Propolis-Tinktur – das Experiment

23 Apr
'Aus dem Land der Morgensterne' von Hadi du Plessis, Illustratiert von M. Hoffmann

'Aus dem Land der Morgensterne', Illustration: M. Hoffmann

Was wir hier sehen ist eine dramatische Szene aus dem (an die relativ kleine Zielgruppe der deutschsprachigen Kinder Namibias gerichteten) Buch ‚Aus dem Land der Morgensterne‘ von Hadi du Plessis. Die Blumenkinder Wuschel und Wisch wurden in einem Rosengarten mit Gift bespritzt und Wuschel hat eine allergische Reaktion (oder so etwas in der Art). Zum Glück eilt eine Biene zu Hilfe:

Ein Bienchen sieht die zwei in Not
und fragt: „Bist du vom Gift so rot?
Da weiß ich Rat und helfe gerne,
doch komm erst mal in die Luzerne.
In diesem gift’gen Menschengarten
sollte man nicht lange warten.“

Ein Wundermittel der kleinen Honigbiene heilt Wuschel auch sofort. Was Wuschel in der Kalahari hat, gibt es auch hier in Deutschland und daher war das Projekt des Tages: Propolis-Tinktur herstellen. Ich war ganz aufgeregt. Ich hab noch nie eine richtige echte Tinktur hergestellt.

Propolis ist eine Art Harz, mit dem Bienen ihren Stock nach außen abdichten. Es ist nicht nur klebrig, sondern hat auch eine starke antibakterielle bis antibiotische Wirkung. Da es sich um ein Naturprodukt handelt, ist das hierzulande mit der Wirkung so eine Sache – offiziell dürfen Imker Propolis nur als ‚Kosmetik‘ verkaufen und dabei nicht auf die vielfache Heilwirkung hinweisen. Propolis ist auch nicht gleich Propolis, denn je nachdem, welche Pflanzen die Bienen zur Herstellung verwenden, variieren die Inhaltsstoffe. Mehr zur Anwendung von Propolis kann man bei Wikipedia sowie auf diversen Seiten zum Thema Naturheilkunde nachlesen, z.B. hier und hier. Ich persönlich schätze Propolis-Tinktur vor allem wegen der Anwendbarkeit im Mund: Bei Verletzungen am Zahnfleisch bildet die Tinktur eine Schicht, die zum schnellen Abheilen der Wunde erheblich beiträgt. Viel besser als diese ganzen Glibbersalben aus der Apotheke.

Ich schwöre auf das Zeug, aber es ist eben ein bisschen schwer zu beschaffen. Und da mein lieber Vater ein paar Kisten voller Bienen im Wald rumstehen hat, dachte ich mir: Warum nicht einfach selber machen. Der Vater fand die Idee gut und ehe ich mich versah, steckte ich in einem Imker-Outfit, beugte mich über Waben voller fleißiger Bienen und kratzte mit einem kleinen Messer das Propolis von den Rähmchen. Nachdem wir eine Testmenge ‚geerntet‘ hatten, wurde das Harz über Nacht tiefgefroren. Das ist nötig, um es später mahlen zu können. Und so sieht das Wunderzeug im Urzustand aus:Rohpropolis und Ethanol

Mit einer alten Kaffeemühle habe ich das gefrorene Harz dann zu Pulver gemahlen – ich war etwas skeptisch, ob das klappt und habe daher die Mühle mit eingefroren. Keine Ahnung, ob das wirklich nötig war, das Mahlen funktionierte jedenfalls einwandfrei. Das gewonnene Pulver füllt man dann in ein kleines Glasgefäß:Gemahlenes Propolis mit Trichter einfüllen

Zum Schluss kommt noch Alkohol (aus der Apotheke; man hat mir dort 90-prozentiges Ethanol empfohlen) dazu und zwar grade so viel, dass das gesamte Pulver bedeckt ist. Dann schüttelt man das Ganze und bekommt das da:Propolis-Tinktur: Ansatz

Ich gebe zu, man hat schon Appetitlicheres gesehen. Die nächsten 1-6 Wochen (Angaben schwanken) wird sich an diesem Zustand auch nichts ändern. Ein bis zweimal täglich wird der Ansatz kurz geschüttelt, danach wird die Tinktur gefiltert und ich werde berichten. Bin schon sehr gespannt – sollte es klappen, denken der Vater und ich über eine etwas gezieltere Produktion nach. Momentan sind die Bienenkästen eher so ausgelegt, dass die kleinen Summer nicht so viel Propolis produzieren müssen. Vielleicht kann ich dann auch mal das eine oder andere Bild aus dem Inneren eines Bienenstockes liefern. Ist ganz spannend da.

PS: In der Luzerne ergeht es Wisch und Wuschel nicht viel besser als im Menschengarten. Aber wir können hier ja auch nur ein Drama nach dem anderen aufbereiten. Wer die Spannung nicht aushält, kann sich das Buch ja kaufen. Allen Bienen-Interessierten kann ich nur wieder die Seite der stadtimker ans Herz legen. Legt euch Bienen zu – sie riechen gut und man kann Tinkturen herstellen.

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Eine Antwort to “Propolis-Tinktur – das Experiment”

  1. Kolja Nickel Dezember 3, 2014 um 20:54 #

    Ich selber bin ja auch ein begeisterter Propolis Nutzer. Das Harz überrascht mich immer wieder neu. Es hilft bei der Wundheilung und frische Wunden werden unempfindlich echt gutes Zeug. Leider sind aber die gekauften Tinkturen nicht so hoch konzentriert wie die selbst gemachten. deshalb würde ich jedem Empfehlen lieber Rohpropolis zu besorgen und sich die Tinktur wie oben beschrieben selber herzustellen

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