Frauen helfen Frauen 2016

30 Nov

Kaum zu glauben, aber dieses Jahr werde ich schon den fünften Schuhkarton (2015, 2014, 2013, 2012)  für die Münchner Aktion Frauen helfen Frauen packen! Ich würde mich sehr freuen, wenn es viele von euch gleich tun. Bevor ich ein paar persönliche Worte anschließe, hier erstmal die Rahmendaten zum Projekt, die man auch auf dem Flyer nachlesen kann. 20121212_frauen_helfen_frauen_raupenblau

Die Schuhkartons gehen an Frauen, die in Frauen- und Obdachlosenheimen verteilt werden. Seit Jahren wird diese Aktion von zwei Münchnerinnen, Silke und Heike, organisiert. Die beiden haben ein paar gute Empfehlungen, wie die Kartons gut zu befüllen sind (im letzten Jahr habe ich aufgeschrieben, was ich in meinen Karton gepackt habe):

  • Taschenkalender, schöner Stift oder Kugelschreiber, persönliche Grußkarte
  • Streifenkarte für den MVV
  • Wecker, Uhr
  • Körperpflegeprodukte, die etwas luxuriöser als die Billigmarken sind: Duschbad, Körperlotion, Lippenpflege, Handcreme, Deo, Nagellack, Nagelfeile, …
  • Lesestoff: Taschenbuch, gerne Liebesromane jeder Art, Zeitschriften
  • Handschuhe, Schals und Mützen
  • Accessoires: Tücher, Armreif, Kette, Brosche, Haarreif, Spangen
  • Etwas Süßes: Schokolade, Plätzchen, Nüsse, Pralinen (bitte nichts alkoholgefülltes!) und Bonbons
  • Warme Haussocken, Kuschelsocken,
  • Wolle in verschiedenen Farben, Häkelnadeln, Stricknadeln
  • Gutschein für einen Cafebesuch bei Kaffeehausketten, die es überall in München gibt

Speziell für obdachlose Frauen, die nur temporär Unterkünfte aufsuchen, werden folgende Dinge vorgeschlagen:

  • Warme Socken, dickere Handschuhe, Mützen, kuschelige Strumpfhosen und Socken in großen Größen
  • Hustenbonbons
  • Wärmflaschenetikett_frauen_helfen_frauen

Wenn euer Päckchen an obdachlose Frauen gehen soll, dann gibt es ein Etikett, das man auf das Geschenk kleben kann – so landen die Sachen sicher bei der richtigen Person.

Bis zum 17. Dezember 2016 können die Schuhkartons in diesen beiden Geschäften abgegeben werden:

Buchhandlung Wilma Horne | Wörthstraße 18 | www.buchhandlung-horne.de

Atelier Zierputz | Kurfürstenstraße 19 | www.atelierzierputz.de

Ein wichtiger Hinweis: Die Schuhkartons sollen nicht in Geschenkpapier verpackt werden. Die Organisatorinnen werfen einen kurzen Blick hinein, da leider in der Vergangenheit einige unschöne Dinge auftauchten (angebrochene Pflegeprodukte, alte Kleidung,…). Daher einfach den Schuhkarton so wie er ist abliefern, verpackt wird dann vor Ort.

Ich freue mich schon wieder sehr darauf, meinen Karton zu packen. Zu mir war 2016 insgesamt sehr gnädig, aber die Welt im Allgemeinen hat es ganz schön gebeutelt. In einer Welt, die gefühlt zunehmend auseinander driftet, kann ein bisschen extra Liebe nicht schaden. Und wenn man die in einen Schuhkarton packen kann, dann bin ich dabei.

Die Aktion lebt davon, dass wir sie weiter erzählen – also teilt diesen Beitrag, verschickt den Flyer und packt Päckchen!

Von Innsbruck nach Bozen: Tag 7 (Latzfonser Kreuz bis Oberbozen)

24 Okt

Der siebte und letzte Tag unserer Mini-Alpenüberquerung. Wir hatten noch einmal einiges an Strecke zu überwinden, allerdings ging es nun hauptsächlich bergab, Bozen entgegen.

