Colombia

22 Apr

Drei Wochen Kolumbien haben schon einen Blog-Post verdient, dachte ich. Aber so einfach ist das gar nicht – drei Wochen in einen Post zu packen, vor allem wenn man durch so ein buntes Land wie Kolumbien gereist ist. Deswegen machen wir das jetzt (kurz nach diesem seltsamen Tatort) so: Heute schreibe ich ein paar Sätze über unsere Reiseroute und ein paar generelle Eindrücke und sobald ich dazu komme, werde ich noch das eine oder andere Highlight hervorheben. San Gil - Botanischer Garten

Unser Flug ging von München über Paris nach Bogotá, wo wir erst einmal zwei Nächte blieben. Von dort brachen wir auf in das hübsche Städtchen San Gil (ca. 7 Stunden Busfahrt). San Gil ist unter Rucksackreisenden vor allem für seine vielen Möglichkeiten für Outdoor-Sport (Paragliding, Rafting, etc) bekannt. Wir nutzten die Gelegenheit, von dort in das schnuckelige Bergdörfchen Barichara zu fahren – für mich einer der schönsten Orte, die wir in Kolumbien besucht haben.

Barichara

Barichara

Von San Gil nahmen wir den langen Weg zur Küste in Angriff, genau genommen nach Cartagena. Eigentlich braucht man mit dem Bus rund 15 Stunden, wir hatten Pech und wurden durch einen Streik aufgehalten: 21 Stunden. Cartagena selbst ist schön, hat mich aber nicht so umgehauen – es ist vor allem voller amerikanischer Touristen. Toll ist aber die Uni, die direkt im historischen Stadtzentrum liegt – so einen Arbeitsplatz mit Palmen im Innenhof könnte ich mir schon auch ganz gut vorstellen:

Universität in Cartagena

Universität in Cartagena

Von Cartagena aus fuhren wir (wieder mit dem Bus) sieben Stunden nach Mompox. Diese kleine Stadt liegt im Sumpf und ist nur mit Booten (in unserem Fall einer ziemlich überladenen Fähre) erreichbar. Früher wichtiger Handelsknotenpunkt ist sie heute Weltkulturerbe und kolumbienweit für ihre Prozessionen zur Semana Santa (Osterwoche) bekannt. Leider blieben wir hier nur zwei Nächte – ich fand die Atmosphäre umwerfend und wäre gerne noch ein wenig länger geblieben. In Mompox wohnten wir im Hostel eines englischen Reisejournalisten, La Casa Amarilla. Der Besitzer, Richard, hat das historische Gebäude selbst restauriert und dabei wirklich Geschmack bewiesen. Vor allem hat er nicht vergessen, ein paar der mompoxtypischen Schaukelstühle aufzustellen. Sehr entspannend!

Nachts in Mompox

Nachts in Mompox

Von Mompox aus reisten wir über Marangue und Sincelejo zurück an die Küste nach Tolú. Tolú ist ein Urlaubsort, der vor allem unter Kolumbianern beliebt ist. Allerdings waren wir dort noch vor der Semana Santa (in dieser Woche machen alle Kolumbianer wie die Verrückten Urlaub), dadurch war es angenehm leer. Ein sehr entspannter Ort, an dem wir fünf schöne Tage verbrachten. In Tolú wohnten wir im Villa Babilla Guesthouse, einem wirklich netten Hostel, das einem Dresdner (Jörg) und seiner reizenden kolumbianischen Ehefrau Andrea gehört. Als Dankeschön für etwas aus Deutschland mitgebrachten Senf verwöhnte uns Andrea mit fantastischen Muffins, es gab zahlreiche Hängematten, einen Grill und Palmen – was will man mehr. Von Tolú aus besuchten wir einen lustigen kleinen Schlammvulkan und die Islas de San Bernardo, eine Inselgruppe vor der Küste.

