Abendausflug in eine andere Welt

19 Jan

Ich war in meinem Leben bisher in vier oder fünf Moscheen. Kirchen hab ich versucht zu schätzen – keine Ahnung. Unzählige, immerhin bin ich in Bayern aufgewachsen. In einer Synagoge war ich allerdings noch nie. Höchste Zeit, das nachzuholen! Also ging es Montagabend mit einer bunten Mischung aus Kolleginnen, Erasmus-Studenten und Familienmitgliedern auf eine Führung durch die Ohel Jakob Synagoge am St.-Jakobs-Platz in München:

Ohel-Jakob-Synagoge München

(c) Constanze Rossmann

Leider kann ich keine Bilder vom Inneren des Gebäudes zeigen, da diese erst durch das Jüdische Zentrum freigegeben werden müssten. Ehrlich gesagt war ich auch zu sehr mit gucken beschäftigt und habe wenig fotografiert. Die Synagoge wurde erst 2006 eröffnet und hat einen entsprechend modernen Baustil, was ja auch von außen unschwer zu erkennen ist. Trotzdem (oder vielleicht auch gerade deshalb) steckt in jedem Detail eine symbolische Bedeutung. Glücklicherweise wurde uns das alles von einer äußert kompetenten Dame erklärt: Ellen Presser, Leiterin des Kulturzentrums der Israelitischen Kultusgemeinde. Sie ist ein wandelndes Lexikon. Dementsprechend viel habe ich an diesem Abend auch über das Leben der jüdischen Gemeinde in München und den jüdischen Glauben ganz allgemein gelernt.

Aber zurück zum Gebäude: Der Gang der Erinnerung führt vom Kulturzentrum zur eigentlichen Synagoge, dem Würfel mit dem anderen Würfel oben drauf. Mir war vorher nicht klar, dass der obere Teil des Gebäudes transparent ist. Während unserer Führung konnte man den Mond durch das Dach sehen, was mir schon ziemlich gut gefallen hat. Frau Presser erklärte, dass die Architektur an die Stiftshütte aus dem Alten Testament erinnert, die eigentlich keine Hütte, sondern ein umzäuntes Areal in der Wüste war. Außerdem bilden die Dreiecke der Dachkonstruktion unzählige Davidsterne, nur um mal einen kurzen Ausflug in die Symbolik des Bauwerks zu wagen.

Nach gut eineinhalb Stunden Wissenserwerb war ich dann ehrlich gesagt ziemlich erschlagen. Eine Führung lohnt sich aber auf jeden Fall. An vielen Sonntagen finden um 12 Uhr offene Gruppenführungen statt, der Unkostenbeitrag liegt bei € 5 pro Person.

Laut Wikipedia, welches sich wiederum auf einen Artikel in der Zeit bezieht, hat das Kulturzentrum inklusive Ohel Jakob Synagoge übrigens 57 Millionen Euro gekostet. Dafür steckt auch einiges drin, unter anderem eine Ganztagsschule und ein Kindergarten. Ohel Jakob bedeutet übrigens ‚Zelt Jakobs‘. Haben wir auch gelernt.

 

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