Latzfonser Kreuz über Rittner Horn bis Oberbozen | raupenblau

Im Morgenlicht am Latzfonser Kreuz

Zu den Daten des Tages:

Ausgangshöhe: 2.304 Meter
Zielhöhe: 1.209 Meter
Höchster Punkt: 2.343 Meter
Tiefster Punkt: 1.209 Meter
Höhenunterschied: 433 Hm auf, 1.531 Hm ab
Strecke: 25,4 Km

Latzfonser Kreuz über Rittner Horn bis Oberbozen | raupenblau

Wilde Wolken vor Dolomiten

Der Tag war etwas bittersüß. Einerseits freute ich mich (und die anderen sicher auch) sehr darauf, anzukommen. Auf der anderen Seite war gerade der letzte Abend am Latzfonser Kreuz so magisch (und die Aussicht am Morgen fantastisch) und während wir langsam abstiegen, fing ich schon an, die Berge zu vermissen. Denn natürlich wurde die Gegend von Schritt zu Schritt touristischer und erschlossener. Eine kurze Zeit gingen wir noch über eine relativ einsame Hochebene. Aber sehr bald trafen wir auf zahlreiche Hütten und Weidezäune und wurden von Autos überholt.

Latzfonser Kreuz über Rittner Horn bis Oberbozen | raupenblau

Auf dem Weg zum Rittner Horn

Latzfonser Kreuz über Rittner Horn bis Oberbozen | raupenblau

Auf dem Weg zum Rittner Horn

Nach einem eher kleinen Aufstieg erreichten wir mit dem Rittner Horn unseren letzten Gipfel. Die Raststation hier erinnerte an einen alten Bahnhof, der Kaiserschmarrn war leider eher enttäuschend (3 Rosinen, schmeckte fettig und unfluffig, hatte aber viel Puderzucker und Rosinen).

Latzfonser Kreuz über Rittner Horn bis Oberbozen | raupenblau

Kaiserschmarrn am Rittner Horn

Danach folgte ein langer Abstieg, erst über Wiesen (etwas ungemütlich entlang einer Skipiste), dann durch schöne Pinienwälder.

Latzfonser Kreuz über Rittner Horn bis Oberbozen | raupenblau

Auf dem Weg nach Oberbozen

Das Highlight war die Lama- und Alpaka-Zucht kurz vor Oberbozen. Hier trafen wir auf den erfolgreichsten Lama-Hengst Europas, der für das Foto leider nur sein Hinterteil präsentierte.

Latzfonser Kreuz über Rittner Horn bis Oberbozen | raupenblau

Der erfolgreichste Lama-Hengst Europas von hinten

Latzfonser Kreuz über Rittner Horn bis Oberbozen | raupenblau

Nachwuchs

Und dann waren wir endlich in Oberbozen und es gab Eiskaffee. Nach Bozen hinunter gönnten wir uns die Seilbahn. Meine Knie und Füße dankten es mir. In Bozen fanden wir schnell unsere Unterkunft (die neben uns von einem Ehepaar bewohnt wurde, das eigentlich immer Pyjamas trug). Hier wurde geduscht und alle bis auf den armen Guido wechselten in alternatives Schuhwerk. Es war definitiv ein super Gefühl, in Leggings, T-Shirt und Turnschuhen und vor allem ohne Rucksack durch die Stadt zu laufen. Wir genossen ein sehr leckeres Abendessen im Nussbaumer und natürlich ein Eis im Anschluss. Auf dem Heimweg fing es an zu regnen, aber so im Tal ist einem das ja eher egal. Am nächsten Tag besuchten wir noch Ötzi (schon lange ein Wunsch von mir) und am Abend brachte uns der Flixbus zurück nach Österreich bzw. Deutschland. Innerhalb weniger Stunden fuhren wir so die Strecke zurück, die wir eine Woche lang zu Fuß gelaufen sind:

Ausgangshöhe: 960 Meter
Zielhöhe: 1.209 Meter
Höchster Punkt: 2.646 Meter
Tiefster Punkt: 948 Meter
Höhenunterschied: 8.085 Hm auf, 8.580 Hm ab (Seilbahn nicht beachtet)
Strecke: 106 Km

So weit bin ich vorher definitiv nie am Stück gelaufen. Es war auf jeden Fall anstrengend, aber auch ein tolles Erlebnis. Unsere Gruppe hat gut funktioniert, was sicher nicht selbstverständlich ist. Wir hatten sehr viel Glück mit dem Wetter und (da wir schon im April unsere Unterkünfte gebucht hatten) meistens den Luxus, im Zimmer statt im Lager zu übernachten.

