Kein Adelstitel nötig

23 Jan

Diese wunderschöne Kontaktanzeige stammt aus dem aktuellen ZEITmagazin. Ich finde sie toll, denn hier wird gleich deutlich, um was es geht: Unterhaltung und Geld. Der Adelstitel ist dann gar nicht mehr so wichtig, wer legt schon Wert auf Äußerlichkeiten.

Vielleicht sollte ich eine ähnliche Anzeige aufgeben:

„Doktorandin, die ohne eigenes Verschulden bisher noch kein Vermögen geerbt hat, wünscht sich Finanzierung eines ausschweifenden Lebensstils. Gerne auch ein Pony.“

Tatsächlich aber schwirrt mir ein verwandtes Thema schon das ganze Wochenende im Kopf herum: Meine Freunde beenden nach und nach ihr Studium und fangen an zu arbeiten. Einstiegsgehälter sind plötzlich ein heiß diskutiertes Thema. Wie viel kann man für welchen Job fordern? Sollten fleißige Studenten höhere Summen auf dem Lohnzettel haben als diejenigen, die ihr Studium ‚ökonomisch‘ absolviert haben, sich aber gut verkaufen können? Und: Gibt es auch schon beim Einstieg ins Berufsleben Unterschiede zwischen den Geschlechtern? Nachdem letzte Woche mal wieder ein Studie diskutiert wurde, die zeigt, dass immer noch kaum Frauen in die Chefetagen deutscher Unternehmen vordringen, machte mich am Freitag aber vor allem eine Sache nachdenklich: In den Kommentaren zu dem Artikel über die Studie auf Spiegel Online wurde immer wieder die Meinung vertreten, Frauen hätten generell weniger Interesse daran, eine Führungskräftelaufbahn einzuschlagen. Ergo tauchen sie auch nicht in den Chefetagen auf – sie wollen ja nicht. Während ich das las, wurde ich richtig stinkig – für mich klingt dieses Argument immer nach einer billigen Entschuldigung. Als ich aber Freitagabend mit einigen Freundinnen aus dem Bachelor-Studium zusammen saß (allesamt tolle Frauen mit tollen Abschlüssen und richtig viel Talent im Gepäck), behaupteten drei von vier genau das: Keine Karriere machen zu wollen.

Ehrlich gesagt konnte ich es kaum glauben. Ich persönlich habe schon noch das eine oder andere vor im Leben und dazu gehört nicht, beruflich auf der Stelle zu treten. Auf der anderen Seite konnte ich ihre Argumente gut nachvollziehen: Es ist ja auch wichtig, sich wohl zu fühlen im Job, eine Aufgabe zu haben, die einem wirklich Spaß macht. Aber denken Frauen wirklich so? Oder ist das nur eine Rechtfertigung vor sich selbst, den Kampf gar nicht erst aufzunehmen? Schließlich haben wir alle gelernt, wie schwer es ist, in der großen bösen Unternehmenswelt zu überleben: Ellenbogenmentalität, Haifischbecken, Hierarchien usw. Hört man zumindest. Wirklich dagewesen ist ja bisher noch keine von uns. Und wünschen sich Männer etwa keine erfüllende Aufgabe? Nehmen sie einen Job nur an, um nach oben zu kommen und sich einen Sportwagen leisten zu können? Und wie passt dazu wieder die verärgerte Vermutung einer Freundin, schon im Einstiegsgehalt gegenüber Männern benachteiligt zu sein?

Obwohl ich weit davon entfernt bin, Frauen die Schuld an einem Fehler im System zuzuschieben, hat mich das Gespräch ziemlich nachdenklich gestimmt. Vor allem, weil ich meine Freundinnen während des Studiums immer als sehr zielorientiert erlebt habe. Als großer Fan von individuellen Lebensentwürfen wurde ich das üble Gefühl nicht los, dass die Entscheidung gegen eine Karriere (oder zumindest den Versuch, eine solche zu machen), nicht immer eine ganz freiwillige Entscheidung, sondern eher ein vorzeitiges Resignieren ist. Auf der andern Seite habe ich großen Respekt vor der Entscheidung, auf Geld zu verzichten, um etwas zu tun, was man wirklich tun möchte. Unter Umständen sollte ich doch über eine Kontaktanzeige nachdenken. Oder einfach auf Ursulas Frauenquote warten. Das diskutieren wir jetzt hier aber nicht.

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