Samstags auf der Stepbergalm

1 Mai

Freitagabend sah ich so aus dem Fenster und dachte mir: ‚Man sollte einen Berg besteigen.‘ Also schnappte ich mir mein neu erworbenes Wanderbuch. Kurz blättern, Einmerker rein und am nächsten Morgen um halb acht saß ich im Zug nach Garmisch-Partenkirchen – zwischen lauter Skifahrern und fragte mich, ob eine Fleece-Jacke wohl das richtige Outfit ist und ob ich nicht lieber im Bett geblieben wäre.

Aber dann fährt der Zug ein paar Minuten aus München raus und man sieht das da:Zugfahrt München nach Garmisch-Partenkirchen mit Alpenblick

Und dann kommt der Starnberger See und später der Staffelsee und mal wieder war das so einer dieser Momente wo ich ganz genau wusste, warum ich hier wohne und nirgends anders.

In Garmisch angekommen machte ich mich auf die Suche nach dem Bus der Linie 1, der mich zur Haltestelle ‚Äußere Maximilianstraße‘ bringen sollte, von wo ich den Aufstieg zur Stepbergalm angehen wollte. Die Fahrpläne der Ortsbusse findet man hier. (Eine Information, ob da das Bayernticket gilt, konnte ich leider nirgends finden. Mit BahnCard kommt es aber auch mehr oder weniger auf das Gleiche raus.) Diese Fahrpläne hatte ich auch eingehend studiert, aber vor Ort musste ich dann feststellen, dass die Linie 1 samstags nicht fährt. ‚Aber des kannst schon laufen‘ erklärte mir der Busfahrer und nahm mich mit bis zur Haltestelle Breitenau/Zugspitzstraße der Linie 2.

Wie sich herausstellte, hätte mir auch die Linie 1 den widerlichen Aufstieg über irgendeine seltsame neue Straße vorbei am Tierheim und hoch zur Maximilianshöhe nicht erspart – sehr unsexy. Dort oben gibt es einen Wanderparkplatz und von dort folgt man dann dem Wegweiser ‚Kreuzweg‘. Nach kurzer Zeit kann man sich zwischen zwei Varianten entscheiden: dem Stepbergalpensteig oder dem Weg über das Gelbe Gwänd. Ich wollte den Steig nehmen und über das Gelbe Gwänd absteigen. Der Steig wird im Wanderführer als ‚immer wieder steil‘, aber ‚leicht‘ beschrieben. Ok, man muss jetzt nicht klettern, aber 800 Höhenmeter verteilt auf zwei Stunden als ‚immer wieder steil‘ zu bezeichnen ist schon eine nette Umschreibung. Der Weg ist eigentlich IMMER steil, manchmal halt mehr als sonst. Nach sehr kurzer Zeit musste ich den ersten Landjäger verdrücken. Und mich ausziehen. Ich traf einen ebenso schwitzenden Einheimischen, der mir irgendwas von Wölfen erzählte und dann an mir vorbeizog. Ich fluchte. Aber dann sieht man das:Zugspitze vom Stepbergsteig aus gesehen

Und mal wieder war das so einer dieser Momente – in denen ich mich fragte, warum ich mich allein für optische Reize und ein komisches Hochgefühl IMMER WIEDER so einer Tortur unterziehe. Ich versuchte den Trainingsaspekt im Auge zu behalten und stiefelte weiter. Wie immer fügte sich mein Körper nach einiger Zeit seinem Schicksal und es wurde eine nette, sausteile Wanderung zur Stepbergalm. Die Hütte dort hatte erst das zweite Wochenende in diesem Jahr geöffnet. Außer mir gab es dort nur Garmischer und unzählige Golden Retriever. Und diesen Kaiserschmarrn:Kaiserschmarrn Stepbergalm

Oh. Mein. Gott. War das ein guter Kaiserschmarrn. (7,50 Euro, aber ich hätte jeden Preis bezahlt). Dazu ein Radler. Mein Leben war in bester Ordnung. Ich hatte den Aufstieg in zwei Stunden geschafft und war ganz zufrieden mit mir selbst. Dann setzte sich ein netter älterer Herr neben mich und erzählte mir, dass sein persönlicher Rekord für diesen Aufstieg bei 58 Minuten liege. Das sei aber schon zwei drei Jährchen her. Wie alt er denn sei, wollte ich wissen. Ach, sagte er, 74, inzwischen brauche er dann doch eine gute Stunde.

Wir stiegen dann zusammen ins Tal und wie sich herausstellte, war der Herr leidenschaftlicher Hobby-Botaniker und so lernte ich noch einen Haufen über Alpenblumen, zum Beispiel über das Alpen-Fettkraut. Das frisst Fleisch. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass wir diesen Berg in einem Affentempo herunterrannten, diesmal vorbei am Gelben Gwänd. Dort sind ein paar Bilder von tödlich verunglückten Garmischern aufgehängt (Martl, wie der Bayer sagt). Einmal sei dort ein Breitenauer abgestürzt, der bekam kein Martl, erklärte mir mein Begleiter. Die Garmischer seien einfach ein unmögliches Volk. Er sei ja aus Düsseldorf. Der bergsteigende Rheinländer fuhr mich dann freundlicherweise noch zum Bahnhof und lobte die Tatsache, dass Frauen sich inzwischen auch trauen würden, allein wandern zu gehen. Da saß ich dann stinkend im Zug, diesmal zwischen lauter Japanern – und schlief nach fünf Minuten glücklich ein.

Was für ein Tag. Ich hoffe, die Garmisch-Partenkirchener stimmen am 8. Mai gegen die Olympia-Bewerbung. Diese Gegend ist genauso, wie sie sein sollte.

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