Das Beste an der ganzen Sache (außer der vielen vielen Bergzeit) war aber definitiv die Tatsache, dass man auf so einer Tour sehr viel essen kann. Ich habe sicher doppelt so viel gefuttert wie sonst an einem Tag, denn mein Körper hat jeden Bissen davon gebraucht. Da ich sehr gerne esse, war das prima. Unterm Strich würde ich es also auf jeden Fall wieder tun.

Hier geht es zu den anderen Etappen der Tour.

Siebdruck

20 Okt

Vor lauter Wandern und Berge sieht man den Blog fast gar nicht mehr, aber natürlich passieren in meinem Leben auch noch andere Dinge. Beispielsweise wurde mir von meinen Kolleginnen und Kollegen ein Siebdruck-Workshop in der Silberfabrik zum Geburtstag geschenkt. Igel-Icon by ludmil under creative common licence https://thenounproject.com/Maludk/collection/autumn-day/?i=582725Letztes Wochenende wurden Andrea und ich dann aktiv und druckten unter der Anleitung von Silberfabrik-Chefin Sarah was das Zeug hielt. Siebdruck funktioniert erstaunlich einfach und toll. Wir waren beide ganz begeistert und konnten uns kaum trennen.

Der Igel war eines meiner vier Motive – man kann natürlich noch wesentlich filigranere Drucke machen. Gefunden habe ich die Vorlage bei The Noun Project. Der Künstler ist ludmil und hier findet ihr das Igelchen, zusammen mit anderen tollen Herbst-Motiven.

Von Innsbruck nach Bozen: Tag 6 (Penser Joch bis Latzfonser Kreuz)

20 Okt

Tag 6 der Mini-Alpenüberquerung startete mit Liebe und Freude: Ben hatte Geburtstag! Am Vorabend hatte es kurz und entschieden gehagelt, und am Morgen war es bewölkt. Glücklicherweise hielt das Wetter, bis auf zweimal kurzen Nieselregen. Wir starteten um 8 Uhr, da wir einiges an Strecke vor uns hatten. Auf der Karte sah es nach relativ wenig Höhenmetern aus, was aber nicht so ganz stimmt, wenn man sich die Daten des Tages anguckt:

Ausgangshöhe: 2.213 Meter
Zielhöhe: 2.304 Meter
Höchster Punkt: 2.575 Meter
Tiefster Punkt: 2.036 Meter
Höhenunterschied: 1.195 Hm auf, 1.113 Hm ab
Strecke: 19,9 Km

Penser Joch über Marburger Hütte bis Latzfonser Kreuz | raupenblau

Auf dem Weg zur Flaggerschartenhütte

Obwohl wir immer über 2.000 Meter blieben, gab es doch einiges an Auf und Ab. Allerdings war die Landschaft sehr ansprechend, mit tollen Ausblicken, kleinen Bachläufen und Seen und netten Tieren. Unter anderem trafen wir weitere Murmeltiere und eine kleine Herde junger Haflinger, denen Undine zu ihren ersten Bissen Apfel verhalf – man hat Pferde selten so begeistert gesehen.

Penser Joch über Marburger Hütte bis Latzfonser Kreuz | raupenblau

Glückliche Haflinger

Sehr schöne Kühe gab es auch.

Penser Joch über Marburger Hütte bis Latzfonser Kreuz | raupenblau

Fotogener Jungbulle

Unterwegs stellte sich heraus, dass unsere Tagesetappe zwei Etappen der Hufeisentour entsprach. Wir trafen diverse Hufeisentour-Geher, die zum Teil recht stark jammerten über die schwierigen Wege und die weiten Strecken. Ich frage mich, wie diese Tour vermarktet wird. Einige der Wanderer waren interessant ausgerüstet und trugen bemerkenswert große Rucksäcke auf dem Rücken.