Islas de San Bernardo

Islas de San Bernardo

Nach der Zeit an der Küste zog es uns wieder ein bisschen mehr in die Höhe, und zwar nach Minca, einer kleinen Stadt am Rande der Sierra Nevada. Hier wohnten wir in einem kleinen Hostel auf einem Hügel, Casa Loma. Casa Loma erinnert in seiner Holzbauart etwas an ein Baumhaus. Es gehört einem inzwischen getrennten englischen Pärchen, die sich mit der Betreuung des Hostels abwechseln. Sie beschäftigen in einem meiner Meinung nach ausbeuterischen Verhältnis sogenannte ‚Volunteers‘ – die aber wahnsinnig nett sind, lecker kochen und dem Ort einen großen Teil seines Charmes verleihen. Dazu kommen der wunderbare Ausblick auf die Sierra Nevada und die Küstenstadt Santa Marta sowie die Tatsache, dass man nicht weg kann und somit alle Anwesenden gezwungen sind, sich miteinander zu unterhalten oder Karten zu spielen. Das hat nette gesellige Abende zur Folge – so wurde auch Minca zu einem Ort, an dem ich gerne länger geblieben wäre.

Minca - Sonnenuntergang über der Sierra Nevada

Minca - Sonnenuntergang über der Sierra Nevada

Nach Minca verbrachten wir noch einige Tage in Santa Marta, bevor wir nach Bogotá zurückkehrte. Santa Marta ist unheimlich heiß und hat als Stadt nicht furchtbar viel zu bieten. Außerdem ist es angeblich relativ gefährlich, weswegen wir nachts lieber im Hostel blieben. Allerdings ging ich von hier aus einmal im Tayrona Nationalpark tauchen, was wirklich grandios war. Und wir machten einen lustigen Ausflug nach Aracataca, der Geburtsstadt von Garcia Marquez. Dort wurden wir von Mr. Tim herumgeführt, dem (wie sollte es anders sein) ein Hostel in Aracata gehört, die Gypsy Residence. Wir fuhren auf alten Fahrrädern durch die Stadt, wateten durch einen Fluss, kletterten auf Gräber und besuchten ein Museum. Zwischendurch gab es leckeres Essen. Eine seltsame, aber einprägsame Erfahrung und gleichzeitig der heißeste Tag in den drei Wochen. Wirklich unglaublich heiß. Das ist Mr. Tim (er ist Däne):

Aracataca - Tim vor dem Gebäude der Freimaurer

Aracataca - Tim vor dem Gebäude der Freimaurer

Um uns die lange Busreise zu sparen, flogen wir schließlich von Barranquilla aus zurück nach Bogotá. Wir fanden die Hauptstadt leer vor – schließlich war Ostern. Um uns nicht zu sehr zu langweilen, entschlossen wir uns zu einem Ausflug nach Zipaquira, um dort ein paar ganz tolle Salzkathedralen zu besuchen – letztendlich standen wir in einer unglaublich langen Schlange, um dann eine Stunde lang einen verwirrenden Kreuzweg mit lauter neonbeleuchteten Höhlen zu begehen. Hier mein persönliches Highlight:

Salzkathedralen in Zipaquira

Salzkathedralen in Zipaquira

Das war also meine Reise nach Kolumbien. Und wie war’s? Auch zwei Wochen später bin ich noch etwas hin- und hergerissen: Das Essen ist nicht der Hit (alles frittiert), bis auf die wirklich fantastischen Früchte. Die Menschen sind wundervoll, das Land wunderschön, aber ziemlich zugemüllt. Und natürlich ist es Südamerika: bunt, laut, voll – mir manchmal fast ein bisschen zu viel. Was ich aber wirklich unglaublich genossen habe, ist die Natur. Würde ich diese Reise also noch einmal machen, würde ich wesentlich weniger Zeit in den wirklich nicht sehr spektakulären größeren Städten verbringen und mehr Zeit an Orten wir Minca, wo die tolle Natur Kolumbiens zum Greifen nahe ist.

Vielleicht noch ein paar Worte zur Sicherheit: Die meiste Zeit war ich mit einer Freundin unterwegs. Wir hatten keine Probleme. Ich habe auch einige allein reisende Frauen getroffen, die alle gut klar gekommen sind, zum Teil auch nur mit wenig Spanisch-Kenntnissen – wie gesagt sind die Menschen sehr nett und hilfsbereit. Die Straßen werden durch das Militär abgesichert, die Städte durch sehr sehr viele Polizisten. Natürlich sollte man einige Grundregeln beachten und nicht mit Pass und viel Bargeld durch die Gegend laufen oder nachts durch einsame Straßen huschen. Uns wurde nichts geklaut, wir wurden nie bedroht und ich habe mich eigentlich fast immer sehr sicher gefühlt.

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