Hermann – ein Schöpfungsversuch

8 Feb

Als ich heute in so einem Bio-Supermarkt neben vielen Menschen mit Jute-Beuteln vor Regalen voller gesunder Produkte in identischen Verpackungen stand und angestrengt starrend nach der von mir favorisierten Getreidemischung (Falafel-Fertigmischung) suchte, fiel mir etwas aus meiner frühen Jugend ein: Hermann. Erinnert ihr euch an Hermann? Hermann, der Teig? Den man füttern muss, um dann am Ende einen Kuchen zu backen und einen Teil Hermanns an die besten Freunde und unschuldige Nachbarn zu verschenken, die bald auch Hermann-Babies haben und nicht mehr wissen wohin mit dem Zeug? Meine Mutter hasste Hermann und ich ließ ihn in seinem dritten Lebenszyklus verhungern.

Wie auch immer. Inmitten dieser ganzen von Liebe, Vernunft und Qualität durchwirkten Umgebung beschloss ich, mir wieder einen Hermann zuzulegen. Diesmal wird sicher alles anders. Auf der sehr informativen Website kirchenweb.at (hier gibt es Religiöses, Kochrezept, Spaß & Fun) fand ich dann auch eine Anleitung zur Erschaffung eines Hermann. Natürlich ist dies nicht der Grundgedanke des Hermann-Teiges. Eigentlich soll man ihn ja geschenkt bekommen. Aber nicht jeder kennt einen „lieben Menschen, der dir den Ansatz schenkt“ und so sind einige arme einsame Seelen gezwungen, auf folgende Zutaten zurückzugreifen:

100g Weizenmehl
1 EL Zucker
150 ml lauwarmes Wasser
Hefe (laut Website Trockenhefe – ich dachte aber, Hermann mag frische Hefe sicher lieber und durchkämmte diesen Öko-Laden gefühlte fünf Stunden nach so einem Hefewürfel; ich empfehle Hermann dringend, darauf anzuspringen)

Letztendlich kippt man das dann alles zusammen: Mehl sieben, Zucker drauf, Hefe dazu, Wasser, rühren, rühren, rühren…

Und schon hat man einen Hermann. Zugegeben, besonders attraktiv ist er (noch) nicht:

Hermann kommt dann in ein verschließbares Gefäß. Vorsicht: Hermann mag kein Metall! Vermutlich ein Kindheitstrauma. In meiner Tupperbox wird er nun erst mal zwei Tage an einem warmen Ort vor sich hindösen, wobei er ab und an umgerührt werden möchte. Danach geht’s für 24 Stunden in den Kühlschrank. Kehrt er aus der Kälte zurück, bedeutet das laut kirchenweb.at: „Hermann ist geboren, du kannst ihn nun weiter verschenken oder selbst […] weiter pflegen.

Schaun wir mal, ob Hermann so weit kommt. Ich bin skeptisch, aber voller Vorfreude. Zu Bachelor-Zeiten habe ich schon einmal versucht einen Hermann zu züchten. Nach zwei Tagen musste ich ihn wegschütten. Auf der Heizung war es wohl zu warm. Oder so. Aber wie gesagt: Diesmal wird alles anders.

Ach übrigens: Denkt bloß nicht daran, das nachzumachen. Sollte mein Hermann leben und gedeihen, werdet ihr alle Hermann-Babies geschenkt bekommen und ich erwarte, dass sich alle total freuen.

 

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Eine Antwort to “Hermann – ein Schöpfungsversuch”

  1. Famousfirefighter Februar 11, 2011 um 10:44 #

    Ein Thema das hier gar nicht angesprochen wird ist der soziale Druck, der hinter Hermann steckt. Es geht beim Hermann ja nicht um den Kuchen, sondern darum um Beliebtheitsränge klar zustellen. So war das zumindest in der Schule. Da kam, zumindest in meiner Erfahrung immer das beliebteste Mädchen mit einem Hermann an. Zuerst bekam dann deren Entourage Ableger und langsam hat sich dass dann zu den weniger beliebten Kindern durchgearbeitet.
    Das geht solange gut bis das System kippt, das ganze weißt nämlich einen abnehmenden Grenznutzen auf.
    Ich habe mal versucht das hier darzustellen:

    (Nutzen aus Statussymbol/Kuchen)
    .
    .
    . +* + + + +
    . +
    . +
    . +
    .+
    .. . . . . . . . . . . .(Menge an Hermann im Umlauf)

    Aufgrund des exponentiellen Wachstums der Hermannableger sinkt ab * der Nutzen, der aus einer weiteren Einheit Hermann gewonnen wird. Es wird sogar eher lästig weitere Ableger zu bekommen.
    Es ist wohl unnötig zu sagen, dass ich meinen Hermann damals erst sehr spät bekommen hatte. Zu dem Zeitpunkt hatte sich aber schon rumgesprochen, dass es sich dabei lediglich um einen übelriechenden Teigbatzen handelt der auch gebacken nicht besonders lecker ist. Meine Freude hielt sich also in Grenzen.

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