Penser Joch über Marburger Hütte bis Latzfonser Kreuz | raupenblau

Marburger Hütte/Flaggerschartenhütte

An der Marbuger Hütte/Flaggerschartenhütte machten wir eine Mittagspause und verspeisten den kleinen Kuchen, den wir für Ben dabei hatten. Die zweite Etappe bis zum Schutzhaus Latzfonser Kreuz zog sich dann etwas – insgesamt war sie zwar sehr gut zu gehen (es gab an diesem Tag insgesamt nur zwei Seilsicherungen), aber meinen Füßen reichte es langsam mit Wandern und sie taten ziemlich weh. Gemeinerweise zeigt sich die Hütte auch wirklich erst dann, wenn man schon fast davor steht.

Penser Joch über Marburger Hütte bis Latzfonser Kreuz | raupenblau

Endlich! Das Schutzhaus Latzfonser Kreuz zeigt sich.

Dafür lohnte sich das Tagesziel: Das Schutzhaus Latzfonser Kreuz ist sehr schön, das Essen lecker, die Wirtsleute nett, ihre Hunde flauschig und der Blick auf die Dolomiten fantastisch. Trotz beanspruchter Füße juckte es mich in denselben beim Anblick der markanten Gipfel. Dann gab es auch noch ganze 90 Sekunden warmes Wasser für einen Euro.Wir waren glücklich.

Penser Joch über Marburger Hütte bis Latzfonser Kreuz | raupenblau

Schutzhaus Latzfonser Kreuz

Das sagen die Mitwanderer:

Guido: „Die Hütte kommt und kommt nicht.“

Ben: „Heute kann es regnen, stürmen oder schreien, denn ich schrei‘ ja selber, wie der Sonnenschein.“

Undine: „…“

Penser Joch über Marburger Hütte bis Latzfonser Kreuz | raupenblau

Vollmond über Dolomiten

Als die Mitwanderer nach einer kleinen Runde Yoga im Freien schon im Bett lagen, saß ich noch ein bisschen draußen, telefonierte kurz mit Bastian und bewunderte den Vollmond. Das war ein wirklich schöner, friedlicher Moment, für den allein sich die ganze Schinderei schon gelohnt hat.

Von Innsbruck nach Bozen: Tag 5 (Sterzing bis Alpenrosenhof)

19 Okt

In Sterzing erwachte ich etwas verstimmt. Zwar war ich sauber und die Wäsche vom Vorabend war ausnahmsweise fast trocken, aber ich hatte nicht gut geschlafen und fühlte mich fehl am Platz – wenn ich eine Sache an dieser ganzen Tour ändern könnte, dann wäre es der Weg über Sterzing. Die ganzen Straßen und Autos irritierten mich und rissen mich aus meiner schönen Berg-Blase. Dann mussten wir auch noch über den Autohof Sadobre stapfen, auf der Suche nach Blasenpflaster-Nachschub. Den gab es nicht, vermutlich weil LKW-Fahrer nicht so arg von Blasen betroffen sind. Diese Nachricht konnte ich immerhin gut verarbeiten, denn auf der ganzen Tour musste ich nicht einmal etwas auf meine Füße kleben. Sie taten zwar irgendwann weh, aber es ist definitiv empfehlenswert, eine Mehrtageswanderung in Schuhen zu absolvieren, die man jahrelang sorgfältig eingelaufen hat.

Sterzing über Zinseler bis Penser Joch | raupenblau

Auf dem Weg zum Mandlseite Joch

Aufbruch war um kurz nach 9 Uhr, nachdem wir das Frühstücks-Buffett im Hotel geplündert hatten. Wir hatten an diesem Tag erst einmal 1.500 Höhenmeter zu überwinden, wobei es einen Forstweg und einen Pfad gab. Der Pfad entpuppte sich als dschungelartiges Dickicht und ein Schweizer Taschenmesser ist nun mal keine Machete. Mit der Pflege der Wanderwege nimmt man es rund um die Alpinstadt Sterzing wohl nicht so genau. Es war relativ warm und wir waren ganz allein mit rund 5.000 Mücken. Ich denke ich habe mehr erschlagen als mich gestochen haben. Guido entschied sich zu einem drastischen Schritt und zog seine Regenkleidung über. Aus all diesen Gründen wechselten wir auf den Forstweg und stiegen zügig auf, so dass wir die lästigen Insekten bald hinter uns ließen.

