuzurechnen ist als den Karnevalskostümen, so dass von Oktoberfasching zu sprechen nicht das Verkehrteste wäre.
    Zum Thema Zink allerdings leider schlechte Nachrichten: http://www.zeit.de/2011/09/M-Cochrane/komplettansicht

    • Clarissa September 26, 2012 um 08:19 #

      Benjamin, da hast du recht. Bis auf wenige Ausnahmen ist die Tracht auf dem Oktoberfest nicht Tracht, sondern Verkleidung. Aber diese Verkleidung gibt immer noch vor, eine Tracht zu sein – auch wenn Grenzen ausgelotet werden, zum Teil in Bereiche, die ich mir grade nicht vorstellen möchte (siehe die immer häufiger auftauchenden ‚Domina-Dirndl‘). Das Engländer-Kostüm dagegen ist ganz eindeutig ein solches, es tut nicht mehr so, als wäre es Tracht und damit (das ist zumindest mein subjektives Empfinden) verstößt es gegen die ungeschriebenen Regeln der Karnevalssituation ‚Oktoberfest‘. Ein gewisser Kollege aus dem Keller hat gestern übrigens prophezeit, dass die Zeit der Pseudo-Trachten auf der Wiesn bald vorbei ist, da es den Einheimischen irgendwann zu viel ist. Man darf gespannt sein.

      Und zum Thema Zink: Das Zeug hat 10 Euro gekostet und man kann es laut Apothekerin ‚direkt in den Mund schütten‘ (…). Ich ess das jetzt.

      • Benjamin September 26, 2012 um 16:25 #

        Womit du recht hast – also damit, dass selbst die karnevaleske Situation Normen kennt, oder gerade sie. Man erinnere sich nur, wie ehrpusselig der rheinische Karnevalist auf seine Uniform und seinen militärischen Rang bedacht ist. Man hat dort aus der Verulkung von Militär und Obrigkeit eine reaktionäre Standesgesellschaft mit einem teilweise höchst intoleranten Humor gemacht. Wenn die Tracht Verkleidung ist, so gesellen sich zwei weitere Motive hinzu. Das eine ist Sentimentalität (nicht zu verwechseln mit ungebrochener Traditionalität, sondern eine Sehnsucht nach einem naiv Schönen, das aber nicht mehr gänzlich unironisch betrachtet werden kann, weil die Geschichte und die vielen Moden und Ästhetiken darüber hinweggegangen sind – die Rührung gegenüber Landidyll, Blümchenmuster, Stickerei usw.). Das andere ist die Distinktion: gegen all die Pseudo-Tracht eine reingehaltene, puristische; historischer noch als die Vergangenheit jemals war, züchtiger noch als die sprichwörtliche Unschuld vom Lande, einheimischer noch als die kürzeste Distanz nach Oberbayern oder in den Landkreis (wie der von dir verlinkte Verein ja darauf beharrt, kein bäuerliches Gwand zu tragen), oder wie auch immer man sich noch abheben kann. Oder eben durch gar keine Tracht.

  2. Anonymous Oktober 4, 2012 um 18:34 #

    also, wenn Miss Raupenblau ein bisschen besser im Englischen bewandert wäre, dann wüsste sie, dass „costume“ ins Deutsche übersetzt auch „Tracht“ bedeutet, und schon isses gar nimmer schlimm, dieses Wort „costume“, gell?
    Und um nochmal auf’s Kropfband zu sprechen (schreiben) zu kommen:
    bei http://www.elisa-kropfbaender.de gibt’s wirklich eine große Auswahl davon, keine 0815 made in China Ware, sondern wirklich schöne Kropfbänder, passend zu jeder traditionellen Tracht.

    • Clarissa Oktober 5, 2012 um 13:02 #

      Hallo anonyme/r Besucher/in, zum Thema Kostüme und Tracht haben Benjamin und ich oben schon ausführlich diskutiert – im Deutschen gibt es diese Unterscheidung ja eben schon; dass im Englischen ein Wort für beides steht hat damit aus meiner Sicht nicht wirklich etwas zu tun, denn ich habe dieses Wort im Text nicht verwendet. Wenn du oben nachliest, kannst du sicher nachvollziehen, wo ich für mich persönlich den Unterschied sehe.

      Danke für den Kropfband-Tipp – wirklich schöne Produkte. Für festliche Anlässe darf ich freundlicherweise auf die Familienerbstücke zurückgreifen, aber auf die Wiesn nehme ich dann doch lieber ein billiges Teil mit.

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