Basislehrgang Alpin

2 Jul

In den Bergen hüpfe ich ja schon länger herum und das eigentlich auch immer mehr und immer gern. Aber so langsam – ja, so langsam könnte es mal ein bisschen mehr sein. Mir geht es beim Wandern/Bergsteigen grundsätzlich nicht so sehr um Leistung. Ich gehe eine Tour mit 900 Höhenmetern genauso gern wie eine mit nur 300 und es ist auch ok, wenn dabei ein Teil des Weges eine einfache Forststraße und kein aufregender Steig ist. Es muss Zeit sein, sich die Berge anzugucken und ganz in Ruhe einen Kaiserschmarrn zu verspeisen. Ich bin auch eher vorsichtig in den Bergen und möchte kein unnötiges Risiko eingehen. Konkret heißt das: Wenn ich das Risiko nicht einschätzen kann, dann wird das nicht gemacht. Gleichzeitig bin ich in den letzten Monaten aber auch immer fitter geworden. Im letzten Jahr war es noch oft so, dass ich vielleicht noch Kondition gehabt hätte, aber meine Waden ein klares ‚Ja spinnst du?!‘ an mich ausgesendet haben. Jetzt ist das eigentlich kein Problem mehr, die Beine laufen und ich mit. Problematisch ist es nur, wenn ich allein unterwegs bin: ich neige zum Rennen und bin dann meistens nach einer halben Stunde hüttenreif. Dazu kamen noch endlose verwirrende Gespräche mit verschiedenen Personen über Ausrüstung. Großes Thema. Ist es ok, eine Regenjacke für 100 Euro zu tragen oder wird dies unweigerlich zum völligen Versagen am Berg führen, während ein Mammut-Nordwand-Jacken-Träger lachend in seiner 650-Euro-Hülle an mir vorbeizieht? Um es mal zusammenzufassen: Meine bergsteigerische Karriere steckte ein wenig in der Sackgasse der Verwirrung und des gefährlichen Halbwissens.

Was die Ausrüstung angeht, habe ich für mich selbst ein ganz gutes Verständnis entwickelt: Schuhe sind am wichtigsten, alles andere soll qualitativ hochwertig und funktional sein, was draufsteht, ist egal. Farben auch. Das billigere Produkt wird bevorzugt. So kam es, dass ich noch nicht pleite bin. Die anderen Punkte blieben aber weiter unklar: Wolken sagen mir nix, Geröllfelder finde ich beängstigend und mehr als 1000 Höhenmeter am Tag traue ich mir nicht zu, vor allem, weil das dann irgendwann ins hochalpine Gelände führt und da ist ja alles anders. Kein Gras, zum Beispiel. Solche Situationen sind immer blöd. Etwas, was man eigentlich mag, wird auf einmal schwierig und dann macht es keinen Spaß mehr. Nachdem wir dann Ende April auch noch verloren im Schnee saßen und alle etwas ratlos einen Kompass auf einer Karte herumschoben, sah ich akuten Handlunsgbedarf und meldete mich zum Basislehrgang Alpin meiner reizenden Alpenvereins-Sektion, dem Turner-Alpen-Kränzchen e.V. an. Letztes Wochenende war es dann soweit und ich verbrachte mit vier anderen gelehrigen Bergschülern und einem äußerst kompetenten Bergführer zweieinhalb sehr spannende Tage an der Rotwand. (Ich hatte keine Kamera dabei, aber vor zwei Wochen war ich auch schon dort und der Berg hat sich nicht groß verändert – meine Studentin Iiris hat über das Wochenende hier geschrieben.) Unter anderem kletterten wir an den Ruchenköpfen herum:

Ruchenköpfe

Es war die ganze Zeit sehr heiß, hat aber unglaublich Spaß gemacht. Wer Lust hat, mal in die Berge zu gehen oder sich so wie ich endlich mal ein bisschen kompetenter fühlen möchte, dem kann ich so einen Kurs nur ans Herz legen. Außerdem ist es unglaublich praktisch, einen Bergführer zu haben – man läuft einfach hinterher. Klasse. Ich weiß nun, wie man in Geröllfelder absteigt, dass man Löcher in der Wiese meiden sollte (man könnte in ein unterirdisches Höhlensystem abstürzen), was welche Wolken bedeuten und wie man einen Hubschrauber einweist. Außerdem stand Tourenplanung auf dem Programm. Ein sehr wichtiger Punkt war auch, wie man Felsen hinunterklettert. Das fand ich sehr sinnvoll, hoch kommt man ja immer ohne Probleme und runter wird es dann haarig.

Schön war außerdem, schon zum dritten Mal in diesem Jahr an der Rotwand zu sein. Es ist ziemlich interessant so ein Gebiet zu verschiedenen Jahreszeiten zu sehen und zu beobachten, wie sich einzelne Dinge verändern. Der Soinsee zum Beispiel:

Soinsee

Im April mussten wir Basti noch bestechen, damit er todesmutig in ein Eisloch sprang. Vor zwei Wochen tauchte dann mein kleinster Bruder in den See (siehe Bild) und blieb dort unglaubliche 15 Minuten (ich habe es ca. 90 Sekunden ausgehalten). Diesmal fühlte er sich dann schon recht lauschig an. Alles in allem kann ich eine sehr positive Bilanz des Wochenendes ziehen – und freue mich schon total auf die nächsten Wochenenden am Berg.

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Eine Antwort to “Basislehrgang Alpin”

  1. Mia Juli 3, 2012 um 03:10 #

    Das klingt alles extrem interessant, wenn ich die Berge auch so vor der Tür hätte, wäre ich sicher auch sofort dabei *seufz*
    Liebe Grüße und viel Spaß weiterhin 🙂

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