Sterzing über Zinseler bis Penser Joch | raupenblau

Liebevoll gepflegter Wanderweg

Am Mandlseite Joch machten wir eine erste Pause und beguckten die Aussicht. Mich faszinierte sehr, wie sich die Vegetation von einem Tag auf den anderen geändert hatte: Anderes Gras, andere Kräuter (wilder Thymian!), andere Bäume. Offenbar verläuft am Brenner auch eine Art klimatische Grenze. Ab dem Mandlseite Joch wurde es auch gleich etwas alpiner und ich genoss den Aufstieg zum Zinseler.

Sterzing über Zinseler bis Penser Joch | raupenblau

Blick vom Zinseler-Gipfel

Sterzing über Zinseler bis Penser Joch | raupenblau

Blick vom Zinseler Gipfel

Kurz einmal kamen wir vom Weg ab, konnten aber über eine Wiese unkompliziert korrigieren und ich bestaunte das silbrig und goldig glitzernde Gestein. Alles so anders! Selbst die Ziegen am Gipfel waren anders und wir legten eine lange entspannte Pause ein. Danach folgte nur noch ein einfacher Abstieg hinunter zum Penser Joch. Nachdem wir die Straße überquert hatten, trafen wir kurz vor unserer Unterkunft endlich auf Murmeltiere. Die waren offensichtlich touristisch sozialisiert und ließen sich gerne mit Trailmix bewerfen. Ben schloss richtig Freundschaft mit einem der gut genährten Nager.

Sterzing über Zinseler bis Penser Joch | raupenblau

Das Murmeltier

Unsere Unterkunft für die Nacht war der Alpenrosenhof, wo wir um kurz vor 17 Uhr eintrafen. Ein seltsamer Ort, an dem man gut einen Berg-Krimi drehen könnte. Das Essen war eher mittelmäßig, die Betten etwas seltsam, aber wir hatten einen Balkon zum Wäsche aufhängen und irgendwie genoss ich die ganze schräge Atmosphäre. Das Penser Joch an sich ist schon komisch, denn es ist eigentlich nur ein Parkplatz.

Sterzing über Zinseler bis Penser Joch | raupenblau

Alpenrosenhof am Penser Joch

Und das sagen die Mitwanderer:

Guido: „Füße schmerzen langsam, aber endlich ein Gipfelkreuz.“

Undine: „Immer noch so viele Berge im Süden übrig.“

Ben: „Hoffnung auf ruhigere Tage.“

Wie man sieht machte sich allmählich eine gewisse Erschöpfung breit. Kein Wunder, denn wir hatten auch schon einiges hinter uns. An diesem Tag:

Ausgangshöhe: 948 Meter
Zielhöhe: 2.213 Meter
Höchster Punkt: 2.422 Meter
Tiefster Punkt: 948 Meter
Höhenunterschied: 1.648 Hm auf, 288 Hm ab
Strecke: 15,0 Km

Von Innsbruck nach Bozen: Tag 4 (Tribulaunhütte bis Sterzing)

18 Okt

An Tag 4 der Mini-Alpenüberquerung wurden wir von den Wirtsleuten der Tribulaunhütte sehr freundlich verabschiedet. Ich habe mir leider nicht notiert, wann wir an diesem Tag losgewandert sind, aber ich schätze, er war lang. Der Plan sah wie folgt aus: Durch ein Geröllfeld hinauf zur Schneetalscharte (2.646 m), dann ganz hinunter ins Tal nach St. Anton und von dort am Bach entlang nach Sterzing. Mir graute etwas vor dem langen Abstieg und den vielen Kilometern im Tal, aber sonst war ich guter Dinge. Nicht zu recht, wie sich zeigen sollte. Aber erst einmal zu den Basisdaten des Tages:

