Die Frauenwand und die schwere Kasererscharte

9 Jul

Der Berg-Wetterbericht für Samstag sah eigentlich ganz ok aus, also auf Richtung Hintertux. Während mein ehrenwerter Chauffeur dort zu snowboarden gedachte, wollte ich eine kleine Wanderung unternehmen. Schon auf dem Weg Richtung Alpen waren irgendwie nicht so viele Berge zu sehen. Dafür Wolken. Sehr viele Wolken. Aber alle schön fluffig, nicht böse-gewittrig. Überraschenderweise kann man in Hintertux  die erste Gondelstation (Sommerbergalm) für schlappe 10 Euro (Berg- und Talfahrt, nur eins von beidem kostet 9 Euro) erreichen. Fast wäre daraus nichts geworden, da ich wiederholt und sehr entschlossen das Liftticket vom Spitzingsee in den Kartenleser stecken wollte. Merke: Ab und zu den Geldbeutel ausmisten. Oben angekommen sah das dann so aus:

Aber gut, hilft ja nix, auf Richtung Berg. Nach kurzer Orientierung entschied ich mich, zur Frauenwand aufzusteigen. Eigentlich ist der Weg bekannt für seinen tollen Blick auf den Hintertuxer Gletscher, der hielt sich aber diskret verhüllt und lies nur ab und zu kurz ein bisschen was sehen:

Nach einer Stunde im Nebel war ich auf dem Gipfel. Dort stellte sich heraus, dass der Nebel eine fette Wolke im Sommerberg-Tal war. Auf der anderen Seite des Berges war alles sonnig, sommerlich und hell:Frauenwand

Ich suchte mir ein gemütliches Plätzchen, lies die Füße über geschätzten dreihundert Metern Abgrund baumeln und futterte übriggebliebenen Flammkuchen vom Vorabend. Direkt am Gipfelkreuz hatten es sich ein jüngeres und ein älteres Pärchen gemütlich gemacht. Alle aus der Nähe von Potsdam, wie sich herausstellte. Das musste natürlich ausführlich diskutiert werden, auf 2.541 Metern, mitten in Tirol. Soviel zur ruhigen Bergwelt. Ich lauschte aufmerksamer, als sie ihre weitere Tourenplanung besprachen: Zur weißen Wand und dann wieder runter, aber nicht über die Kasererscharte, denn da stand auf dem Schild ’schwer‘ und laut Wanderführer gibt es da auch Seilsicherung. Supi, dachte ich mir, die schwere Kasererscharte hatte ich schon die ganze Zeit im Blick und die sah sehr appetitlich aus:Kasererscharte

Kurz nachdem sich die redefreudige Potsdam-Fraktion auf den Weg gemacht hatte und durch eine Gruppe Holländer ersetzt wurde, ergriff ich die Flucht. Und was soll ich sagen? Die schwere Scharte ist echt ein Schmankerl. Es gibt tatsächlich ein kleines Stück mit Drahtseilsicherung, aber um das Seil zu ergreifen müsste man schon auf alle Viere gehen. Ich vermute, dass die Sicherung für mitwandernde Kinder gelegt wurde. Von der Kasererscharte aus hat man einen tollen Blick – auf der einen Seite Richtung Hornspitze, auf der anderen in den Nebel und in ebendiesen musste ich zähneknirschend dann auch wieder absteigen. Das tat ich recht zügig, ich konnte ja eh nix sehen. Und mitten in der Suppe traf ich Potsdam wieder. Ich wollte schnell überholen. Durfte ich aber nicht. Denn: Man hatte ein Murmeltier gesichtet! Das sollte ich jetzt auch angucken. Dazu muss man sagen, dass der Berg von Murmeltieren geradezu verseucht ist. Beim Aufstieg hatte mir schon ein englisches Paar ein ‚Marmot‘ gezeigt, sich dann aber höflich entschuldigt, als ich meinte, davon gäbe es hier viele: „This is our first one!“ Ok, also wieder Murmeltier bewundern. Die Viecher waren wild am Kämpfen, aber wie immer wurde das als ‚Spielen‘ interpretiert. Ich guckte also pflichtbewusst auf die spielenden Murmeltiere und überholte dabei geschickt das fotographierende ältere Potsdam-Paar. Das jüngere Paar bewegte sich 50 Meter weiter vorne überhaupt nicht mehr. Grund:Murmeltier

Das gute Tier hatte offenbar beschlossen, Touristen zu ignorieren. Es hockte einen Meter vom Weg entfernt in seinem Bau und gähnte gelangweilt. Damit gab es mir genug Zeit, auch Paar #2 zu überholen und meinen Abstieg durch eine wunderschöne Blumenwiese allein fortzusetzen. Ab und zu erlitt ich fast einen Herzstillstand, weil eines der seltenen Murmelviecher seine Kameraden durch ohrenbetäubendes Pfeifen über mein Kommen in Kenntnis setzte. Ein sehr fettes Exemplar saß mitten auf dem Weg und verschwand nur äußerst unwillig in seinem Erdloch. Alles in allem aber eine tolle Tour, in drei Stunden locker zu machen und ohne Nebel wäre der Ausblick sicher super gewesen. Die Zillertaler Gletscherbahn GmbH und Co. KG stellt auch eine kostenlose Wanderkarte zur Verfügung – im wahnsinnig praktischen Maßstab 1:65.000, aber um eine grobe Richtung zu schätzen, reicht es.

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Eine Antwort to “Die Frauenwand und die schwere Kasererscharte”

  1. fraubrause Juli 31, 2012 um 19:11 #

    Hey wir fahren zu diesem Sommerkurs http://summercourse.ec/de/ – es ist ein internationales Camp, wo man buddhistische Belehrungen bekommt. Es sind quasi Vorträge und Meditation, sowie Erklärungen zu speziellen Meditationen. Und natürlich fahren Prinz und ich zusammen mit dem Lausejungen hin 🙂

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