Der Geschmack von Apfelkernen

6 Sep

Ich lese ganz gern (nicht so viel, wie ich gerne will) und ab und zu kommt mir ein richtiges Buch-Schmankerl unter. Ich hab schon oft darüber nachgedacht, hier über meinen Lesestoff zu posten und fand das auch irgendwie eine gute Idee. Gemacht hab ich dann nie, weiß der Himmel warum. Egal, dann fange ich halt jetzt damit an. Das Buch, über das ich heute schreiben möchte, haben sicher viele von euch schon gelesen, es ist nämlich ein Bestseller. Steht zumindest auf dem Umschlag.Der Geschmack von Apfelkernen | raupenblau

Der Geschmack von Apfelkernen von Katharina Hagena beginnt mit einer Beerdigung und zwar der von Oma Bertha. Nach Jahren der Demenz ist sie in einem Pflegeheim verstorben und nun erbt, zu ihrer eigenen Überraschung, Enkelin Iris das Haus mit seinem Garten voller Apfelbäume und Johannisbeeren. Sie verbringt einige Tage dort und erinnert sich an die Geschichte des Hauses und der drei Generationen Frauen, die dort gelebt haben: Bertha und ihre Schwester Anna, Berthas drei Töchter und deren Töchter: Iris und ihre Cousine, die im Alter von 15 Jahren bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Nach und nach erfährt die Leserin mehr über die Damen des Hauses, ihre Männer, ihr Leben, ihr Verhältnis untereinander. Gleichzeitig dreht sich die Erzählung auch um die Gegenwart, um Iris, die mit 27 Jahren auf einmal Hausbesitzerin ist und beim Nacktbaden im See einen alten Bekannten aus Jugendzeiten wieder trifft: Max, der kleine Bruder ihrer Freundin Mira, der auf einmal gar nicht mehr so eine Niete zu sein scheint wie damals.

Ich muss ja grundsätzlich zugeben, dass ich solche Generationen-Romane mag. Problem: der Kitsch. Er kommt in jedem Buch dieses Genres (ich behaupte jetzt einfach mal das wäre ein Genre) vor und manchmal nimmt er überhand. Das Gleiche gilt übrigens für Bücher über Bibliotheken und auch in Der Geschmack von Apfelkernen spielen Bücher und Bibliotheken eine Rolle. Dieses Element hätte man sich beispielsweise sparen können, finde ich. Naja, vermutlich haben alle SchriftstellerInnen eine gewisse Affinität zu Büchern (logisch), das kann man ihnen verzeihen und als LeserIn großzügig darüber hinwegsehen. Aber zurück zum Kitsch. Den gibt es natürlich auch in diesem Buch. Er wird aber konterkariert durch die erfrischende Hauptperson Iris, die ich einfach gut finde. Sie hat einige sehr sympathische Eigenschaften: konsequent trägt sie fast nur alte Ballkleider ihrer Tanten, egal zu welchen Aktivitäten. Sie schläft häufiger spontan ein (das mache ich auch gerne). Manchmal beendet sie Gedankengänge abrupt, da es ihr nun reicht. Und ihre pragmatische Art lässt die sich anbahnende Romanze zu Max nicht zu schwer, bedeutungsvoll und – ja – romantisch erscheinen. Man kommt sich halt näher. Überhaupt ist Katharina Hagena hier ein kleines Meisterstück gelungen, denn die Biographien der Frauen in der Vergangenheit und Iris‘ Erlebnisse in der Gegenwart sind hervorragend ausbalanciert. Ihr gelingt es immer im richtigen Moment, die Geschichte wieder in die Gegenwart zurückzuholen oder in die Vergangenheit zu schicken. So hat man am Ende der Lektüre das Gefühl, von allem gerade genug bekommen zu haben.

Alles in allem ein sehr lesenswertes Buch, wenn auch eher von der leichteren Sorte – ich habe das ganze Werk auf dem Weg nach London und wieder zurück durchgelesen. Ist ja aber auch mal schön.

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