Ausgangshöhe: 2.064 Meter
Zielhöhe: 948 Meter
Höchster Punkt: 2.646 Meter
Tiefster Punkt: 948 Meter
Höhenunterschied: 799 Hm auf, 1.915 Hm ab
Strecke: 24,2 Km

Bis zur Schneetalscharte lief es wie erwartet etwas mäßig. Nach einem kurzen netten Steig kam Geröll, Geröll und nochmal Geröll. Wir kämpften uns so durch und kamen schnaufend und verschwitzt oben an. Zwischendurch passierte aber noch etwas entscheidendes: Große Markierungen mit Buchstabenkürzeln zeigten eine Abzweigung im Geröllfeld. Eigentlich war klar, dass wir uns nach links orientieren müssen. Diese Abzweigung hatten wir aber gerade verpasst und auf der Karte sah es so aus, als könnte man auch rechts gehen. Also gingen wir rechts.Tribulaunhütte bis Sterzing | raupenblau

Oben angekommen war die Stimmung schon nicht so grandios. 2.600 Meter Höhe spürt man. Außerdem sahen die Alternativen für den Weiterweg irgendwie nicht so furchtbar rosig aus: Nach rechts ging es hinauf zum Gschnitzer Tribulaun, da wollten wir nicht hin. Nach links deutete sich eine markierte Seilsicherung an, die nach Klettersteig aussah (das wäre der richtige Weg gewesen). Geradeaus ging eine steile, geröllige, unmarkierte Scharte. Weiter unten konnte man den Weg erahnen. Nach einer kurzen Beratung mit anderen Wanderern kamen wir zu dem Schluss, dass wir früher hätten links gehen sollen (richtig), dass der Klettersteig zu gefährlich ist ohne Sicherung (keine Ahnung, dazu hätte man einfach mal reinsteigen müssen) und dass es dadurch am vernünftigsten ist, durch die Scharte abzusteigen (falsch).

Tribulaunhütte bis Sterzing | raupenblau

Der unschuldig wirkende Einstieg in die Scharte

Mir machte diese Scharte von Anfang an ziemliche Bauchschmerzen, deswegen wollte ich nicht mehr warten und direkt einsteigen (ich weiß…). Da ich Sorge wegen Steinschlag hatte (wir hatten ja keine Helme dabei) schlug ich vor, mit Guido vorzugehen, die anderen sollten folgen, wenn wir unten ums Eck waren. Schon auf den ersten Metern wurde klar, dass die Scharte wirklich verdammt steil war. So steil, dass man eigentlich nur hinunterrutschen konnte. Da ich nur Shorts anhatte, zog ich eine Regenhose über (eine sehr weise Entscheidung). Wir rutschten also eine Weile, was ganz gut ging. Aber dann kamen wir an eine Stufe, die von oben nicht zu sehen gewesen war. Und die war ganz schön hoch. Ich kann recht gut klettern, aber nicht mit Rucksack (das hasse ich, siehe diverse Klettersteig-Erlebnisse). Daher kam ich auf die grandiose Idee, meinen Rucksack die Stufe hinunter zu werfen und hinterher zu klettern. Natürlich fiel der Rucksack nicht nur die Stufe hinunter, sondern hüpfte weitere ca. 50 Meter von Fels zu Fels nach unten. Handy in der Außentasche und so. Ach ja, der Rucksack war auch neu. In dem Moment war mir das aber herzlich egal, ich war froh, einfach klettern zu können. Trotzdem wechselte ich an der nächsten Stufe (denn die kam und war noch größer) die Strategie und reichte Guido den Rucksack hinunter. An dieser Stelle muss ich mal eine Lanze für die Firma Deuter brechen: Der Rucksack hat alles überlebt. Er hat nur ein winziges Loch. Das Handy lebte auch noch, sogar der Akku funktionierte danach wieder besser (?).

Ich will der Scharte hier nun nicht mehr Raum geben als möglich. Wir kamen da irgendwie durch, Guido und ich waren ein gutes Team und Ben und Undine schafften es später auch. Aber es war eine falsche Entscheidung, die uns unnötig in Gefahr gebracht hat. Aus meiner persönlichen Warte hätte ich einige Dinge anders machen sollen: Mir mehr Zeit für die Wegentscheidung nehmen, selbst die Karte lesen (wobei das in diesem speziellen Fall wenig gebracht hätte), nicht aus Anstrengung und Erschöpfung heraus entscheiden und auf mein Bauchgefühl hören. Als letzter Tribut an die Scharte hier nun eine Liste mit Dingen, die ihr zum Opfer fielen:

  • Regenhose (Clarissa)
  • eine Naht an Wanderhose (Undine)
  • diverse Schäden an allen Rucksäcken & Wanderstöcken (alle; zum Glück war alles danach noch zu gebrauchen)
  • Beulen an Flachmann und Handy (Clarissa)
  • brauner Hosenboden (Ben & Guido)
  • verbeulte Trinkflaschen (Undine & Ben)
  • diverse Kratzer und blaue Flecken (alle)
  • seelische Schäden (alle)

    http://www.deuter.com/DE/de/index.html

    Meine Regenhose, Post-Scharte

Nachdem wir die Scharte überwunden hatten, zogen Wolken auf und wir stiegen ab, wobei es ab und zu ein bisschen regnete. Insgesamt war der Abstieg eigentlich ganz schön, auf kleinen Wegen hinunter ins Tal. Ich musste allerdings noch ein bisschen Trauerarbeit leisten und ein Stück alleine gehen und mir Gedanken über die Scharte machen. Irgendwann stolperte ich und fiel hin und beschloss etwas genervt, das ganze hinter mir zu lassen. Klappte ganz gut.

Tribulaunhütte bis Sterzing | raupenblau

Ein kurzer Blick auf den Feuersteinferner

Kurz vor St. Anton besichtigten Guido und ich noch einen Wasserfall (wenig spektakulär) und dann gab es endlich mal wieder einen Apfelstrudel. Nicht der beste Apfelstrudel aller Zeiten, aber immerhin. Ich hatte den großen Luxus, von den Wanderschuhen in leichte Sneaker wechseln zu können, die ich als Hüttenschuhe dabei hatte. Das war dann erstmal super, wir liefen den Talweg entlang Richtung Sterzing. Bis Gossensasss war es sehr schön, wir sahen Bienen und Fohlen und Frösche. Danach war die Wegführung etwas seltsam, wir mussten viel an der Straße entlang gehen (kurz auch mal schön an der Brenner-Autobahn), bis wir endlich endlich in Sterzing am Kolpinghaus ankamen. Nun gab es Pizza. Ich vermute sie war gut, aber da ich sie wie ein hungriger Wolf verschlungen habe, kann ich nicht viel dazu sagen. Tiramisu zum Nachtisch, Taxi* ins Hotel, eine lange heiße Dusche und dann knipsten wir das Licht aus. Zum ersten Mal in Italien, das fing nämlich irgendwo in der Scharte an.

Und das sagen die Mitwanderer:

Undine: „Es war nicht alles schlecht.“

Ben: „Punkte sind nicht immer gut.“

Guido: „Bisher aufregendster Tag der Tour.“

*Als kleine Anekdote am Rande sei noch erwähnt, dass der Taxifahrer uns eine vom Tourimusverband gesponserte Fahrt hinauf zum Penser Joch (unserem nächsten Tagesziel) für schlappe 3 Euro anbot. Ben war zumindest kurzzeitig in dem Glauben, ich würde dieses Angebot annehmen. 

 

Von Innsbruck nach Bozen: Tag 3 (Innsbrucker Hütte bis Tribulaunhütte)

13 Okt

Tag 3 der Fast-Alpenüberquerung war eher so das, was man sich unter einer Tagestour vorstellt. Nach dem langen zweiten Tag war das auch gut so. Nach einem gemütlichen Frühstück warteten wir (vergeblich) darauf, dass unsere am Vorabend gewaschene Kleidung trocknete und machten uns gegen 9 Uhr auf den Weg – behängt wie Kleiderständer.

Innsbrucker Hütte bis Tribulaunhütte | raupenblau

Schafe an der Innsbrucker Hütte

Wie am Vortag war das Wetter schön, im Laufe des Tages wurde es richtig warm. An der Innsbrucker Hütte weiden Schafe, und so stiegen wir erst einmal durch Schafkacke ab, später wurden daraus Grashüpfer. Der Abstieg war ganz schön steil, wir bewältigten ihn aber recht zügig und waren am späten Vormittag im Tal bei Gschnitz, wo wir uns im Gasthaus Feuerstein einen Snack gönnten (bei mir war es eher ein ausgewachsener Eis-Palatschinken). Mein geliebtes Mobiltelefon hatte passenderweise beschlossen, auf dieser Tour jegliche Akku-Zuverlässigkeit aufzugeben und ich durfte es im Gasthaus netterweise aufladen. Wir hingen da eine Weile rum.

Innsbrucker Hütte bis Tribulaunhütte | raupenblau

Die nächste zu überwindende Bergkette

Nach kurzer Diskussion beschlossen wir, für den Aufstieg zur Tribulaunhütte (der österreichischen) den Forstweg zu nutzen, der uns nach kurzer Zeit an einen sehr schönen Bergbach führte. Dort nahmen wir zur Abwechslung einen Snack zu uns und hängten die Füße ins kalte Nass. Nachdem wir von freundlichen jungen Kühen abgeschleckt worden waren, erreichten wir (nach einem einfachen, wenn auch Temperatur bedingt schweißtreibenden Aufstieg) gegen 16 Uhr die Tribulaunhütte. Diese Hütte habe ich ja sehr ins Herz geschlossen: Sie ist ein lustiger Würfel aus den späten 1970er Jahren, die 2014 saniert wurde. Dadurch ist sie modern, hat ihren 70er-Jahre-Charme aber glücklicherweise behalten.

Innsbrucker Hütte bis Tribulaunhütte | raupenblau

Pause auf dem Weg zur Tribulaunhütte

Wir genossen den langen freien Abend, aßen Brot mit Ei und Kaiserschmarrn (leider nur 3 Rosinen in der Kaiser-Wertung: keine Rosinen, unfluffig, unsüß und nicht karamellisiert) und spielten Spiele. Der kompetitive Charakter der Brettspiele trug allerdings nicht zum Zusammenhalt in der Gruppe bei und ließen es wieder sein. Auf der Tribulaunhütte kann man theoretisch kostenlos warm duschen, wir waren aber zu früh dran und der Wärmespeicher noch nicht gefüllt. Außerdem gibt es nur eine frei zugängliche Steckdose, was meinen Akku-Problemen natürlich nicht entgegen kam.

Innsbrucker Hütte bis Tribulaunhütte | raupenblau

Tribulaunhütte

Zu den Eckdaten des Tages:

Ausgangshöhe: 2.369 Meter
Zielhöhe: 2.064 Meter
Höchster Punkt: 2.372 Meter
Tiefster Punkt: 1.277 Meter
Höhenunterschied: 1.182 Hm auf, 1.482 Hm ab
Strecke: 10,4 Km

Und das sagen die Mitwanderer:

Ben: „Meine Wadln sind hart wir Kruppstahl.“

Undine (bei der Waden-Massage): „Wenn du auch immer so rennen musst.“

Guido: „Keine Tiere gesehen.“ [Anm. d. Autorin: Das stimmt nicht ganz. Guido und Undine haben eine Maus gesehen. Kühe und Schafe wurden ab Tag 2 nicht explizit mehr berücksichtigt.]

In der Tribulaunhütte schliefen wir im Lager, gemeinsam mit zwei Herren, die zwar recht lange und laut im Gastraum feierten, dann aber vorbildlich leise ins Lager huschten (unsere Zu-Bett-Geh-Zeit war meistens 21 Uhr) und nicht schnarchten. Die Hütte wird von einer sehr lieben Wirtsfamilie inklusive Oma bewirtschaftet und wir haben uns hier sehr gut aufgehoben gefühlt. Der eher ruhige Tag war im Nachhinein gesehen ein Segen, denn der nächste sollte es (Achtung: Cliffhanger) in sich haben. Ach ja: Und die Wäsche wurde trocken.